LIVING HISTORY / GELEBTE GESCHICHTE

19 - Aktenaufzug Eumig Hochhaus / 1974
Neben den 3 Personenaufzügen gab es noch einen Aktenaufzug, konzipiert für den Transport von Aktenordnern und div. Schriftstücken. In jeder Etage am Gang bis hinunter ins Zentralarchiv gab es eine Station zum Be,- bzw. Entladen.
Zur Zeit des Hochhausbaues wurde dieser Aufzug gelegentlich auch zum Transport von Werkzeugen und Material verwendet.
Es gab Vorfälle, wo ein Arbeiter in dem Aufzug mitgefahren ist. Das war besonders gefährlich, da dieser Aufzug nicht für Personentransport geeignet war. Die Gondel war klein, sodaß die Person sich nur liegend und zusammengekauert darin auhalten konnte. Der Aufzug konnte nur von außen bedient (gerufen oder geschickt) werden. Im Inneren gab es kein Licht und auch keine Notrufeinrichtungen.

Im Normalbetrieb wurde telefonisch ein Transport angekündigt, der Aufzug mit Akten beladen und an seine Zieletage geschickt. Dort war schon jene Person, die die Akten erwartete. Im Aufzug waren immer mehrere verschiedenen Akten unterwegs, aber der Empfänger kannte ja die für ihn bestimmte Post und nahm sich die für ihn bestimmte Lieferung heraus. Bei Überfüllung lag die überzählige Post dann ganz einfach vor dem Aufzug auf der Ablage.
Bessergestellte oder wichtige Abteilungen bekamen eine speziell verkabelte Steuerbox auf den Schreibtisch gestellt. Mit dieser konnte der Aufzug vom Schreibtisch aus gerufen werden. Wenn die Gondel da war, gab es ein Signal und man konnte den Aufzug eine gewisse Zeit sperren, um hin zu gehen.
Die Geschäftsführungsetage hatte hier eine noch weiter gehende Bevorzugung: der gerufene Aufzug blieb im 10 Stock so lange stehen, bis er von der Sekretärin wieder frei gegeben wurde. Wenn sie den Aufzug gerufen hatte, sich dann aber nicht mehr darum kümmerte (weil vielleicht kein Bedarf mehr), blieb der Aufzug im 10 Stock stehen. Niemand getraute sich, da etwas nachzufragen. Jedoch wurde der technische Dienst angerufen, was mit dem Aufzug ist. Der Elektriker kontrollierte darauf hin die Anlage. Immer wieder das gleiche Bild: Aufzug steht im 10 Stock und ist durch die Ruftaste im Geschäftsführungsbüro blockiert. Die Sekretärin sagte dazu, daß sie den Aufzug braucht, weil sie eine dringende Post wegschicken muß. Zwischenzeitig gingen die Ablagen vor dem Aufzug in den anderen Etagen über. Das führte dazu, daß dadurch die meisten Akten ganz einfach persönlich von den Büroleuten transportiert, und somit die eigentliche Funktion des Aktenaufzuges nicht genutzt wurde.
Geschrieben von Helmut Wagner am 26 Mai 2020 18:52

18 - Arbeitsplatzleuchten / 1974
In der Halle 3 (Optik) waren an Stellen, wo am Arbeitsplatz mehr Licht benötigt wurde, eine Tischlampe aufgestellt. Speziell für die Kontrolle der produzierten Linsen war das starke, punktförmige Licht einer Glühbirne ideal. In den Lampen war anfangs eine Glühbirne mit 100, später die neuen mit 150 Watt. Die Lampenfassungen waren aus Porzellan und Metall, für 100 Watt ausgelegt, aber mit diesen 150 Watt Glühbirnen wurde die Lampe ziemlich heiß, zumal sie 16 Stunden am Tag Dauerbetrieb hatten.
In der Produktion wurden auch kleine Putzlappen aus dickem Stoff verwendet, mit dem sich die Arbeiter die nassen Hände von der Linsenmanipulation abgewischt hatten. Um nicht immer neuen Tücher verwenden zu müssen, wurden die nassen kurzer Hand über die Lampenschirme gehängt. Nach wenigen Minuten waren sie wieder trocken. Durch diesen Umstand wurden die Lampenfassungen zusätzlich thermisch belastet, was ein vermehrtes Durchschmoren der Elektrik bewirkte. Das zeigte sich daran, daß Glühbirnen nicht leuchteten, obwohl diese in Ordnung waren, oder es gab einen Kurzschluß in der Fassung. Überall gab es genügend Ersatzleuchten, so daß das Personal dann eine andere nahm. Die kaputten wurden in die Elektrowerkstatt gebracht und von den Elektrikern repariert, wenn gerade sonst nichts wichtiges zu tun war.

Eines Tages kam ein Arbeiter in die Elektrowerkstatt und wollte eine neue Glühbirne für seine Arbeitsplatzleuchte; das kaputte Muster hatte er mit. Beim ersten Blick sah ich darauf den Wert 40 Watt. Der Mann sagte, er will wieder so eine, denn diese 40er brannte heller, als die üblichen mit 150 Watt. Das machte mich stutzig und ich schaute die Birne genauer an. Da konnte ich sehen: 110 Volt. Jetzt war alles klar. Weil er technisch interessiert war, haben wir darüber geredet. Im Werk gab es viele Maschinen, deren Beleuchtung mit unterschiedlich Lampen ausgestattet waren. Meistens waren es welche mit Glühbirnen. Wegen des stroboskopischen Effektes - besonders bei sich drehenden Teilen - sind solche Lampen zu bevorzugen. Je dicker der Glühfaden, um so geringer ist dieser Effekt. Und auch die Lebensdauer bei Erschütterungen - wie sie bei Drehmaschinen oder Fräsen auftreten - ist länger. Je nach Maschinenausrüstung waren diese Leuchten mit unterschiedlicher Spannung betrieben. So gab es im Lager immer viele dieser normal aussehende Glühbirnen mit E27 Gewinde verschiedener Leistung aber unterschiedlicher Spannung: 110, 60, 48, 36 und 24 Volt.
Der Arbeiter merkte sich das und konnte bei Kollegen mit diesem Wissen punkten.
Geschrieben von Helmut Wagner am 25 Mai 2020 19:57

17 - Aufzüge Eumig Hochhaus / 1974
Für die damalige Zeit war die Aufzugssteuerung seiner Zeit weit voraus. Es gab noch keine Leistungselektronik; gesteuert wurde mit Relais und Röhren. Der Hauptantrieb erfolgte mit einem Ward - Leonard - Gleichrichtersatz. Dieser ermöglichte einen ruckfreien Start, schnelle Fahrt und einen fast unmerkbaren Stillstand der Gondel. Man spürte zwar, daß der Aufzug weg fuhr, aber plötzlich öffnete sich die Tür und man war auch schon da, wo man hin wollte.
Es gab einen Aufzug, welcher vom Keller bis zum 10. OG fuhr und zwei solcher vom EG bis zum 10. OG. Diese beiden wurden meistens von den Büroleuten verwendet, weil sie nie in den Keller fuhren und diesen für die Fahrt dort hin frei halten sollten. Dort waren Versuchslabors, der Technische Dienst, das Zentralarchiv, die Garage, der Müllraum und einige Technikräume untergebracht. Aber Büroleute wollen nicht vor dem Aufzug warten und auch nicht Stufen steigen, auch nicht wenn sie nur eine Etage zu überwinden hatten. Sie drückten auf die Rufknöpfe aller Aufzüge, ohne auf die Fahrtrichtung zu achten und wenn nicht gleich nach einigen Sekunden ein Aufzug da war, gingen die meisten zu fuß, wenn sie nur über eine Etage wollten. Das bewirkte, wenn man als Aufzugsbenutzer mehrere Stockwerke fuhr, die Gondel in jedem Stockwerk stehen blieb, aber niemand vor der Tür war, um einzusteigen. So dauerte die Fahrt über viele Etagen oft sehr lange.

Vorauseilender Portiergehorsam: Wenn der Firmenchef Vockenhuber das Hochhaus betrat, stürzte einer der diensthabenden Portiere sofort zu den Aufzügen, drückte alle Rufknöpfe, verwies die Leute der ersten kommenden Kabine dieser, und aktivierte die Vorrangschaltung dieses Aufzuges (nur die Knöpfe in der Kabine hatten Wirkung).

Aus Erzählungen überliefert: Das folgende passierte in der ersten Zeit nach dem Bezug des eumig-Hochhauses. Eines Tages fuhr der Chef Karl Vockenhuber mit seinem Freund und Betriebsbeirat Ernst Dittmar mit dem Aufzug vom 10. OG wieder hinunter. Dabei wurde die Gondel immer schneller, bis sie abrupt abbremste. Vockenhuber blieb unverletzt, Dittmar hatte sich schmerzlich auf die Zunge gebissen. Als sie unten angekommen waren, hat einer der werkenden Otis-Leute (Aufzugsfirma) hinaufgerufen, welcher Trottel gerade jetzt mit dem Aufzug fahren musste. Er war dann entsetzt, als der Firmeneigentümer mit seinem Begleiter ausgestiegen ist. Es haben aber alle gelacht, und die Geschichte wurde am selben Abend als lustiges Ereignis - das ja durchaus vorkommen kann, wie sie meinten - weiter erzählt.
Nicht immer fuhr Vockenhuber mit dem Aufzug, er ging sehr, sehr oft alle 10 Stockwerke zu Fuß, weil er zu wenig Bewegung machte, und dies so nachholen wollte.
Geschrieben von Helmut Wagner am 24 Mai 2020 20:00

16 - Schaltpultbeschriftung / Sommer 1974
Eines schönen Tages sollte die automatische Bewässerung vor dem Hochhaus neu justiert werden. Dazu sollte ich diese sich zurzeit in Betrieb befindliche Anlage ausschalten. Wieder war auch Tehsarik dabei; ER wollte das neu einstellen. Mehrere Leute versammelten sich vor den Fenstern und im Freien, da sie annahmen, daß sich wieder etwas lustiges zutragen wird. Ich ging zum Technikschaltpult beim Portier - hier gab es Schalter für die Aufzüge, die Außenbeleuchtung, das Licht im Eingangsbereich, die automatischen Türen, die Klimaanlagen, etc. Ich konnte - von dort wo ich stand - die Beschriftung der Schalter nur spiegelverkehrt lesen und sah einen mit: Betriebselung, beschriebenen. Darunter konnte ich mir nichts vorstellen und probierte ihn aus. Im Verteiler am Gang hörte ich einen Schütz schalten; aber weiter bemerkte ich nichts. Ich schaltete immer wieder Ein und Aus, horchte und schaute, ob sich da was tut. Plötzlich kam Tehsarik beim Haupteingang herein - völlig naß gespritzt - und keppelte mich an. Es stellte sich heraus, daß der Schalter, welchen ich bedient hatte, für die Berieselung war. Jedes mal, wenn ich abschaltete, ging er zu einem unterirdischen Spritzerl um es zu justieren. Dazu musste er es mit beiden Händen aus dem Boden heraus ziehen. In diesem Zeitpunkt aber schaltete ich die Anlage ein und er wurde naß gespritzt. Er lief weg - ich schaltete wieder ab. Das ging mehrere male so. Von dem bekam ich nichts mit, was er mir aber nicht glaubte. Meine Kollegen sagten später zu mir, daß ich das gut gemacht habe - sie glaubten mir auch nicht, daß das nur unbeabsichtigter Zufall war.
Geschrieben von Helmut Wagner am 20 Mai 2020 21:16

15 - Telefonumschalter Elektrowerkstatt, Erdtastenschaltung / 1974
In der Elektrowerkstatt hatte der Telefonapparat die Klappe 265. Der hatte nur die Berechtigung Haus. Mit dem konnte man nicht nach draußen telefonieren, konnte keine Freileitung durch die Telefonzentrale zugewiesen werden und konnte auch nicht von außen angerufen bzw. Gespräche durchgestellt werden. Neben der Elektrowerkstatt war das Büro vom technischer Dienst (TD) mit den Klappen 263 und 283; diese hatten die Berechtigung Fernamt. Weil es recht günstig war, bei Bedarf zu Hause anzurufen und dabei nicht zum einzigen öffentlichen Fernsprecher im Werk zu gehen, wurde unter dem Schreibtisch vom Meister ein versteckter Umschalter montiert. Mit diesem konnte der Apparat 265 auf die Leitung 263 parallel zugeschaltet werden. Bei Telefonaten war es erforderlich, daß im TD Büro niemand war, denn man konnte beim Wählen das läuten der Klingel im anderen Apparat hören. Auch wenn beim Apparat 263 gewählt wurde, klingelte es im Apparat 265. Bei Anrufen läuteten beide Apparate. Das war durch die Holzwand zu hören. Dieses Zuschalten durfte nicht erfolgen, es war nur ein geduldeter Zustand. Meistens wurde das in der Nachmittagsschicht gemacht, da ja tagsüber niemand zu Hause war, den man hätte anrufen können. Gelegentlich wurde bei Schichtende dann vergessen, den Schalter wieder zurück zu stellen.
Nun ließen wir uns etwas anderes einfallen: 1.) wurde in der Telefonzentrale der Apparat 265 so berechtigt, daß man nach draußen telefonieren kann und daß das vorne am Berechtigungslötigel nicht sichtbar war. Diese Lötigel hatte auch eine Rückseite - hier waren unbeabsichtigt genau die beiden Lötstifte aneinander geraten, um den Apparat amtsfähig zu machen. Dieser Lötigel war mit hunderten Stiften bestückt, überall gab es Löstellen und weggezwickte Drähte. So konnte das nur erkannt werden, wenn man genau nach dem sucht. Außerdem könnte das auch zufällig beim Handtieren im Schaltkasten passiert sein. Und 2.) musste die Erdtastenfunktion - mit welcher die Amtsleitung gerufen wurde - so deaktiviert werden, daß sie beim Überprüfen des Apparates nicht aktiv war. Es war aber auch notwendig, die Erdtastenfunktion ohne viel herumschrauben und unauffällig zu aktivieren. Dazu verwendeten wir einen Taster für die Lampenprüfung auf dem in der Elektrowerkstatt montierten Prüfschaltkasten, welcher über ein Zeitrelais den sonst bei Hausapparaten nicht erforderlichen grünen Draht für zwei Sekunden ein schaltete. Diese Schaltung konnte nur bei abgehobenen Hörer aktiviert werden - sonst hätte sich vielleicht bei Betätigung der Lampenprüfung das Zeitrelais im Schaltkasten verraten. Die Erdtaste funktionierte nur innerhalb von zwei Sekunden nach dem Abheben. Davon wussten aber nur einige vertrauenswürdige.
Geschrieben von Helmut Wagner am 19 Mai 2020 21:52

14 - Telefonkabelverlegung / 1974
Eines Tages bekamen die Elektriker den Auftrag, ein neues Telefonkabel von der Telefonzentrale des Hochhauses in den Telefonverteiler der Halle 3 zu verlegen.
Das Kabel: 100 paarig (für 100 Telefonschlüsse), ca. 200 m lang.
Dazu wurden die Elektrikerlehrlinge und noch einige Helfer eingeteilt. Dadurch, daß ich gute Gebäudekenntnisse hatte und bekannt war für gewissenhafte Arbeiten, wurde ich als Vorarbeiter bestimmt. Wir brachten die große, schwere Kabeltrommel bei einem Einstiegschacht vor dem Maschinenhaus in Stellung. Dort war auch circa die Mitte der Leitungslänge.
Wir verlegten das eine Ende des Kabels Richtung Werk - ich nahm dazu den Anfang des Kabels und bewegte mich durch den unterirdischen Kabelgang. Zuvor habe ich den Leuten gesagt, was zu machen ist. Ich kroch dann von einer anderen Stelle in den Kabelgang, da der Einstieg rund um den Deckel vor dem Maschinenhaus mit dicken Spinnweben von Wolfsspinnen behaftet war. Mit dem Kabel kroch ich dann im unterirdischen Schacht, so wie es dann an der Wand montiert werden konnte, d.h. nichts einfädeln, aber am Boden liegen lassen. Je länger das Kabel im Schacht eingezogen wurde, um so mehr musste man ziehen. Das erforderte, daß jeweils nach ca. 25 Meter ein weiterer Arbeiter das Kabel nehmen und ziehen musste. Ich gab die Geschwindigkeit der Einbringung vor, weil ich vorne weg ging und den Weg bestimmte. Auch an jeder Ecke des Weges musste ein Arbeiter mit dem Kabel handtieren. Schließlich war das eine Ende im Verteiler der Halle 3 angelangt.
Nach einer Pause ging es weiter; alle waren bereits ziemlich staubig. Zunächst wurde der ganze Rest des Kabels von der Trommel abgewickelt (da wir das andere Ende brauchten) und auf der Straße bzw. der angrenzenden Wiese gerade ausgelegt. Zwischenzeitig ging ich wieder in den Schacht, nahm den von anderen Kollegen herunter gelassenen Anfang und legte den Weg Richtung Hochhaus / Telefonzentrale fest. Dort angelangt kam ein Arbeiter und sagte, daß wir etwas eingefädelt hätten und somit die halbe Länge des Kabels (ca. 100 m) wieder heraus ziehen und neu verlegen müssen. Diese Kabelverlegungsarbeiten dauerten den ganzen Tag. Mehrere weitere Tage dauerte die fixe Montage des Kabels an der Wand in den unterirdischen Kabelgängen und der Kellerräume.
Geschrieben von Helmut Wagner am 18 Mai 2020 19:32

13 - Kanalverstopfung Werk / Sommer 1974
Immer wieder waren auch WC - Anlagen im Werk verstopft. Das zu beheben, war die Aufgabe der Installateure. Sie arbeiteten schnell, daß das Abwasser wieder floss, aber wenn die über gelaufene Scheiße aus den Muscheln im EG noch am Boden verteilt war, kamen die Reinigungsfrauen und putzten alles sauber. Einer der Installateure war recht sauer, wenn er solche Aufgaben hatte; immer wieder wurden Binden als Ursache der Verstopfung gefunden, bzw. aus den Muscheln oder Rohren gezogen. Eines Tages lief er mit so einer gefunden Binde durch die betroffene Werkshalle in dem WC Bereich und rief: wem gehört die?. Wegen dieser Frage bekam er aber Schwierigkeiten mit seinem Chef, denn so was fragt man nicht, zumal in allen Werkshallen immer sehr viele Frauen anwesend waren. Gebracht hat es nichts - immer wieder gab es solche Verstopfungen, obwohl geeignete Behälter in den WCs aufgestellt waren. Damals gab es in jeder WC - Gruppe nur einen Behälter; nicht aber in jeder Kabine eine, so daß es verständlich war, daß die Frauen es lieber in der Muschel entsorgten, als vielleicht von anderen beobachtet wurden, wenn sie den Gemeinschaftsbehälter benutzten.
Geschrieben von Helmut Wagner am 17 Mai 2020 20:30

12 - Beschleunigungstest / 1974
Der Elektrikergeselle Gamp war im Hochhaus beschäftigt. Wie erzählt wurde, hatte er einen Autounfall. Seit dem hatte er Probleme mit einem Fuß, konnte nicht schnell gehen und nicht auf Leitern steigen. So forderte er für umfangreichere Elektroarbeiten die beiden Lehrlinge an. Das freute uns, da wir gerne im Hochhaus arbeiteten. Auch deshalb, weil jener Gamp ein recht freundlicher junger Kollege war, der immer etwas lehrreiches erzählen konnte. Er war beim Portier im Werk 2 und ließ uns über die Rufanlage in die Portierloge kommen. Da er schlecht bei Fuß war, kam er mit seinem Auto vom Hochhaus. Mit dem fuhren wir dann ins Hochhaus zurück. Auf der Eumigstraße (welche erst kürzlich neu Asphaltiert wurde) gab er mit seinem Auto, einen getunten 1er Golf vollgas, daß es uns in die Sitze drückte. Auf den wenigen 100 Meter zwischen den beiden Werkseinfahrten ging die Tachonadel über die 100er Marke; in dem Moment musste er aber scharf abbremsen, um nicht die Einfahrt zum Parkplatz zu verpassen. Solche Beschleunigungsversuche waren auf diesem Straßenstück kein Problem, da hier nur die Firma Eumig war. Auf der anderen Straßenseite ein Feld und hinten am Straßenende begann ein Feldweg.
Geschrieben von Helmut Wagner am 16 Mai 2020 20:57

11 - Kanalverstopfung Eumig Hochhaus / Sommer 1974
Eines Tages wurden wir von einem Installateur um Hilfe bei einer Kanalverstopfung gebeten: ganz einfach nur am Ende der Kanalreinigungsfeder mit der Kurbel drehen. Mein Kollege Zeiner drehte die Kurbel; der Installateur schob dabei die sich drehende Feder in die Putzöffnung des Kanalrohres, ging dann wo anders hin und sagte: immer weiter drehen und nachgehen. Dadurch stand Zeiner nach einiger Zeit selbst beim Kanalputzdeckel und drehte. Plötzlich schoß Gülle aus der Putzöffnung; jemand hatte in einer der Etagen darüber runter gelassen und Zeiner war der beschissenen.

Der Kanalstrang war in einem 90 Grad Bogen an der Decke der Kellergarage verstopft. Der Installateur stieg auf eine hohe Leiter, lockerte die Befestigung des Kanalrohres und begann, an dem Bogen zu rütteln. Langsam und vorsichtig zog er den Bogen von dem aus der Decke kommenden Kanalrohr, bis etwas Gülle aus der Muffe spritzte. Nun versuchte er mit allen Kräften, den Bogen wieder auf das Rohr zu schieben, aber erfolglos. Die Rohrverbindung trennte sich und die Scheiße spritzte in alle Richtungen, bis der Rohrstrang leer war. Einige Kollegen beobachteten das, weil auf Grund der zuvor geschilderten Ereignisse mit einem Aktionsreichen Ende zu rechnen war. Es wurde ihm eine Scheibtruhe mit einer Faßschaufel gebracht, um seinen Arbeitserfolg aus der Kellergarage auf die Wiese hinter dem Maschinenhaus zu verfrachten. Die Menge war so groß, daß er mehrmals fahren musste. Anschließend alles Restliche mit dem Schlauch in den Gulli waschen. Erst danach durfte er duschen gehen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 15 Mai 2020 20:51

10 - Eingerosteter Kugelhahn bei Druckpumpe Hochhaus / Sommer 1974
Eine der Trinkwasser - Drucksteigerungspumpen war zu tauschen. Der Installateur schloss die beiden Kugelhähne der betroffenen Pumpe und entfernte alle Schrauben an den Anschlußflanschen. Ich sagte ihm, wir sollten zur Sicherheit jeweils zwei Schrauben in jedem Flansch belassen, um im Notfall den Flansch wieder zuschrauben zu können. Er wollte es anfangs nicht, machte es aber dann doch. Als die Schrauben locker bzw. entfernt waren, haben wir den Flansch mit einem Beißer auseinander gedrückt, da sie zusammen gerostet waren und sich nicht trennten. Plötzlich schoß das Wasser heraus, wir waren sofort ganz naß, aber wegen der noch nicht ganz entfernten Schrauben konnten wir den Flansch wieder dicht schrauben.
Was war geschehen? Der Kugelhahn war kaputt - der Hebel war auf der Welle durchgerutscht und hatte ihn nicht geschlossen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 08 Mai 2020 19:32

9 - Geplatzte Füllstandsanzeige / Sommer 1974
Im Keller des Hochhauses - in der Heizzentrale - war auch die Drucksteigerungsanlage des Trinkwassernetzes untergebracht. Das war notwendig, um genügend Wasserdruck auch in den obersten Etagen zu haben. Dazu waren zwei kräftige Wasserpumpen und ein Windkessel installiert. Dieser Windkessel hatte - zur Kontrolle des Füllstandes - ein langes Glasrohr an seiner Außenseite, welches wegen Bruchgefahr auf eines aus Kunststoff gewechselt wurde. Dieses aber bog sich mit der Zeit und drohte, aus seinen Klemmanschlüssen zu rutschen. Beim Versuch, es wieder gerade zu biegen, rutschte es plötzlich aus seiner Klemmung und spritzte uns komplett naß, bevor wir die Ventile schließen konnten.
Geschrieben von Helmut Wagner am 07 Mai 2020 22:55

8 - Vergessener Pfropfen / Sommer 1974
Ein Installateur vom Werk war mit der Wasserinstallation im Sanitärbereich von Dr. Hauser im 10. OG beschäftigt. Die Mittagspause nahte. Er begab sich in den Keller um das Wasser auf zu drehen, so daß sich über die Zeit, wo er Mittagessen war, der Rohrstrang füllen konnte. Wieder zurück gekommen fragten ihn die Tischler vor Ort, warum - obwohl strahlender Sonnenschein war - das Wasser im 3. Stock von der Decke tropft. Der Installateur hatte vergessen, einen Pfropfen in die Leitung zu schrauben. Ab diesem Zeitpunkt hing in der Werkstatt der Schlosserei, wo auch die Installateure untergebrachte waren, eine dicke Schnur mit darauf aufgefädelten Pfropfen aller Dimensionen und einer Zusatztafel mit er Aufschrift: Pfropfen nicht vergessen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 06 Mai 2020 20:00

7 - Feueralarm (Übung) Eumig Hochhaus / Sommer 1974
Er sperrte gerne Türen zu. Die Tür hinter dem Portierbereich führt zur Portiergarderobe, zur Telefonanlage (50/500), Rufanlage und Gegensprechanlage. Meistens unversperrt, da im Kontrollbereich des Portier. Tehsarik wollte, daß diese Tür immer versperrt ist.
Im Büro der Hausverwaltung gibt es verschiedene Bedienknöpfe für die Haustechnik, darunter auch welche, für die Brandmeldeanlage. Bei einem Testversuch hat Tehsarik versehentlich die Tonbanddurchsage für die Hausevakuierung im Brandfall aktiviert. Wenn man das macht, kann man noch schnell in die Telefonzentrale laufen (ca. 50 m) und das Tonband stoppen. Aber an diesem Tag war die Tür abgesperrt. In der Eile konnte er die Türe nicht schnell genug aufsperren, das Tonband hat zwar eine Vorlaufzeit, doch der Text begann und die Belegschaft verließ geordnet (wie geübt) das Gebäude über die Stiegenhäuser. Da es keine angekündigte Übung war, machten sich auch Vockenhuber und Hauser auf den Weg. Das hatte aber ein Nachspiel für Tehsarik, weil es weder eine Übung noch eine sonstige Notwendigkeit für die Hausevakuierung gab. Ab diesem Zeitpunkt war diese Tür tagsüber nicht mehr versperrt.

An einem Tag mit angekündigter Feueralarmübung war ich mit Arbeiten am Dach beschäftigt. Beim ersten Alarm ging ich den weiten Weg von ganz oben über das Stiegenhaus hinunter auf den Parkplatz. Nach Alarmende waren die Aufzüge längere Zeit mit vielen Personen überfüllt, so daß ich wieder über das Stiegenhaus bis hinauf aufs Dach ging.
Es gab aber noch weitere Alarmübungen an diesem Tag, bei welchen auch die Evakuierungszeit genommen wurde. Ich beschloß deshalb, am Dach zu bleiben und nicht mehr hinunter zu gehen. Bei der letzten Übung blieben die Leute unten am Parkplatz stehen und die Alarmdurchsage aus den Lautsprechern verstummte nicht. Nun wurde mir mulmig, ich glaubte, daß dieses mal wirklich etwas passiert sei.
Ich wartete mehrere Minuten, aber es kam keine Entwarnung; alle Personen blieben am Parkplatz stehen. So ging ich langsam hinunter und hoffte, daß nicht ich der Grund war, warum die Übung so lange dauerte, weil sie genau auf mich gewartet hatten, oder daß es wirklich ein Ernstfall war.
Nach dem ich einige Stockwerken hinunter gegangen war, kam endlich die erlösende Durchsage über die Lautsprecher: Ende der Übung, alle Mitarbeiter bitte wieder zurück an die Arbeitsplätze.
Geschrieben von Helmut Wagner am 05 Mai 2020 19:50

6 - Eusmon Riechprobe, Spuckprobe vom Dach / Sommer 1974
Als ich eines Tages am Dach ganz oben war, sah ich einige mir unbekannte, oben offene Rohrleitungen. Neugierig ging ich hin und las am Schild: Eusmon. Ich wusste nicht, was das bedeutet und so stieg ich auf den Betonsockel, um zu riechen, was da raus kommt. Sofort wusste ich, was das war: die Abluft von den WC - Schalen, ein unverkennbarer Geruch.

Ein schöner, warmer, sonniger Tag, fast kein Wind. Vom Dach blickend, sahen wir daß die Wiese rund um das Hochhaus angelegt wurde. Eine leere Scheibtruhe stand fast unterhalb der Stelle, wo wir am Dach waren (fast auf der Gebäudeecke). Nun die Frage: wer schafft es, in die Scheibtruhe zu spucken? Dazu sammelte jeder den Mund mit viel Spucke. Es wurde auf einen Windstillen Moment gewartet und die Spucke auf die Reise geschickt. Der Fall der Spuckekugel dauerte einige Sekunden - es waren ca. 50 m freier Fall - der Fallweg wurde durch leichten Wind abgelenkt, mal nach links, mal nach rechts, aber stets Richtung Scheibtruhe. Plötzlich kam ein Arbeiter mit einer Glatze um die Ecke und wollte die Scheibtruhe nehmen. Als sein Kopf über der Scheibtruhe war, hörten wir nur: Klatsch. Wir sind sofort von der Dachkante zurück gezuckt, da wir nicht wussten, ob die Spucke in die Scheibtruhe oder auf seine Glatze fiel.
Geschrieben von Helmut Wagner am 03 Mai 2020 22:16

5 - Feuermeldermontage Eumig Hochhaus / Frühjahr 1974
Wir beiden Lehrlinge hatten den Auftrag, gemeinsam, die Feuermeldereinsätze in die schon montierten und angeschlossenen Gehäuse in den Zwischendecken der Büros einzubauen. Dazu durften wir aber nur jeweils einen Einsatz gleichzeitig aus der Aufbewahrungsbox in der Telefonzentrale nehmen (weil die Einsätze radioaktiven Inhalt hatten?) und montieren. Diese Aufgabe war sehr einfach, weil die Einsätze nur einzustecken waren. Die meiste Zeit verging damit, daß wir auf den Aufzug warten mussten; es gab während der Bauzeit nur einen aktiven Aufzug im Hochhaus, welcher von allen Arbeitern verwendet wurde. Durch Transporttätigkeiten war der Aufzug oft minutenlang durch Ladetätigkeiten blockiert und blieb dann auch noch in jedem Stockwerk stehen. Türblockaden durch Baustaub und Ladegut oder Kabinenüberlast führten oft zu langen Wartezeiten.

Eines anderen Tages waren wir mit der Kabelverlegung im Dachgeschoß für die Feuermelder beschäftigt. Nach der Mittagspause waren wir am Dach; es war sehr schönes, warmes Wetter. Bevor wir wieder zur Arbeit gingen, schauten wir hinunter auf das Werksgelände. Dabei sahen wir Tehsarik kommen - und er sah uns auf dem Dach. Als wir etwas später von der Dachfläche in das Dachgeschoß zu unserer Arbeit gehen wollten, war die Tür versperrt; wir konnten nicht zurück. Die einzige Möglichkeit war, über die Lüftungsschächte im Dachgeschoß - bei völliger Dunkelheit, dicke Staubschicht und hohen Temperaturen - zu kriechen. Dabei wussten wir, daß es an manchen Stellen durch die Steigschächte bis hinunter in den Keller geht; Absturzgefahr. Auf den isolierten Luftschächten standen auch spitze Drahtstifte aus den Isoliermatten heraus. Unbeschadet - aber sehr schmutzig und verschwitzt - sind wir wieder bei unseren Verkabelungsarbeiten angelangt. Als wir wegen einer Arbeitsbesprechung bei Tehsarik waren, fragte er lächelnd: seid ihr schmutzig geworden?. Ich glaube, er hat uns am Dach gesehen und ausgesperrt.
Geschrieben von Helmut Wagner am 02 Mai 2020 19:29

4 - Dichtheitsprobe Dach Eumig Hochhaus / Frühjahr 1974
Eines Tages: wir beiden Betriebselektrikerlehrlinge arbeiteten schon mehrere Wochen durchgehend im Eumighaus - scheinbar gab es Terminschwierigkeiten bezüglich der Fertigstellung wegen der bevorstehenden Eröffnung.
Der Auftrag: Dichtheitsprobe der Dachfläche, bevor die Zwischendecke im 10. OG geschlossen wird. Dazu sollten wir von der Sportsektion im Werk Lederfußbälle mit Luftpumpen, eine Stoppuhr, eine Trillerpfeife sowie mehrere Gummistiefel aufs Dach bringen. Wir vermuteten, daß sich da wieder etwas unvergessliches zutragen wird.
Mit den beauftragten Sachen wieder am Dach angekommen waren da schon mehrere Kollegen unter der Leitung von Tehsarik versammelt.
Der Arbeitsablauf: alle Dachgulligitter öffnen, die Luft aus den Fußbällen raus, in die Gulli hinein stopfen und aufblasen. Dann mit der Feuerlöschpumpe im Keller - über den Steigstrang am Anschluß auf dem Dachgeschoß - mit dem Feuerwehrschlauch das Dach Gummistiefelhoch fluten. Tehsarik stoppte sie Zeit, wie lange das fluten dauerte. Im 10. Stock wurde die Decke und die darin befindlichen Durchgänge aufs Dach kontrolliert - alles dicht.
Danach die Frage: wie lange würde die schnellstmögliche Dachentleerung dauern? Dazu sollte sich zu jedem Gulli ein Arbeiter stellen und wenn Tehsarik mit der Trillerpfeife das Signal gibt, alle Fußbälle gleichzeitig herausziehen.
Es wurde in Stellung gegangen und beim Pfeifsignal Wasser marsch aktiviert. Das Wasser begann abzufließen - immer schneller. Nach kurzer Zeit und durch den starken Sog der hohen Wassersäule wurde ein starker Strudel mit zischendem Sog erzeugt, gefolgt von einem lauten Knall und einer leichten Erschütterung. Alle am Dach anwesenden schauten sich gegenseitig achselzuckend an. Nichts Schlimmes ahnend, betrachteten wir das rasch versiegende Wasser am Dach. Tehsarik nahm wieder die Zeit mit der Stoppuhr. Nach einigen Minuten kamen mehrere Maurer mit durchnässten Hosen zu uns aufs Dach und keppelten uns an. Wir sagten ihnen, daß sie zu Tehsarik gehen sollen.
Wie sich heraus stellte, hatte die extreme Wasserflut in den ca. 50 m senkrecht nach unten führenden Ablußrohren in den Bögen im Keller zu einem plötzlichen Rückstau geführt, was die Rohre in den Steigschächten platzen ließ. Das ganze Wasser vom Dach stand nun Gummistiefelhoch im Keller, wo die Maurer gerade mit Verputzarbeiten beschäftigt waren.
Geschrieben von Helmut Wagner am 01 Mai 2020 20:39

3 - Arbeitsalltag / Herbst 1973
So ging das einige Wochen; abwechselnd waren Patleych und Bachler in der Frühschicht. Im Gebäude der Elektrowerkstatt - technischer Dienst - waren noch untergebracht: die Maurer und Gärtner, Maler, Schlosser und Installateur, Tischler, Lager Technischer Dienst, Ladestation (für damals lediglich 3 Stapler), Verwaltung Technischer Dienst, die Pechküche, Lager für die Snack - Automaten und einen kleinen Bereich, wo an Filmprojektoren gearbeitet wurde.

Eines Tages saß auf dem Sessel in der Elektrowerkstatt - wo sonst immer Bachler saß - ein anderer Mann (Glatz Alfred). Dieser teilte Arbeiten an die Elektriker aus, ohne scheinbar selbst etwas zu arbeiten. Wie sich später heraus stellte, war er der Elektrikermeister.

In der Eumig gab es zu dieser Zeit die 40 Stunden Woche. Im Lehrvertrag war die Arbeitszeit mit 42 Stunden angegeben. Das erforderte, daß die beiden Lehrlinge im Lehrberuf Betriebselektriker noch zusätzlich 2 Stunden zu arbeiten hatten. Dazu wurde vom Leiter des Technischen Dienstes (Nistelberger Peter) jeden Mittwoch ab 15 Uhr 30 ein 2stündiger theoretischer Unterricht in Elektrotechnik im Speisesaal abgehalten.

Unabhängig davon gab es jede Woche für die Eumig Lehrlinge einen 2stündigen theoretischen Unterricht ab 7 Uhr früh im Volksheim Wr. Neudorf - speziell zugeschnitten für die Optiker Lehrlinge. Es wurde viel Mathematik und Geometrie, wie auch Materialkunde bezüglich Glas und Kittstoffe (Harze) durchgenommen. Sehr einfach zu merken war die Erklärung des Fettfleckfotometers. Dieser Unterricht fand in den weiteren Jahren - als das Eumig Hochhaus fertig war - in einem großen Raum im EG statt. Vortragender dort war Hans Mazanec.

Die praktischen Arbeiten umfassten alle elektrischen Arbeiten am Firmenareal, fast immer im Werk, fallweise auch im Hochhaus; dort waren eigentlich noch 3 andere Eumig Elektriker stationiert: Fülöp?, Brenninger Franz und Gamp Leopold; im Büro Kolar Peter und Tehsarik Carl Heinz.
Jener Tehsarik war ein hektischer Antreiber und konnte es nicht sehen, daß jemand einige Minuten nichts machte. Außerdem hatte er bei seinen technischen Arbeitsversuchen und Tests oftmals Pech, weil er auf dieses oder jenes vergaß, oder die verstrichene Zeit unterschätzte.

Aus Erzählungen überliefert: er schaltete eines Tages im Keller 3 die Brunnenpumpe ab (in den Brunnen floss auch das Kühlwasser der Produktion) um zu messen, wie lange es dauern würde, bis der Brunnenschacht über geht (übrigens - der Grundwasserspiegel war auch sehr hoch, ca. 0,5 m unter dem Kellerboden). Der Wasserspiegel stieg aber recht langsam, worauf er beschloß, zwischenzeitig etwas anderes zu machen. Als er wieder am Werksgelände oben angekommen ist, hat er auf die Pumpenabschaltung vergessen. Bis zu dem Zeitpunkt, wo ein Elektriker die ausgefallene Lüftung Halle 3 reparieren sollte und die Kniehohe Überschwemmung und die abgeschaltete Pumpe im Keller feststellte.
Geschrieben von Helmut Wagner am 30 Apr. 2020 18:59

2 - Arbeitsbeginn / 3. September 1973
So ging ich am Montag mit der Sorge zur Arbeit, daß ich Schwierigkeiten bekomme, weil im Lehrvertrag der 1. September als Arbeitsbeginn steht. Einer der Portiere führte mich in die Elektrowerkstatt, in der ich warten sollte, bis ein Elektriker kommt.

Kurz darauf wurde ich wieder abgeholt und in die Portierloge gebracht. Draußen auf der Straße fuhr ein Eumig Werksbus vor. In dem sollten alle Lehrlinge einsteigen, um ins Werk nach Wien zu fahren. Nach und nach füllte sich der Bus mit jungen Burschen. Zum Schluß kam noch ein Mann und begann zu erzählen. Der Bus startete und fuhr los. Der Mann begrüßte alle Lehrlingen mit den Worten: angehende Feinoptiker, worauf ich sagte, daß ich Betriebselektriker werden will. So blieb der Bus wieder stehen - er war noch nicht weit gefahren - und ich sollte wieder in die Portierloge zurück gehen und dort warten.

Abermals wurde ich in die Elektrowerkstatt gebracht. Hier wartete bereits ein anderer Lehrling (Zeiner Franz). Dann kam ein Elektriker (Patleych Ewald) mit seiner Werkzeugkiste. Er nahm Franz mit zu seinem nächsten Störungseinsatz. Etwas später - bei einem weiteren Arbeitseinsatz - wurde ich mitgenommen. Nach einiger Zeit und mehreren Einsätzen kam ein anderer Mann in die Werkstatt (Dufaux?). Wie sich später heraus stellte, war das jener Elektriker mit der Kozession, Elektriker auszubilden. Zeiner und ich wurden von ihm zu einem ausführlichen Betriebsrundgang mitgenommen. Nach den Produktions,- Montage,- und Lagerhallen sowie des Maschinenhauses (Energiezentrale) verbrachten wir längere Zeit im noch nicht fertig gestellten Neubau des Eumig Hochhauses, der zukünftigen Firmenleitung.

Nach dem Mittagessen wieder in der Elektrowerkstatt und abwechselnd bei diversen Arbeitseinsätzen.

Etwas nach 14 Uhr - Schichtwechsel - war plötzlich ein anderer Mann in der Elektrowerkstatt (Bachler Ernst). Er frage uns beiden Lehrlinge: Wer von euch beiden telefoniert gerne? Ich sagte gleich - bevor jemand was anderes sagen konnte - daß ich ungern telefoniere. Drauf Bachler zu mir: Du bewachst das Telefon. Wenn es läutet, abheben, Elektrowerkstatt sagen, und dir merken, was der Anrufer sagt. Zu Zeiner sagte er: Und du nimmst die Werkzeugkiste und kommst mit. Wieder abwechselnd wurden wir von Bachler zu verschiedenen Arbeiten mit genommen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 29 Apr. 2020 18:11

1 - Bewerbung / Sommer 1973
Vorgeschichte (1972): Anlässlich einer Schulexkursion war ich im Eumig Werk Wiener Neudorf. Noch gut in Erinnerung die Projektorfertigung mit der Geräuschkulisse der ratternden Elektroschrauber, die Endlosmusikschleife mit dem: il silenzio; in der Optikhalle die quitschenden und rumpelnden Poliermaschinen, sowie die putzereiähnlichen Gerüche in der Linsenreinigung.

Auf der Suche nach einer Lehrstelle in Wohnortnähe war ich auch beim Portier der Firma Eumig in Wr. Neudorf. Dieser sagte, daß ich zuerst nach Wien in die Buchengasse müsse; dort ist die Firmenzentrale.
Ich wurde als Betriebselektrikerlehrling aufgenommen und sollte mich am 1. 9. 1973 beim Portier im Werk Wr. Neudorf um 7 Uhr früh einfinden.
Einige Tage vor dem Termin sah ich am Kalender, daß dieser Tag ein Samstag ist und war der Meinung, daß man an einem Samstag nicht mit einer Lehre beginnt. Deshalb ging ich erst am darauf folgenden Montag hin.
Geschrieben von Helmut Wagner am 28 Apr. 2020 22:49

Hollandisches Sammler und Mitglied
My Eumig adventure started around the year 2000FEHLERWHENSDBi found a bright red box in my parents shed with a weird brand name on itFEHLERANDDBa Mark 607DFEHLERANDDBMini 3 in it.(i was 13) My father bought them at a flea market only because it included a screen, which he needed for his slide projector. The rest would be sold later. That never hapenedFEHLERANDDBit started my collection. now, exactly 20 years later i own about 350 eumig branded items.
Geschrieben von Erik Snel am 02 Apr. 2020 19:59

Erzählung Maurizio Di Cintio
I was very young when I received my first Eumig projector (Mark 804 D).
I used it quite heavily, to record sound for several of my personal films (some
of them were short features, some other documentaries). Great machine, but
eventually the sound head failed. It was mid 80s and I couldn't find any
replacement so I wrote to Eumig in Neudorf but my letter was returned with the
sign "not more existing" Thus I learnt about Eumig's end, and I'm
still so sorry...
Geschrieben von Maurizio Di Cintio am 22 Apr. 2017 08:17

Erzählung Alfred Peischl



Demobus_eumig_10.05.1978_1Ich war als Mitarbeiter von TEKTRONIX auch Lieferant bei Eumig.


Um unsere Messgeräte  den Kunden effizienter näherzubringen kurvten wir mit dem Bus, der vollgestopft mit den neuesten Oszilloskopen war, von Firma zu Firma.


Am 10. Mai 1978 waren wir bei Eumig in Wr. Neudorf und ich wollte - so wie immer - ein Erinnerungsfoto machen.


Doch der Portier vereitelte dieses Vorhaben, kam aus dem Gebäude gestürzt und verbot mir, zu fotografieren.



So musste ich mich ein paar Schritte nach draußen auf die Straße begeben und hier entstand das Foto.

Geschrieben von Alfred Peischl am 22 Apr. 2017 08:16

Erzählungen von Werner Schöfnagl.

Gerüchtewettlauf im Eumig-Haus


 


Eine interessante, und vor allem besonders wirkungsvolle Weise Information zu verteilen, sind vertrauliche Gerüchte.


Sie kennen dieses, nach vorsichtigem Rundumblick geheimnisvoll geflüsterte: "Diese unglaubliche Geschichte! Ihnen darf Ich es erzählen, Sie können so etwas ja sicher für sich behalten. Also hören Sie gut zu ........."


Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich die Neuigkeit in der Firma sehr rasch verbreiten und Sie können versichert sein, dass mit dieser Art von Informationsübermittlung Verteilungssicherheit und Aufmerksamkeit der einzelnen Mitarbeiter wesentlich höher ist als bei einer formellen schriftlichen Mitteilung.


In der Firma Eumig war das nicht anders. Wir veranstalteten sogar sportliche "Gerüchtewettläufe". Das zehnstöckige Verwaltungsgebäude, wenige Kilometer südlich von Wien an der Südautobahn A2 gelegen wurde damals respektlos Bonzen-Silo genannt. 

Die einfachen Spielregeln: In der Portierloge eine, geschickt als Gerücht verpackte Eumig-Information platzieren und dann so rasch wie möglich die zehn Stockwerke hochlaufen. Sieger ist, wer bzw. was früher in den Chef-Vorzimmern oben ankommt, Läufer oder Gerücht. Bei personeller Unterbesetzung der Büros, wie zum Beispiel in der Urlaubszeit hatte der Treppen-Läufer durchaus eine sportlich, faire Chance. Manchmal wurde es aber auch als Arena für einen Gerüchtewettlauf missbraucht.

Abschlussbemerkungen: 1982 wurde im Rahmen der Konkursabwicklung der Verkauf des Eumig-Hochhauses an Palmers (nach Einleitungsgesprächen zwischen Werner Schöfnagl und Raimer Dierks, sowie folgender Konkretisierung über Rudolf Humer und Franz Vranitzky) von Paul Loebenstein und dem Hauptgläubiger der damaligen Länderbank, abgewickelt.

Mit übernommen wurde auch ein - von einem ehemaligen Eumig-Lehrling angefertigtes - Glasmodell des Gebäudes, dass später über Ulla Fleischer vom Palmers-Archiv und Christian Palmers im Dorotheum, von einem leider uns unbekannten Käufer erstanden wurde. Wir hätten nämlich einen prominenten Platz dafür im Eumig-Museum, vielleicht findet sich noch eine Möglichkeit?  


eumighaus












    EDV-Überfüllung des Lagers Fürstenfeld


Gute Planung und die EDV als unverzichtbares Organisationshilfe benötigt jeder Produktionsbetrieb und auch die Firma Eumig hatte schon in den 70er-Jahren diesbezüglich einen sehr hohen Standard entwickelt. Trotzdem passierten fallweise ganz lustige Pannen.


Laut Konstruktion waren für jeden Projektor eines bestimmten Models zwei gleiche Schaumgummi-Zuschnitte zur Geräuschdämmung vorgesehen, und natürlich über Stückliste und EDV auch bestellt und an den vorgeschriebenen Lagerort angeliefert. In unserem Fall war dies das Eumig-Montagewerk Fürstenfeld in der schönen Steiermark.


In der Produktion stellte sich dann heraus, daß ein Schaumgummi-Zuschnitt locker genügt um die Geräuschlimits der Qualitätskontrollen einzuhalten und ein Zuschnitt wurde kurzfristig eingespart. Alle wußten Bescheid außer der Zulieferfirma und der Warenübernahme, so daß längere Zeit doppelt so viele Zuschnitte ins Lager rein als raus gingen.


Eigentümlich waren dann die Umstände wie dieser Planungsfehler im wahrsten Sinn des Wortes offensichtlich wurde. Die Tür zum Lagerraum ging nämlich nicht mehr zu!


Fuerstenfeld

Mit nostalgischen Grüßen


Werner Schöfnagl


Ehemaliger Leiter der Eumig Service Organisation

Geschrieben von Werner Schöfnagl am 22 Apr. 2017 08:15

Erzählung Uschi Seemann

Edith Vockenhuber und Uschi Seemann Meine persönliche eumig - Geschichte beginnt ganz unspektakulär und natürlich, Im Jahr 1955 im Wiener Rudolfinerhaus.
Wie es uns allen so ergeht, konnte auch ich mir meine Eltern nicht aussuchen und ich wurde in eine Familie hineingeboren, die ihre Hauptverantwortung in dem Gedeihen eines Unternehmens sah.

Meinen Vater, Ing. Karl Vockenhuber, damals schon geschäftsführender Gesellschafter der Firma eumig in Wien, gähnte ich anlässlich meines ersten Fotoshootings, hingebungsvoll an. Meinen Großvater, den Mitbegründer des Unternehmens, durfte ich leider nicht mehr kennen lernen, er war vier Jahre vor meiner Geburt während einer Operation verstorben.

 Ich wurde familiär in eine Zeit hinein geboren, in der der zweite Weltkrieg durch die Unterzeichnung des Staatsvertrages für Österreich vorbei war, meine Eltern bereits in Wien wohnten, mein Vater das Unternehmen im 10. Wiener Bezirk gemeinsam mit Ing. Alois Handler dem seinerzeitigen Firmenmitbegründer und Freund meines Großvaters leitete, und die Firma nach dem Krieg und dem Wiederaufbau zu florieren begann.

Geborgen wuchs ich in Sicherheit auf, und wurde von Kind auf in Hinblick auf die Übernahme eines Familienunternehmens erzogen. Meine zwei älteren Brüder waren mir drei und fünf Jahre voraus, ich war die Nachzüglerin, ein weibliches Wunschkind. Ich war das "Mascherl", das "I-Dipferl", das schon in eine Zeit hinein geborene, in der die Entbehrungen des Krieges zurück lagen, und wieder Zukunftsperspektive bestand. Meine Brüder hatten es da viel schwerer, Peter der Älteste wurde in Linz geboren, als mein Vater noch in Micheldorf arbeitete, und Paul in Wien, zu einer Zeit als sich das Zusammenleben der Großfamilie im Haus in Wien als nicht sehr förderlich erwies. Damals wohnten meine Großmutter, die Schwester meines Vaters mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern, und meine Eltern mit ihren damals zwei Söhnen gemeinsam unter einem Dach.
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Foto: Vor der Eingangstüre des Hauses in Wien mit meinen Brüdern Peter (Mitte) und Paul (links)


Die Situation entschärfte sich etwas, als die Schwester meines Vaters auszog. Die Probleme innerhalb der Geschwister bezüglich der Leitung der Firma, meine Tante - die Schwester meines Vaters, arbeitete damals noch in der Firma - blieben, waren aber durch die Distanz erträglicher geworden. Leider verschärfte sich später nach dem Tod meiner Großmutter dieses geschwisterliche Verhältnis, und den Kontakt und die Freundschaft zu meiner Cousine und deren Kinder fand ich erst im Erwachsenenalter.

Es ist schön, als Kind nicht mit Mangel, Entbehrungen oder Verlust in Berührung zu kommen, die Kehrseite dieser Wonnen ist allerdings eine gewisse Vereinsamung, da sich das elterliche Leben hauptsächlich um die Interessen des Unternehmens drehte, eine Aufgabe die fast ihre gesamte Kraft und Zeit einforderte. Dadurch kann ich mich nicht erinnern jemals mit meinem Vater gespielt zu haben, der frühmorgens aus dem Haus ging und erschöpft spät abends heimkehrte. Vielleicht noch mit meiner Mutter, aber auch diese Erinnerungen sind eher vage. Meine Mutter war damit beschäftigt meinem Vater "den Rücken frei zu halten" und das Haus zu managen, das groß und ständig renovierungsbedürftig war. Nur während der Schulferien war ein intensiveres Familienleben möglich. (Zu der damaligen Zeit und Gesellschaftssituation war auch generell die Eltern - Kind - Beziehung eine völlig andere)

Die Firma war überall. Abends in den Erzählungen meines Vaters, den Hausangestellten, dem Chauffeur meines Vaters der uns Kinder zum Zahnarzt oder in den anfänglichen Turnunterricht brachte, oder auch in den oft stattfindenden Tarockabenden meines Vaters mit ehemaligen Kriegskameraden von denen einige bei eumig arbeiteten. Diese Abende waren mir als Kind besonders lieb, mein Vater war fröhlich, es gab oft Schinkenbrote, für uns Kinder waren solche kulinarische Köstlichkeiten im Alltag unerreichbar, aber an diesen Abenden durfte ich ein wenig mitnaschen.

Wenn mein Vater morgens zur Arbeit fuhr verabschiedete er sich von mir, auf meine Frage wohin er denn gehen müsse kam immer dieselbe Antwort, er fährt in die Fabrik. Mir war dies kein Begriff, und ich forderte von meiner Mutter die Antwort wer denn diese "Frau Brick" denn ist, zu der er täglich fährt.

Uschi Vockenhuber mit Phono Eumigette und Fernseher Abends beim zu Bett gehen saßen meine Eltern vor dem Fernseher, die ersten Fernseher waren natürlich von eumig, die Stimmen der Nachrichtensprecher, Walter Richard Langer oder später von Peter Fichna blieben mir stets beruhigend in Erinnerung, da ich gewiss sein konnte, dass meine Eltern zu Hause waren.



Foto: Weihnachten 1957, der Fernseher und das Phono - Eumigette - Radio sind den Weg alles Irdischen gegangen, der Jumbo auf dem ich damals saß, lebt noch.


Unvergessen auch die Besuche in der Firma in der Buchengasse. Das Haus, außen grau, dem Zweck angepasst, später erfuhr ich, dass es im Krieg zerbombt worden war und wieder aufgebaut werden musste.
Wenn ich im Hof aus dem Auto stieg schlug mir der für meinen Begriff typische damalige eumig - Geruch in die Nase, es roch nach Metall und Öl. Im Hof lagen glänzende Drehteile und Abfälle. Einmal versuchte ich heimlich solch einen kleinen Teil zu stiebitzen, ließ ihn aber rasch wieder fallen, er war ganz ölig.

Das Büro meines Vaters in diesem Haus ist mir komplett entfallen, das ganze Gebäude habe ich eher eng und laut in Erinnerung. Beeindruckt hat mich schon als Kind, wenn ich die Stiegen innerhalb des Hauses hochlief, musste ich aufpassen und rechtzeitig ausweichen wenn Männer mit dunklen Brillen oder geschlossenen Augen die Stiege betraten. Irgendwie wussten sie aber, dass jemand da war, auch wenn ich mich noch so leise verhielt. Dies war mein erster Kontakt mit blinden Menschen.

Manchmal sah ich den alten Mercedes Benz von Ing. Handler wenn wir in die eumig - Garage in die Puchsbaumgasse fuhren. Einmal konnte ich sehen, dass ein Sitz aus dem Auto seitlich heraus geschwenkt war, da wurde mir erzählt, dass Herr Ing. Handler, der damals schon gestorben war, in seinen letzten Lebensjahren im Rollstuhl sitzen musste, für ihn war dieser Autositz behindertengerecht adaptiert worden.
Der Kontakt zwischen meinen Eltern und der Familie Handler war innig, sie besuchten sich oft gegenseitig.

 Ing. Handler
Uschi Vockenhuber
Ing. Handler, Anni Handler und Stefanie Vockenhuber
 
 
Ing. Alois Handler zu Besuch in Niederösterreich bei meinen Eltern, rechts mit Anni Handler und meiner Großmutter






Besuch bei Ing. Alois Handler
Aus dem Fotoalbum: Kartenspiel von links, Ing. Handler, Herr Malek (Entwickler der eumig Kameras), Herr Satzinger (Finanzdirektor der eumig) und mein Vater bei Herrn Ing. Handler




Stefanie Vockenhuber und Anni Handler
Foto: von links Stefanie Vockenhuber und Anni Handler

Anni Handler,
lud uns auch nach dem Tod ihres Mannes immer wieder in ihre Wohnung ein, stets waren Kleinigkeiten für uns Kinder irgendwo versteckt, die Suche nach diesen Leckereien erleichterte uns Kindern das Warten .

Von meiner Mutter erfuhr ich viel später, dass die beiden Frauen Vockenhuber und Handler gemeinsam nach dem Ausgleich der Firma eumig, die durch den Konkurs der "Centralbank der Deutschen Sparkassen" ca. 1926 mitgerissen worden war, persönlich zu den "Schuldnern" gegangen waren um die noch ausstehenden Rechnungen einzufordern, und damit einen Teil beitrugen das Überleben der eumig zu sichern.
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Vor Weihnachten fuhren wir immer in die Firma, atemlos und ein wenig eifersüchtig beobachtete ich in den ersten Jahren, wie meine Großmutter, die ich sehr gerne hatte, gemeinsam mit Anni Handler und einem Nikolaus in üppigem Gewand und Rauschebart alle anwesenden Kinder beschenkte. Zu meiner Beruhigung wurde auch ich hinausgerufen und erhielt ein Packerl. Auch der Kasperl besuchte die Firma, gemeinsam mit unglaublich vielen anderen Kindern, die ich nicht kannte verfolgten wir atemlos die Kasperleskapaden.

 Unter dem strengen Blick des WeihnachtsmannesDer eumig - Weihnachtsmann

 Die Kindertafel in der Buchengasse eumig Weihnachtsfeier 1962












An einem heißen Sommertag, wir waren gerade in unserem Ferienhaus in Niederösterreich, kam mein Vater, der täglich nach Wien pendelte ernst und erschöpft nach Hause, und erzählte, dass meine Cousine kommen wird, die Großmutter war gestorben. Wir Kinder sollten nicht zum Begräbnis fahren, sondern gemeinsam in der Obhut des Kindermädchens am Land bleiben.

Meine Großmutter, die mir mühsam und geduldig die richtige Aussprache beigebracht hatte, ich konnte als Kind kein "sch" aussprechen, sagte stattdessen immer "ch", war nicht mehr. Ich konnte es lange nicht begreifen.

Niemand, nicht einmal Herr Pirnitzer, der die Lehrlingsausbildung in der eumig innehatte, hatte mir in seiner unglaublich ruhigen Art, die richtige Aussprache beibringen können.
Nur die Geduld und die damals für Kinder unerreichbaren, köstlich süßen, gelben "Golden Delicius" - Äpfel meiner Großmutter, die mir für jedes richtig gesprochene Wort eine Scheibe vom Apfel schnitt, hatten geholfen. 

Später habe ich auch noch erfahren, dass ich meine Vornamen meiner Großmutter verdanke. Ich sollte gemäß dem Wunsch meines Vaters Ursula Vockenhuber heißen, doch bei meiner Taufe kam es bereits in Anwesenheit des Pfarrers (Herr Muhr) zu Unstimmigkeiten. Meine Großmutter war bei den "Ursulinen" erzogen worden, "Tepperte Urschel" war für sie das schlimmste Schimpfwort, davor wollte sie mich bewahren. Sie plädierte für Renate, meine Mutter wollte eine Pia, geeinigt hat man sich schließlich auf "Renate Ursula", genannt werde ich seit meiner Taufe Uschi. Zur Namensgebung beigetragen hatte maßgebend der damalige Frauenarzt meiner Mutter und Großmutter, "Herr Prof. Sigmund", der anwesend war und den meine Großmutter hilferufend befragt hatte, er antwortete, dass er Ursula für einen schönen Namen hielt, schließlich hieße seine Tochter auch so. Das war's dann. Allerdings konnte sich meine Großmutter insofern durchsetzen, dass die Reihenfolge meiner Vornamen mit Renate Ursula auf den Urkunden festgelegt wurde.

Den Pfarrer, einen alten Herrn, hatte dieser Zwist anscheinend ein wenig ermüdet, er begrüßte die anwesende Familie mit einem herzhaften "Meine lieben Leidtragenden". Er hatte vorher ein Begräbnis, vielleicht sprach er auch voraussehend?








 
 

Geschrieben von Uschi Seemann am 22 Apr. 2017 08:15

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Geschrieben von Uschi Seemann am 22 Apr. 2017 08:13

 
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