Am Samstag den 22. Februar 1919 gingen die zwei Freunde Karl Vockenhuber (37 Jahre) und Ing. Alois Handler (38 Jahre) in eine Notariatskanzlei am Wiener Petersplatz, um die Gründung der "Elektrizitäts- und Metallwaren- Industrie Gesellschaft m.b.H." schriftlich zu besiegeln.
Beide Herren arbeiteten zuvor jahrelang in der Firma Westinghouse, Ing. Handler als Betriebsleiter der Glühlampenfabrikation, und währed des ersten Weltkrieges in der Rüstungsfertigung, Karl Vockenhuber schon seit 1912 als Direktor der Firma, und seit 1916 als kaufmännischer Direktor der Firma Metax, des damals gegründeten zentralen Verkaufsbüros der Glühlampenfabriken Kremenecky, Watt und Westinghouse.

Die Gründerväter Komm.-Rt. Karl Vockenhuber und Ing. Alois Handler.
Ausschnitt aus einer eumig-Allegorie von Prof. Ernst Fuchs,
die anlässlich des 50. jährigen Jubiläums der Firma eumig
von In
g. Karl Vockenhuber jun. in Auftrag gegeben wurde.

Karl Vockenhuber


                              
  ah_fuchs



                             
 
        Komm.-Rt. Karl Vockenhuber      Ing. Alois Handler  

 

Gemeinsam verfügten sie über ein Vermögen von 40.000 Gulden, nicht ausreichend für die Firmengründung, weshalb sie sich mit dem gemeinsamen Bekannten Adolf Halpern zusammenschlossen, der die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellte. Adolf Halpern trat nie aktiv in der Firma eumig auf.
Als symbolisches Zeichen wurden sämtliche Erzeugnisse der Firma mit der Wurzel aus 3 -  √3 gekennzeichnet.

linke_wienzeileDie erste Betriebsstätte befand sich in einem Kellerlokal in der "Linken Wienzeile" Nr. 86, einer bescheidenen Werkstätte, in der 4 Angestellte und 20 Arbeiter ihre Arbeit aufnahmen. Es wurden Zigarettendosen und Feuerzeuge hergestellt.




patronen-fz In der Nachkriegszeit waren Rohmaterialien fast nicht zu erhalten, und die Produkte sollten erschwinglich sein. So kam Ing. Handler auf die Idee, aus Patronenhülsen-Feuerzeuge herzustellen, die von der Patronenfabrik Hirtenberg bezogen wurden.
Die Produktion von Zigarettendosen ließ man bald auslaufen.





schallergasse2 Noch 1919 kam es zu einer Betriebumsiedelung mittels eines einspännigen Pferdewagens, in den 12. Wiener Gemeindebezirk in die Schallergasse Nr. 42. Ein mühsames Unterfangen, galt es doch schwere Maschinen zu transportieren.
In der Schallergasse begann man mit der Erzeugung des zweiten Produktes, eines Taschenfeuerzeuges, das so konstruiert war, daß man nicht beide Hände zur Bedienung gebrauchen mußte. Im Jänner 1920 kam es zur Festlegung auf den kürzeren und einprägsameren Firmennamen "eumig", damals wurde der Name noch mit einem große "e" geschrieben, also "Eumig".

 

 

hirschengasseHirschengasseIm Juli 1921 übersiedelte die gesamte Firma in den 6. Wiener Bezirk, in die Hirschengasse Nr. 5. Dort setzten 60 Arbeiter und 15 Angestgellte ihre Arbeiten weiter fort.




Die beiden Geschäftsführer wollten so bald wie möglich in die Elektrobranche einsteigen. Zu dieser Zeit steht der Elektromaterialbetrieb, die Firma Hirsch & Lukas in Liquidation, Vockenhuber und Handler kaufen mittels eines Bankkredites die Masse auf, und sind nun im Besitz von Werkzeugen und Halbmaterialien.


Hebelschalter Es beginnt die Produktion von Schaltern, Hebelschaltern, Sicherungsdosen etc.







Flachfeuerzeug Kurz nach der Übersiedlung wurde ein weiteres Feuerzeug entwickelt, ein Flachfeuerzeug mit Reibstift und Docht, der äusseren Form der Vorderfront eines damaligen Autokühlers nachgebildet. Ein durchschlagender Erfolg! Dieses wurde in späteren Zeiten entweder versilbert oder vergoldet den Jubilaren zum 25. oder 50. Firmenjubiläum überreicht.

Gleichzeitig fanden damals die Elektrowaren der Firma eumig reissenden Absatz, es konnte sogar bis nach Rumänien exportiert werden. Besonders die Aus- und Umschalter von 10 bis 500 Ampère waren gängige Ware. Diese waren auf Marmorplatten montiert.

Nach dem Flachfeuerzeug beschränkte sich die Produktion zur Gänze auf Elektromaterial. Ing. Handler reiste nach Italien um sich das italienische Patent einer Stöpselsicherung näher anzusehen, und kam - von der neuen Idee eines Radios besessen, zurück. In Italien waren 1923 die ersten Erfolge der drahtlosen Telefonie erzielt, und deren parktische Eignung für Rundfunksendungen festgestellt worden. Als Ing. Leopold Kreutz als ganz junger Mann 1924 direkt von der Schule zur eumig kam, kam die Radioerzeugung Schwung.
Im Oktober 1924 verbreitete sich der Hörfunk in ganz Österreich sehr rasch, und eumig war von Anfang an mit Detekotrapparaten mit dabei. Die dazu notwendigen Kopfhörer wurden jedoch von den Telefonfabriken hergestellt.

Familie Vockenhuber mit DetektorradioFamilie Vockenhuber: In der Mitte der Vater des Mit- Firmengründers, links von ihm seine Schwiegertochter Stefanie mit ihrer Tochter Elfriede (später Hofmann-Credner) rechts an seiner Schulter Karl Vockenhuber jun., dem späteren Co.- Firmenleiter, mit dem ersten Detektor-Empfänger 1925. Karl Vockenhuber, der damalige kaufmännische Leiter der Firma, fotografierte.

 

DetektorDer Detektor wurde sehr bald durch die Röhrenapparate verdrängt, die alten Holz-Kassetten wurden für ein 1-Röhrengerät verwendet, das sogenannte "Eumig-Baby". Es wurde um 50,- Schilling verkauft, und hatte einen durchschlagenden Erfolg.

Eumig-Baby

 

 

 

 

 

Die Weiterentwicklung bestand aus einem Dreiröhren-Empfänger, für Lautsprecherbetrieb entwickelt.
Mit dem "Hartley-Apparat", (einer speziellen Schaltung, die die Schwierigkeiten der Trennschärfe zwischen den einzelnen Rundfunkstationen beseitigte) bekam die eumig damals den Beinamen "Die Radiofirma".

Büro Vockenhuber sen. Hirschengasse

 

 Büro Ing. Handler Hirschengasse

Komm.-Rt. Karl Vockenhuber, der kaufmännische Direktor in der Hirschengasse
an seinem Schreibtisch

  Ing. Alois Handler, der technische Direktor in der Hirschengasse
an seinem Schreibtisch

In der Wirtschaftskrise Mitte der Zwanziger- Jahre geriet die der eumig Kredit gebende "Centralbank der Deutschen Sparkassen" in Konkurs, die eumig musste den Ausgleich anmelden. Innerhalb weniger Monate gelang es jedoch, sämtliche Verbindlichkeiten zurück zu zahlen, und den bisherigen Mitgesellschafter Adolf Halpern auszubezahlen, der damit aus der Firma ausschied.
Mit 1. Jänner 1927 wurde die eumig in eine OHG (Offene Handels-Gesellschaft) umgewandelt mit den persönlich haftenden Geschäftsführern Karl Vockenhuber und Ing. Alois Handler.
Man suchte ein zweites Standbein, Komm.Rt. Karl Vockenhuber wollte in das Filmgeschäft einsteigen. Auf Empfehlung des Grafen Kolowrat-Krakovsky (Sascha-Film) wurde Ing. Georg Malek aufgenommen, unter dessen Leitung 1928 mit der Entwicklung von Schmalfilmgeräten begonnen wurde. Die ersten Projektoren wurden von Ing. Malek im Labor eigenhändig gebaut.

Auf dem Gebiet der Radioerzeugung wurde der Apparat Type: 733, ein Dreiröhren-Reflexempfänger für Vollnetzbetrieb mit zwei Wellenbereichen (Mittel- und Kurzwelle) mit elektromagnetischem Lautsprecher und beleuchteter Trommelskala in einem eleganten Holzgehäuse, gebaut. Mit seinem Preis von 298,- Schilling, war er um 150,- Schilling billiger als vergleichbare Konkurrenz.

100.000.dstes Radio Im Spätherbst 1931 kam das 100.000.ste Radio aus der Montage.

 

 

 

P1 Projektor1931 wurde der erste Filmprojektor P1 (netzspannungsbetrieben, mit einer 100 Watt Lampe, oder auch mit Handkurbel zu betätigen) in zwei Varianten: für 9,5 und 16mm auf der Leipziger Messe präsentiert, und erweckte sofort Aufsehen.
Das Zwischenstück mit Motorantrieb konnte nachträglich dazugekauft werden, Dieser konnte an jede Leitung von 110 und 220 Volt angeschlossen werden. (Preis: etwa 50 RM)

 

 

Lager HirschengasseEichung Radios HirschengasseWickelei Hirscheng

Fotos: Lager Hirschengasse, Eichung Radios Hirschengasse, und Wickelei in der Hirschengasse

 

 

 
In den folgenden Jahren produzierte die eumig ausser den Projektoren der eigenen Marke ein modifiziertes Modell des P1 für 9,5mm, von dem unter dem Namen Pathé Baby 5.000 Stück für die französische Firma Pathé Frères erzeugt wurden.

1932 erschien die erste Eumig-Kamera die C1, auf dem Markt. Die C1 war mit einem "Meyer Trioplan"- scharfzeichnenden Objektiv ausgerüstet, man brauchte nur mehr auf den Auslöser drücken, und hatte auch bei trübem Wetter oder in Innenräumen scharfe Aufzeichnungen. Die Kamera wurde zum Preis von 186,- Schilling verkauft. Der Film, der sich in der von der eumig entwickelten Filmkassette befand, wurde, als Kundendienst, in einem eumig-eigenen Umkehr-Labor in der Hirschengasse entwickelt.
Mitte der Dreissiger- Jahre wurde eine eigene Exportorganisation aufgebaut.

1933: Bundespräsident Miklas besucht die Radiomesse in der Rotunde des Wiener Praters.
Der Herr mit Glatze, runden Brillen und der "Fliege" ist Komm.-Rt. Karl Vockenhuber.

 

1934 baute Herr Ing. Malek mit dem eumig P2-Projektor einen Hochleistungsprojektor für jeweils 16, und 9 1/2mm. (später auch 8mm Film)
Die Fabrikation von Schmalfilmgeräten stellte die Einführung eines völlig neuen Industriezweiges dar.
Für diese Verdienste verlieh der Österreichische Gewerbeverein der Firma Eumig eine Goldmedaille.

Buchengasse1936 zog die eumig aus der zu klein gewordenen Hirschengasse aus, und übersiedelte in den 10. Wiener Gemeindebezirk in die Buchengassse 11-13. Von den Mitarbeitern wurde der Firmenname eumig scherzhalber als "Ewiger Umzug mit industriellen Gütern" umgewandelt. Man zählte damals 80 Angestellte und 400 Arbeiter.

 

 

C2 Kamera Eumig C2 Die erste Kamera der Welt mit halbautomatischem Belichtungsmesser, Federwerk. BJ: 1935

 Mit der C4 brachte eumig die erste Amateur-Filmkamera der Welt mit elektromotorischem Antrieb heraus.
(Mit einer Taschenlampen- Flachbatterie und einem Miniatur- Elektromotor

 
 

 

Karl Vockenhuber Buchengasse

 

 Ing. Alois Handler in der Buchengasse

Büro Komm.-Rt. Karl Vockenhuber in der Buchengasse

  Büro Ing. Alois Handler in der Buchengasse

Durch die Einrichtung einer Kundenberatungszentrale in der Mariahilferstraße Nr. 39 in Wien, in der man die Einfachheit des Filmens zeigte, konnten sehr rasch filmbegeisterte Kunden gewonnen werden.

Der Einmarsch der deutschen Truppen im März 1938, hatte nicht nur die politische, sondern auch die wirtschaftliche Lage verändert. Der Markt wurde größer, die eumig-Produkte hielten der deutschen Konkurrenz stand.  Allein vom Radioapparat Eumig 530 wurden im letzten Quartal 1938 ca. 25.000 Stück erzeugt und abgesetzt.
Die eumig war später gezwungen den "Deutschen Volksempfänger" zu erzeugen, die eigene Radio-  und Kinoerzeugung wurde eingestellt.
Durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion jäh gestoppt, viele der bei eumig angestellten Männer mußten an die Front.
Gleich nach dem Polenfeldzug 1939 wurde die eumig zum Rüstungsbetrieb der deutschen Wehrmacht erklärt.
Ing. Handler erklärte: "Wenn wir schon Rüstungsbetrieb sein müssen, dann wollen wir nur Verteidigungswaffen herstellen, aber keine Angriffswaffen und Geräte erzeugen, von denen wir für später Erfahrungen auf technischem Gebiet mitnehmen können."
So erhielt eumig den Auftrag für die Herstellung von Sende- und Empfangsanlagen für die Marine, ein Tornister-Sende-und Empfangsgerät für das Heer, Zündgeräte für Seeminen, sowie später Batteriemotoren für Wettersonden zugewiesen.
Die Seeminenzündgeräte wurden in graue Holzkisten verpackt direkt nach Kiel transportiert. Jedes dieser hergestellten Kriegsgeräte erhielt als Kennzeichnung statt des Namens eumig die Abkürzung "bno", um den Namen der Herstellerfirma zu tarnen.

Seeminenzündgerät von aussenSeeminenzündgerät von innen    
Seeminenzündgerät von aussen und von innen  

Für die Filmkameras eumig C2 bis C4 hatte man bisher nur 3mm Schrauben verwendet, für die Herstellung der Zündgeräte waren nun ganz winzige Schrauben zu befestigen, damit wurde natürlich eine wesentlich höhere Präzision erreicht. Die technischen Voraussetzungen dafür erfuhr man von deutschen Betrieben, also praktisch von der Konkurrenz, und konnte somit auch einen Nutzen aus dieser Produktion erzielen.
In der Hagenberggasse in Wien Ober- St. Veit wurde ein magnetischer Prüfstand für die Minenfertigung eingerichtet, außerdem gab es eine Aussenstelle im Faniteum in Wien- Hietzing, dem Mausoleum der Gräfin Lanckoronsky, in dem vorher die Firma Kapsch einquartiert war. Dort wurden von ca. 30 Mitarbeitern Eichungen und Einstellarbeiten durchgeführt.
Schon damals gab es eine Werksküche, die dortigen Mitarbeiter wurden auch mitversorgt.

Im Frühjahr 1941 wurde das Nebengebäude der Buchengasse Nr. 15 von der Firma Pongracz & Bock um 125.000 RM dazugekauft.

Ing. Karl Vockenhuber jun. Ebenfalls im Jahr 1941 trat Karl Vockenhuber jun., Sohn von Kommerzialrat Karl Vockenhuber sen. in die Firma ein. Auf Grund einer Kriegsverletzung (Russland) erhielt er vorerst Studienurlaub, leistete Ferialarbeit und wurde schließlich vom Wehrdienst freigestellt, erhielt jedoch Studienverbot. Am 2. Jänner 1953 wurde ihm vom Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau der Titel "Ingenieur" verliehen.
Seine erste Arbeit war die Leitung der Abteilung für Kleinmotoren, in der rund 20 Frauen 2 Volt-Motoren für Wettersonden herstellten.

 

1941 wurde in der Buchengasse der Küchenbau mit dem Speisesaal errichtet, 1942 wurde das Werk mit einem dritten Stockwerk versehen. Damals arbeiteten etwa 1000 Beschäftigte in diesem Betrieb.
Mit einem neuen Gesellschaftsvertrag sicherte man sich dagegen ab, daß mit dem Tod eines der beiden Gesellschafter die Gesellschaft nicht aufgelöst wird, sondern zwischen dem Überlebenden und den Erben des verstorbenen Gesellschafters fortbesteht.
Die noch in Wien vorhandenen Radioapparate wurden in das Schloß Mondsee verbracht. Auch in den Wiener Privatwohnsitzen der Gesellschafter wurden Unterlagen und Radioapparate verwahrt, in der Wohnung von Ing. Handler die schriftlichen Unterlagen, und bei Karl Vockenhuber sen. in dessen Privathaus im 18. Bezirk im Keller die Radioapparate, die er streng gegen die bei ihm enquartierten russischen Besatzer, verteidigte.
Da ab 1944 immer mehr Mitarbeiter rekrutiert wurden, arbeiteten viele zwangsrekrutierte Polen, Franzosen und Russen bei Eumig. Man begann die wertvollen Maschinen aus Wien in strategisch weniger interessante Regionen zu transportieren.  An einem Herbsttag 1944 kam ein Eumig - Lastwagen nach Micheldorf / Oberösterreich, wo ein Mitarbeiter eine große Scheune aufgetrieben hatte, in der man eine Zweigstelle errichten konnte.

 Lastwagen Saurer DieselLastwagen(NAG Büssing 5t) der Firma Eumig, der zwischen Wien und Micheldorf pendelte. Über 800.000km Fahrt

Man begann zahlreiche Maschinen und Gerätschaften auch mittels Bahn nach Micheldorf zu transportieren. Dies wurde durch die zahlreichen Bombenangriffe auf Brücken und Geleise massiv erschwert. Auch nach Freistadt / Oberösterreich wurden Maschinen verbracht. Direktion und Lohnbüro wurden in den letzten Kriegsmonaten in die Privaträume von Ing. Alois Handler verbracht. Die russiche Front rückte in Richtung Buchengasse, Maschinen und Gerätschaften wurden sowohl in die Privaträume, als auch in das Faniteum und die Mariahilferstraße 36 geschafft.

Am 13. Februar 1945 zerstörten drei direkte Bombentreffer, Brandbomben und Luftdruckschäden das Werk in der Buchengasse zu 70%.

Dach BuchengasseDecke 1. StockDecke über Erdgeschoss

 

 

 

 

Das zerstörte Dach,   Decke 1. Stock,  Decke über EG, 

HofansichtSchrankenberggHofansicht, und Ansicht Schrankenberggasse

Manchen Eumig Mitarbeitern gelang es, sich nach Oberösterreich durchzuschlagen, wo man sich bemühen mußte, Unterkünfte für sie zu finden, während einige Mitarbeiter mit den beiden Geschäftsführern in Wien blieben, um den Wiederaufbau des Werks in der Buchengasse, vorzubereiten.

 

Eumig wurde nach Kriegsende von den Besatzungsmächten als rein österreichischer Betrieb anerkannt, der gezwungen worden war ihre eigenen Produktionen während des Krieges einzustellen, und man konnte nachweisen, daß nicht ein Pfennig deutsches Kapital in die Firma geflossen war. Somit stand dem Wiederaufbau nichts mehr im Wege.
Vorerst war der Betrieb vor Plünderungen sicher, es wurde ein russischer Torposten aufgestellt, die erste Produktion in der Buchengasse waren Koppelschnallen für die russische Armee. Bald zählte man wieder 150 Beschäftigte. Auch wurden bald Aktentaschenschlösser sowie Dreh - und Zugschlösser hergestellt. Der Wiener Fuhrpark bestand damals aus einem Handwagen für die Materialbeschaffung zu fuß, da es keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr gab. Von den in den Wohnungen ausgelagerten Radios und Frequenzmessern durften die russischen Besatzer nichts wissen. Die Geschäftsverbindung mit der Länderbank konnte für die notwendigen Kredite aufrecht gehalten werden, die während des Krieges unternommenen Versuche von deutschen Banken abgewehrt werden, dadurch blieb Eumig eine rein österreichische Firma.

Der junge Karl Vockenhuber war zu Jahresanfang 1945 nach Freistadt geschickt worden um dort den Betrieb aufzunehmen, dies war allerdings durch die vorrückenden Russischen Linien unmöglich geworden, schließlich lief die Demarkationslinie die zwischen der amerikanischen und russischen Zone gezogen wurde, zwischen Micheldorf und Freistadt, so war es unmöglich, von Micheldorf nach Freistadt zu gelangen. Sämtliche Maschinen wurden 1946 von Freistadt wieder nach Wien zurücktransportiert, die Niederlassung in Freistadt, aufgelöst.

Karl Vockenhuber jun. leitete von nun das Werk in Micheldorf. Gleich nach Kriegsende war es nicht möglich Transporte zwischen Wien und Micheldorf durchzuführen, später pendelte ein aus 2 alten Lastwägen zusammengebauter 5-Tonner Laster, Typ: NAG Büssing, und legte im Laufe der Jahre bis 1957 ca. 800.000km zurück.

Micheldorf FrontansichtMicheldorf SeitenansichtMicheldorf Belegschaft

 

 

 

 
Micheldorf: Front - und Seitenansicht, sowie die Belegschaft

Fertigung MicheldorfMontage Micheldorf    Fertigung und Montage

  

  

  
Um den ungeheuren Bedarf in der Nachkriegszeit an notwendigsten Gebrauchsgütern zu decken, begann die Eumig in Micheldorf mit der Erzeugung von Kochplatten, (Herbst 1945) Heizstrahlgeräten und Schuheisen, die reissend Absatz fanden. In den nächsten Monaten wurden 125.000 Guß - Kochplatten hergestellt.

 HeizstrahlerKochplatte


Kochplatteaus Micheldorf, und Heizstrahler 

Schon 1946 wurden in Micheldorf die ersten Lehrlinge aufgenommen und ausgebildet. Langsam entwickelte sich der Werkzeugbau.

Nach dem Krieg hatten sich die elf Wiener Radiofabriken zusammengetan, um ein Radio entwickeln zu können, den "Gemeinschaftssuper". Jede Firma steuerte das bei, was sie noch aus den letzten Kriegstagen herüberretten und erzeugen konnte. Dies war das erste Nachkriegsradio - Gerät.
In Micheldorf konnte man ab 1947 wieder Rundfunkgeräte erzeugen.
Durch die Produktionen aus Micheldorf konnte der Wiederaufbau des Werkes in Wien in der Buchengasse finanziert werden.

Am 5. Mai 1948 konnte bekannt gegeben werden, daß der Gesamtverkauf aller Eumig - Fabrikate wieder von der Zentrale in der Wiener Buchengasse aus geleitet wird.
In Micheldorf unternahm man unter der Leitung von Ing. Vockenhuber (jun) die ersten Gehversuche auf dem Gebiet der Kunststoffverarbeitung. Es stand eine Bakelithandpresse mit einer Druckleistung von 15 Tonnen zur Verfügung.
Ing. Vockenhuber war bemüht Fertigungen anzusiedeln, die es in Wien nicht gab, damit sollte die Eigenständigkeit des Betriebes gefördert, und innerbetriebliche Rivaliät zwischen den Werken ausgeschaltet werden.

Im Februar 1949 feierte man das dreissigjährige Firmenjubiläum, und konnte nach den Schwierigkeiten der Nachkriegszeit hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Der Kontakt zwischen den Werken Micheldorf und Wien funktionierte gut, auch der Vertrieb war bereits wieder aufgebaut.

1950 wurde in Micheldorf die erste Aluminium - Druckguß - Maschine geliefert, was mit einem kleinen Volksfest gefeiert wurde. (Diese stand noch im Jahr 1979 am Eingang des Werkes in Kirchdorf)
Die Einführung der Druckgußtechnik bedeutete die Aufnahme eines weiteren Technologiezweiges.

In Wien in der Buchengasse war die Montage der Filmkamera C3 in Schwung gekommen. Man war dort drangegangen eine eigene Entwicklungsabteilung für die Optik aufzubauen.
Die erste in ein Eumig - Gerät eingebaute, im eigenen Haus hergestellte Optik war jene der Fotokamera Eumigetta, die 1951 auf den Markt kam. Die Linsen wurden in der Buchengasse hergestellt, von dort nach Micheldorf transportiert, wo die Kameras zusammengebaut wurden.