LIVING HISTORY / GELEBTE GESCHICHTE

99 - Ausfall Heizkessel 4 / Winter 1978
Dieser Kessel war mit 5.000.000 kcal/h der stärkste im Heizhaus und lieferte 50% der Kesselanlage. Im Vollbetrieb des Werkes und bei sehr kalter Aussentemperatur war er unverzichtbar, wenn auch in der Galvanik die Temperatur gehalten werden sollte. Beheizt wurde diese Halle über eine Lüftungsanlage mit sehr hoher Luftleistung. Da die Anlage (bei Galvanikvollbetrieb) nur mit Frischluft gefahren werden konnte, wegen dem Ausfall von Kessel 4 die Vorlauftemperatur im Heizungsnetz von 90 auf 70 Grad absank, war auch die Temperatur in der Galvanik tiefer als sonst üblich. Es war zwar nicht kalt, aber der Betriebsrat sagte: "Wenn die Temperatur nicht passt, werden die Galvanik-Arbeiter im Speisesaal warten, bis das Problem behoben ist." Nun wurden alle Diesel gestartet, auch die sonst nicht benötigten und auch im übrigen Werk bei den Lüftungsanlagen die Frischluftraten gedrosselt, um die Vorlauftemperatur wieder zu erhöhen. Was war die Ursache für den Kesselausfall? Geringes Materialversagen mit großer Auswirkung: beim (offenen) Kugellager im Brennerventilator hatte sich der Haltering der Kugeln gelöst und die Motorwicklung beschädigt; Kurzschluß. Der Preis des Kugellagers ist lächerlich gering und es ist auch jederzeit verfügbar. Der Motor des Brennerventilators ist aber eine speziell verbaute, komplizierte Konstruktion, deren Reparatur einige Tage dauerte.
Geschrieben von Helmut Wagner am 20 Okt. 2020 20:32

98 - Palettenfördererstörungen / 1978
Für den Transport der Paletten im Zentrallager (OG - EG - UG) gab es eine eigene Anlage. Mit dieser konnten nur Europaletten transportiert werden. Diese mussten fehlerfrei sein: ohne lose, oder fehlende Bretter. Auch durfte nichts über die Außenmaße der Palette drüber stehen; die Höhe war auf ca. 1,5 m beschränkt. Wenn sie einseitig beladen war, das Holz nass vom Regen oder ölig war, oder zu leicht (Leerpalette), oder etwas drüber stand (Papier, Plastik, etc.), gab es Funktionsstörungen; der Aufzug funktionierte nicht mehr. Das war die Aufgabe der Elektriker vom Werk 2. Ich wurde dazu immer hingeschickt. Der Weg von der Elektrowerkstatt zu diesem Palettenförderer war eigentlich der längste zu gehende Weg im Werk zu einem Störungseinsatz und dauerte mehrere Minuten (in eine Richtung). Oftmals war die Anlage mehrere Male am Tag ausgefallen. Immer waren es Bedienungsfehler des Personals durch falsche Beschickung mit ungeeignetem Material. Funktionsweise der Anlage: mit einem Hubwagen die Palette in die Aufnahmezone des Aufzuges stellen und mit dem entsprechenden Knopf das Ziel der Fahrt starten. Alles andere funktionierte automatisch. Am Ziel der Palette musste diese nur mehr mit dem Hubwagen herausgenommen werden. Wenn mehrere Paletten dasselbe Ziel hatten, gab es einen Materialstau. Das war an sich kein Problem, man musste nur die ankommenden Paletten aus der Zielzone herausnehmen, die wartenden kamen automatisch nach.
Geschrieben von Helmut Wagner am 18 Okt. 2020 20:29

97 - Glaszuschnitt / 1978
In den Aufzügen der alten Werkshallen waren zur Beleuchtung der Kabinen die Lampen so in der Decke eingebaut, dass man daran eigentlich nicht anstoßen konnte. Sie waren mit dem Kabinendach eben. Während der routinemäßigen Kontrollen der Aufzüge wurde eines Tages ein zerbrochenes Abdeckglas der Lampe entdeckt, welches zu tauschen war. Kein Problem für einen auch Glas verarbeitenden Betrieb. Ich ging in die Optikhalle zu einem der Vorarbeiter und war neugierig, wie man eine runde Scheibe aus einer Glasplatte heraus bekommt. Dieser sagte, dass er das gleich selbst zuschneiden wird. Auf einem Schneidetisch hat er das dann gemacht. Beim Herausbrechen ist von der runden Scheibe dann seitlich etwas weggebrochen, was ihm recht peinlich war. Er wollte eine neue Scheibe schneiden; ich sagte, das ist nicht nötig, denn die beiden Teile sind in einem Rahmen eingespannt und der Sprung somit kein Problem. Später stellte sich heraus, dass jener Mann eigentlich nur in der Linsenvergütung tätig war. Sein Aufgabengebiet: die Optimierung der Vergütungsprozesse und Einstellung der Anlagen, damit die Serienproduktion immer perfektere Linsen erzeugte.
Geschrieben von Helmut Wagner am 16 Okt. 2020 20:27

96 - Ein Boxhieb, den man sich merkt / 1978
Prybil zeigte oftmals, dass er stark ist, dass er das Heben schwerer Lasten oder schwierige Arbeiten in kurzer Zeit leisten kann und sich nicht einschüchtern lässt. Patleych war davon nicht beeindruckt. Patleych war auch ein Boxer. Eines Tages hatte Prybil ihn am Gang mit der Leiter an die Wand gedrückt und wollte den Starken spielen. Patleych verpasste ihm einen sehr schnellen und kurzen Boxhieb in die Magengrube, dass Prybil die Luft weg blieb. Mit so was hat er nicht gerechnet. Seit diesem Zeitpunkt respektierte Prybil ihn und alles war in Ordnung.
Geschrieben von Helmut Wagner am 14 Okt. 2020 21:32

95 - Polariodfertigung und das 117 Volt 60 Hz Stromnetz / 1978
Für diese Geräte war ein anderes Stromnetz erforderlich, denn nicht nur die Geräte selbst, sondern auch die amerikanischen Produktionsmaschinen brauchten 117 Volt mit 60 Hz. Dazu wurde in der für diese Geräteproduktionslinie eigens umgebaute Halle ein eigenes Stromnetz mit Sicherungsverteilern und amerikanischen Steckdosen aufgebaut. Am Beginn des Stromnetzes war ein Umformersatz installiert; bestehend aus einem normalen, 30 kW Elektromotor, welcher über einen Flachriemen einen 30 kW starken Drehstromsynchrongenerator angetrieben hat. Das Übersetzungsverhältnis der Flachriemenscheiben war so gewählt, daß die erforderliche Frequenz erzeugt wurde. Der Generator hatte eine Ausgangsspannung von 380/220 Volt (je nach Schaltung) und konnte somit nicht direkt in das Stromnetz einspeisen. Dazu waren drei entsprechend leistungsstarke Transformatoren in der Polaroid-Halle installiert, um die nötige Spannung von 117 Volt bereitzustellen. Bei Betrieb war das Brummen der Trafos deutlich zu hören, ging aber im Produktionslärm der Halle unter. Bei einer Kontrolle des Umformersatzes wurde fest gestellt, dass der Flachriemen bald abreissen wird. Es wurde beschlossen, diesen in der Mittagspause auszutauschen. Der Riementrieb hatte keine Schnellspannvorrichtung - somit war mit erheblicher Zeit für das Spannen des neuen Riemens zu rechnen. Dazu haben wir gleich beim Läuten der Mittagspause den NH Trenner des Umformersatzes gezogen. Bei Hingehen zum Umformer hörten wir, wie er stehen blieb. Nun den Riemen tauschen und spannen. Anschließend wieder den Sicherungstrenner hinein und die Anlage starten, da die Arbeiter sich schon wieder auf ihren Arbeitsplätzen einfanden. Auch mussten sich die Lötkolben und beheizten Maschinen wieder erwärmen, bevor die Produktionslinie anlaufen konnte. Aber für mich gab es einen kleinen Schock, als ich den Trenner einlegte: plötzlicher Stromfluss schweisste zwei Trennmesser zusammen und das dritte zog einen kräftigen, andauernden Lichtbogen. Mein Kollege konnte den Trenner wieder öffnen. Was war da passiert? Mit dem Abheben der Hauptsicherung wurde nur der Zuleitungsstrom zum Motor unterbrochen, nicht aber die Steuerung der ganzen Anlage. Das führte dazu, dass beim Einlegen der Sicherung der stehende 30 kW Motor in Schaltung Dreieck mit voll aufgeschalteter Last des 117 Volt Netzes belastet war. Schnell aber konnte das Netz wieder in Betrieb genommen werden. In der Nachmittagsschicht haben wir dann den angeschmorten Trenner saniert und die Steuerung der Anlage umgebaut.
Geschrieben von Helmut Wagner am 12 Okt. 2020 22:12

94 - Werksrundgang des Firmenchef Vockenhuber / 1978
Gelegentlich machte Vockenhuber einen Rundgang durchs Werk. Elektriker und Maschinenschlosser waren oft mit Reparaturarbeiten an Produktionsmaschinen beschäftigt. Die Maschinen in der Optik - Linsenfertigung waren sehr beansprucht und bedurften erhöhten Reparatureinsatz. Wenn Vockenhuber durch die Hallen ging - er wurde immer von einer Schar der Vorarbeiter begleitet - durfte keine Maschine den Anschein erwecken, dass sie nicht läuft oder in Reparatur ist. So hatten die Elektriker stets den Auftrag, wenn Vockenhuber kommt - seine unangekündigten Besuche wurden immer durch spezielle Informanten gemeldet - alles zu unternehmen, dass sich bei den betroffenen Maschinen etwas bewegt, selbst wenn es nur das sinnlose Laufen der Frässpindel oder der Glaskörper ist. Die Abteilungsleiter konnten sagen: "In meiner Abteilung ist alles in Ordnung." Ich glaube - wenn das in anderen Bereichen der Firma (Planung, Einkauf, Kalkulation, Logistik, etc.) auch so gelaufen ist und er davon gewusst hätte - würde das Ende der Firma Eumig anders ausgesehen haben.
Geschrieben von Helmut Wagner am 10 Okt. 2020 22:49

93 - Werksbusabfahrt / 1978
Wegen der vielen Beschäftigten nahmen dreizehn Busse neben dem Werksgelände auf der Straße Aufstellung. Einige waren werkseigene mit eumig Aufschrift, der Rest war angemietet vom Busunternehmen Dr. Richard. Angefangen vom Spitz an der Parkplatzeinfahrt, vorbei am Personaleingang beim Hauptportier, dann weiter die Straße entlang beim Lieferantentor (da war auch ein Portier), bis ganz nach hinten zum Tor bei der Einfahrt des Hochhauses. Auf dem Werkszaun war jeweils eine Tafel mit dem Fahrziel der Busse montiert - zur Orientierung der Fahrgäste. So konnte man dort z.B. lesen: Matzleinsdorferplatz, Eisenstadt, Seewinkel, Schwechat, Oberwart, Güssing, Wr. Neustadt, Hinterbrühl, Südtirolerplatz, Baden, usw. Nach Arbeitsende fuhren diese Busse gleichzeitig vom Werk Wiener Neudorf in verschiedene Richtungen ab: mehrere nach Wien, andere nach Süden, Osten oder Westen. Sie fuhren dazu alle über die Eumigstraße ins Ortszentrum und verteilten sich bei der dortigen ampelgeregelten Kreuzung. Weil auf der Straße von der Firma kommend wenig Verkehr war und diese in die Hauptstraße einmündet, war die Ampelschaltung nicht für diesen Busansturm ausgelegt. Unweigerlich kam es dort zu einem kurzfristigen Verkehrsstau. So ergab es sich, daß jene Busse, welche östlich gelegene Fahrrouten hatten, den Werksausgang beim Zentrallager nahmen (Eumigweg) - hier war in dieser Zeit ein weiterer Portier für die Busabfahrten eingesetzt. Dieser Weg führte durch das Siedlungsgebiet. Auch nach Ende der Nachmittagsschicht (22:24) wurde von einigen Bussen dieser Weg genommen - und wie immer - ordentlich Gas gegeben, denn alle wollten früher als später nach Hause. Einige Anrainer beschwerten sich darüber und argumentierten, daß auf dieser Straße nur Anrainerverkehr gestattet ist. Eigentlich war die Firma auch Anrainer, aber es wurde bestimmt, daß alle Busse nur den Weg über die Eumigstraße nehmen dürfen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 08 Okt. 2020 21:06

92 - Bohrübungen und Bohrer schleifen / 1978
Jeder Werkzeugmacherlehrling musste da durch: ältere Lehrlinge zeigten den Neuen den Umgang beim Bohren mit dicken Bohrern auf der großen Ständerbohrmaschine. Da in der Automatendreherei standardmäßig Bohrer mit Linksdrall im Einsatz waren, was es problemlos, sich bei der Werkzeugausgabe solche zu borgen. Man musste die Bohrmaschine lediglich auf Linkslauf stellen. Das wussten die neuen Lehrlinge noch nicht. Ihnen wurde gezeigt, wie man ein großes Loch bohrt. Das Metall wurde mit dem großen Bohrer (ca. 30 mm Durchmesser) - nach vorangegangenem Vorbohren - bei langsamer Drehzahl und genügend Bohröl sehr anschaulich zu einer Spirale aus dem Eisenblock herausgebohrt. Der Ausbildner schaltete (den Linkslauf) ab und erklärte dieses und jenes. Dann der nächste Lehrling. Er schaltete die Bohrmaschine normal ein (Rechtslauf) aber der Bohrer schaffte es nicht, einen Span zu erzeugen. Die Maschine begann zu quietschen, das zugegebene Bohröl verdampfte am heiß gewordenen Bohrer, bis dieser blau und stumpf war. Nun wurde dem Lehrling gesagt, dass der Bohrer stumpf ist und er ihn schleifen soll. Gesagt - getan, aber das brachte nichts, da er ihn immer wieder in die falsche Richtung laufen lies. Als er das erkannte, lachte er über seine Naivität und merkte sich das sein ganzes Leben. Diese Erfahrung gab er auch an die nächste Lehrlingsgeneration weiter; diese musste aber den ganzen Weg gehen, bis auf wenige, welche die Sache mit der Drehrichtung sofort erkannten. Für diese Schulung wurde immer nur einer der neuen Lehrlinge herangezogen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 06 Okt. 2020 21:01

91 - Logistik, Transportunfall / 1978
Die in den verschiedenen Werken produzierten Einzelteile mussten auch von einem Werk zum anderen transportiert werden. Jedes Werk hatte spezielle Produktionslinien. In Wiener Neudorf war das Zentrallager, Galvanik, Optik, Stanzerei, die Endmontage sowie die Lagerhallen für die fertigen Geräte. Dafür gab es ein ausgeklügeltes Transportsystem. Während des Tages wurde alles in Container verladen und nach Ende der Nachmittagsschicht (ab 22:24) setzten sich in den Werken die LKW Züge in Bewegung. Eine Zugmaschine mit Anhänger nahm jeweils zwei Container auf und fuhr damit los. Da in der Nacht wenig Verkehr war und die Arbeit der Chauffeure dann zu Ende war wenn alle Container umgestellt waren, ließen sie ihre Fahrzeuge ordentlich laufen. Bei schlechten Straßenverhältnissen dauerte ihr Arbeitstag dann schon länger als gewohnt, da erst dann Schluss war, wenn alles erledigt war. Einmal ist der Anhänger eines Containerzuges in der Kurve in Achau umgefallen und in den Bahnschranken gekracht. Das gab dann eine umfangreiche Untersuchung bzw. Suche nach den Schuldigen. Der Chauffeur sagte, der Anhänger war ungleichmäßig beladen, der Lagerarbeiter darauf, du bist nur zu schnell gefahren. Weitere Befragungen aller eventuell Beteiligten zeigten folgende Problematik auf: Die Container mussten um 22:24 fertig verschlossen bereit stehen, auch die Lagerarbeiter hatten ihr Arbeitsende um 22:24 Uhr. Die Produktion lief bis 22:24 Uhr. Erfahrungsgemäß wussten die Lagerarbeiter was, wann, und wie viel am Tag aus der Produktion angeliefert wurde und konnten somit die Container für die verschiedenen Werke gleichmäßig und verrutschsicher beladen. Bei Produktionsmaschinenstörungen kam es gelegentlich zu Verzögerungen in der Materialanlieferung ins Lager; es wurde beschlossen, dass Material ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr am selben Tag verladen wird, damit der Lagerist genügend Zeit hat, die Container gleichmäßig und verrutschsicher zu beladen. Immer wieder kam es vor, dass Leute aus der Produktion angerufen haben und sagten: das muss dringend heute noch mit, wir haben zwar Probleme mit der Maschine, aber das wird schon gehen. So wartete der Lagerist, (meistens waren es solche, welche nicht mit dem Werksbus fuhren) arbeitete in seine Freizeit hinein und musste sich dann noch vom Chauffeur sagen lassen: "Beeil dich, ich habe nicht die ganze Nacht Zeit". Es kam auch vor, dass dringend angekündigtes Material nicht - oder nur teilweise - gebracht wurde; somit waren dann einige Container nicht ordentlich beladen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 04 Okt. 2020 20:20

90 - Münzenwechsler, falsche Schillingmünzen / 1978
Für die Getränkeautomaten (Cola, Fanta, Sprite, Lift, Bonaqua) - aber auch andere Automaten für div. Süßigkeiten - waren Schillingmünzen erforderlich. Der Preis für ein Getränk betrug 3 Schilling. Geld wechseln konnten die Automaten nicht; es musste der genaue Betrag eingeworfen werden. Da immer viele Personen einzelne Schillinge benötigten, war in der Nähe der Halle 2 am Gang ein Automat zum Münzen wechseln montiert. Der wurde vom Betriebsrat mit sehr vielen einzelnen Schillingen befüllt. Hier konnte man seine 5er und 10er auf einzelne Schillinge wechseln. Immer wieder waren viel Leute dort, denn eine Glasflasche Limonade hatte nur 0,35 ltr. Inhalt und das reichte nicht lange. Die Werkzeugbaulehrlinge fertigten auch Stanzwerkzeugformen an. Es wurde die Idee geboren, man könne doch auch aus einem geeignet dicken Messingstreifen Scheiben stanzen, um damit den Colaautomat zu füttern. Dem ist sicher egal, ob die Scheiben ein Prägung haben, er misst nur Durchmesser, Dicke und Gewicht. Das war so erfolgreich, daß sie die Produktion und Verwendung übertrieben. Trotz der Vielzahl an Münzen, welcher der Cola Lieferant von seinen Touren ablieferte, fiel das auf und es wurde nachgeforscht, wo diese Falschmünzen herkommen. Schließlich wurde man fündig. Nicht nur die Lehrlinge, sondern auch die Lehrlingsausbildner bekamen Probleme.
Geschrieben von Helmut Wagner am 02 Okt. 2020 23:03

89 - Feinstanzautomat Feintool / 1978
Mit den im Werkzeugbau hergestellten Stanzformen wurden hier die Blechteile aus einem Bandmaterial (Eisen, Messing, Alu) hergestellt. Wegen der hohen Anforderung an die fertigen Stanzstücke wurde das Band während des Stanzens zwischen der oberen und der unteren Stanzformhälfte mit hohem Druck festgehalten. Nun drückte der obere Stanzstempel das Material in die untere Stanzform, welche natürlich die exakte Abmessung des oberen Stempels haben musste. Damit sich dabei das Stanzmaterial an den Schneidekanten nicht verformen kann, war in der unteren Stanzform ein exaktes Gegenstück des oberen Stempels angebracht, welcher einen gewissen Gegendruck aufrecht erhielt, aber kontrolliert nachgab. Nach dem Durchstanzen ging der obere Stempel zurück, es öffnete sich die Form, der untere Stempel drückte das Stanzgut aus der unteren Form planeben heraus und wurde mit einem kräftigen Pressluftstoß aus dem Pressbereich befördert. Bei der Konstruktion der Stanzformen wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass das Rohmaterial möglichst restlos ausgenützt werden konnte. Somit wurden bei jedem Stanzhub oft viele verschiedene Teile gleichzeitig erzeugt. Alle diese, teils auch ganz kleine, mussten bei jedem Hub sicher aus dem Stanzbereich heraus befördert werden, da es sonst beim nächsten Pressvorgang zu einem Werkzeugschaden gekommen wäre. Somit wurde, wenn die Form aufging, sehr viel Pressluft eingesetzt, was - trotz Lärmschutzbox - sehr laut war. Überwacht wurde die Freiheit nach dem Stanzvorgang von Fremdteilen, wenn sich die Form wieder schloß: mit kleinen, präzise eingestellten Schaltern wurde kontrolliert, ob sich die Form widerstandslos soweit geschlossen hatte, bis nur mehr die Materialdicke zwischen Ober,- und Unterteil Platz hatte. Bei dünnen Materialien musste sehr genau justiert werden. Wenn auch nur ein kleiner Teil in der Form verblieb, stoppte die Maschine sofort, weil sich der Oberteil der Stanzform zu früh hob. Im Betrieb machte so eine Maschine - je nach Einstellung und Stanzform - bis zu zwei Hübe pro Sekunde, und das stundenlang. Bei Funktionsstörungen war der Elektriker der erste, der hier Abhilfe schaffen musste, auch wenn das Problem hydraulische, pneumatische, mechanische oder einfach nur einstellungsbedingte Ursachen hatte. Nichtelektrische Reparaturen oder Einstellungsjustagen wurden dann von Mechanikern oder Einstellern behoben.
Geschrieben von Helmut Wagner am 30 Sep 2020 22:17

88 - Ingenieur Sondereinsatz, freiwillig oder Strafarbeit / 1978
Eines Tages hatte die Elektroabteilung die Aufgabe, vor der neuen Lagerhalle (die lag zwischen dem Fertiglager und dem Maschinenhaus) eine zusätzliche Beleuchtung zu installieren. Ich fragte, warum das erforderlich ist, weil es ja eine gut funktionierende Außenbeleuchtung in diesem Bereich gab. Man sagte das sei erforderlich, weil: die Konstruktionsabteilung hatte in der Montagezeichnung auf eine spezielle Beilagscheibe vergessen. Da genau nach dieser Zeichnung gearbeitet wurde, fehlte nun diese Scheibe in einer erheblichen Anzahl von fertig verpackten Projektoren. Das war zwar nicht besonders tragisch, aber die Verantwortlichen ließen sich nicht nachsagen, dass es wegen ihrem Fehler vielleicht bei den Geräten ohne dieser Scheibe zukünftig Probleme geben könnte. Sie arbeiteten bis spät in die Nacht, um bei den schon fertig eingelagerten Geräten die fehlende Scheibe nachzurüsten; dazu die Beleuchtung. Auch wurde gesagt, dass sie für diese Arbeitszeit keinen Lohn verlangten, das verbot ihnen ihre Ingenieursehre.
Geschrieben von Helmut Wagner am 28 Sep 2020 12:04

87 - Drahterosionsmaschine AGIE / 1978
Für die verschiedenen Stanzblechteile waren jeweils eigene Stanzformen erforderlich. Diese wurden im Werkzeugbau hergestellt. Bei sehr passgenauen und dickeren Teilen waren Feinstanzwerkzeuge erforderlich, in welchen die Blechteile ohne Verformung im Bereich der Stanzränder hergestellt werden konnten. Diese Werkzeuge erforderten besondere Maschinen für ihre Herstellung: mit einem unter Strom stehenden, sehr dünnen Draht wurde aus einem Stahlklotz im Wasserbad die erforderliche Form herausgeschnitten. Dieser Vorgang dauerte mehrere Stunden, weil der Draht jeweils nur um 1/100 mm weiter bewegt wurde. Die herausgeschnittenen Stempel und Gegenstücke mussten perfekte Passform haben, da es in der Stanzform keinen Spalt zwischen Stempel und Gegenform geben durfte. Die hier erzeugten Teile hatten höchste Genauigkeit. Zuvor musste natürlich diese Stanzform am Reißbrett konstruiert und die Abmessungen in die Maschine mittels Lochstreifen einprogrammiert werden. Alle diese Tätigkeiten wurden im Werk (Konstruktionsbüro, Werkzeugbau) verrichtet. Eine dieser Stanzformen faszinierte mich besonders; ein Muster davon war in der Abteilung zu Schulungszwecken ausgestellt: damit wurden Zahnräder für den Filmtransport hergestellt. Ein Stahlklotz lag da, ca. 15 x 15 cm und 5 cm dick. Die Oberfläche war ganz fein geschliffen, die Kanten gebrochen. Wenn man nun den Klotz aufhob, blieb der Stanzstempel am Tisch liegen; das war jener Teil, welcher das Zahnrad auszustanzen hatte. Dieser Stanzstempel passte in jeder Stellung in den Klotz und war so eben mit diesem, dass man selbst mit dem Fingernagel keine Stufe fühlen konnte. Lediglich am versetzten Schleifbild konnte man dessen Form sehen, wenn er nicht genauso in der Form war, wie er geschliffen wurde. Alle Feinstanzformen hatten höchste Präzision.
Geschrieben von Helmut Wagner am 26 Sep 2020 22:00

86 - Bild in der Müllpresse / 1978
Eines Tages kam der Auftrag, die Müllpresse stromlos zu machen. Angeblich wurde versehentlich ein Bild aus dem Direktionsbereich des Hochhauses in den Müllschacht geworfen. Der im Keller aufgestellte Müllbehälter wurde schon in die Müllpresse entleert. Der Preßcontainer wurde von der Presse abgekoppelt, mit dem Stapler weggezogen und von der Hofpartie ausgeräumt. Das Volumen war beträchtlich und musste abschließend wieder langwierig in den Presseneinwurf geräumt werden. Ob das Bild in der Presse gefunden wurde, weiß ich nicht; vielleicht war es auch ein Irrtum.
Geschrieben von Helmut Wagner am 24 Sep 2020 21:53

85 - Hüte dich vor den Gezeichneten / Winter 1977
Bei den Elektrikern gab es einen kleinen Mann (Wolf Otto), seine langen Knochen waren nur halb so groß, wie bei normalen Menschen (Liliputaner?). Dieser Kollege verstand sich gar nicht mit einem der anderen (Strohmeier Walter). Aus diesem Grund wurden die beiden fast nie gleichzeitig mit einer Arbeit betraut. Beide waren aber einmal mit Elektroinstallationsarbeiten in einer unterirdischen Röhre (ein Installationsgang mit ca. 1,4 m Durchmesser) für das neue Lager für brennbare Flüssigkeiten beschäftigt. Strohmeier hatte schon Rückenschmerzen von der stundenlangen gebückten Arbeitshaltung; Wolf konnte sich aber aufrecht und schnell durch das Rohr bewegen. Streitig war, als Wolf arbeiten machen sollte, bei denen man immer wieder herumgehen musste, Strohmeier wollte hingegen nur positionsstabile Arbeiten verrichten (Löcher bohren und alles montieren - Wolf sollte Nötiges herbeischaffen). Das Gesprächsklima war schlecht und kippte, als Wolf zu Strohmeier sagte: "Buckliger, stehe gerade, wenn du mit mir sprichst!" Strohmeier war wütend und stand auf - und stieß kräftig mit dem Kopf an das Betonrohr. Er wollte Wolf greifen, dieser aber konnte schnell durch die Röhre davonlaufen. Aus unbekannten Gründen waren diese beiden auch eines anderen Tages gemeinsam in der Nachmittagsschicht mit Elektroarbeiten (es war schon längere Zeit finster, bei kaltem und windigen Wetter) am Dach des brennbaren Lagers beschäftigt. Gegen 18 Uhr 30 - die Abendschichtpause nahte - stieg Wolf vom Dach, da ihm schon kalt war; Strohmeier blieb noch, um etwas fertig zu machen. Da die Arbeiten in der Nachmittagsschicht oft nicht ganz zeitfüllend waren und das Wetter auch nicht zum Arbeiten im Freien einluden, blieb Wolf nach der Abendpause viel länger in der Elektrowerkstatt. Er glaubte, daß Strohmeier irgend wo anders seine Pause machte, weil er sich nicht mit Wolf gemeinsam in der Elektrowerkstatt aufhalten wollte. Doch gegen 21 Uhr erinnerte er sich - wie er am nächsten Tag erzählte - daß er die Leiter zum Dach der Halle umgelegt hatte, weil er glaubte, daß sie der Wind umwerfen würde; auf Strohmeier hätte er vergessen. Wolf konnte aber die Leiter nicht wieder aufstellen, weil Strohmeier ihn sonst geschlagen hätte. So musste er bis kurz vor Schichtende (22 Uhr 24) warten, um die Leiter wieder aufzustellen, in der Hoffnung, daß sich Strohmeier wegen der stundenlangen Kälte nur langsam vom Dach herunter bewegen kann. Am nächsten Tag wurde er gehänselt: "Bist am Dach wie ein Hampelmann gesprungen daß dir warm wird und hast Otto, Otto, O t t o . . . gerufen." Alle Kollegen glaubten aber, daß Otto das mit der Leiter absichtlich gemacht hatte.
Geschrieben von Helmut Wagner am 22 Sep 2020 20:23

84 - Schießübungen / 1977
Kollege Bachler war ein Waffenfan. Gelegentlich hatte er eine kleine Pistole mit und machte - unbemerkt, wenn er alleine war - Schießübungen in der Elektrowerkstatt. Er machte auch Experimente mit den Patronen des Hilti Bolzensetzgerätes. Meistens in der Nachmittagsschicht. Ich hatte einige kleine Luftdruck-Bleistamperln wie auch anderes ähnliches und Einschüsse in der Mauer und einem Blechkasten gefunden, stellte mich blöd und fragte den Meister (Glatz), was das ist. Er sagte: "Wirf das weg, es ist nichts." Bachler hatte bei ihm Narrenfreiheit, da er ein sehr guter Elektriker war. Eines Tages, es war für mich wenig zu tun, alle anderen Kollegen waren im Einsatz, räumte ich die Elektrowerkstatt zusammen und fand einen Plastiksack mit vielen durchgebrannten Glühbirnen. Dieses, wie auch anderes Gerümpel und Mist stellte ich vor die Werkstatt, um es dann mit einem Wagerl zu den Mistkübeln zu führen. Da kam der Meister und lobte mich, dass ich unaufgefordert Ordnung in der Werkstatt schaffe. Als er den Sack mit den Glühbirnen sah, sagte er: "Den nicht, der gehört dem Herrn Bachler!" Ich fragte, wofür er kaputte Glühbirnen braucht. Er darauf: "Das braucht dich nicht zu kümmern, gib ihn dort hin, wo er war." Eigentlich wusste ich, dass er die Lampen für seine Schießübungen braucht und wollte von Glatz eine Stellungnahme dazu herauslocken, aber erfolglos. Auch mein Elektrikerlehrlingskollege (Schindele) beschäftigte sich mit dem Thema Waffen. Er und Bachler redeten oft darüber und schauten sich Kataloge an. Eines Tages durfte ich bei einer Schießübung mitmachen: Im Keller schossen wir mit verschiedener Munition, Zimmermunition, Schrott und Magnum auf einen dicken Holzpfosten, letztere zerfetzt ihn, wie auch ein dickes Telefonbuch. Wobei beim Buch an der Einschußstelle lediglich eine graue Fläche sichtbar war, an der Rückseite aber eine handtellergroße Öffnung. Für die Schießübungen waren Zielscheiben sehr nützlich. Gelegentlich wurden einige davon nach einer Vorlage in der Druckerei auf dem damals einzigen Kopierer im Werk gemacht. Das war ein ganz langsamer Thermodrucker - eine A 4 Seite dauerte gut 15 Sekunden, dessen Papier auf einer Endlosrolle war. Das Kopierformat war A4; für Format A5 wurde das fertige Blatt einfach in der Mitte durchgeschnitten.
Geschrieben von Helmut Wagner am 20 Sep 2020 21:50

83 - Produktionsmaschinenüberforderung / 1977
Den Produktionsmaschinen wurde zusehends mehr abverlangt: größere Stückzahlen in kürzerer Zeit, bzw. größere Teile auf kleineren Maschinen herstellen. Bei den Spinner-Drehautomaten hatten wir anfangs Probleme, die wir nicht eindeutig beheben konnten. Auf der Maschine wurden Drehteile (Objektivfassungen) mit Gewinde hergestellt. Dazu war eine vorher exakt einzustellende Anzahl von Durchgängen für das Gewindestrehlen erforderlich. Nach längerem Betrieb verzählte sich die Steuerung. Die Anzahl der Drehdurchgänge war - je nach Produkt - einstellig bis max. 49 Durchgänge. Pro Sekunde machte die Maschine, abhängig von der Gewindelänge oft mehrere Durchgänge, was das Mitzählen fast unmöglich machte. Nur bei der genauen Anzahl der Durchgänge passte das Gewinde und erfüllte die Qualitätsanforderungen. Wir waren oft bei solchen Störungen eingesetzt. Viele Teile waren in Ordnung, aber nach einigen Minuten hörte es sich so an, als ob bei einem Teil die Durchgangsanzahl nicht passte. Und wirklich, die mechanische Messung zeigte, dass das Gewinde nicht richtig fertiggestellt war. Viele der nächsten Teile waren in Ordnung - was war das Problem gewesen? Da nicht wirklich etwas kaputt war, konzentrierten wir uns auf die Zählmagnete. Mit neuen dieser Magnete gab es keine Probleme, obwohl die Gebrauchten keine Fehler hatten. Erst viele Monate später stellte sich heraus, dass sich bei einer Kombination zwischen hoher Zählanzahl und kurzer Gewindedrehzeit der Zählmagnet der "Einer Stellen", (1 bis 9) verzählte. Eigentlich hat er sich nicht verzählt, viel mehr haben sich beim Schalten auf 10, d.h. Rückstellen der ersten 9 und Einschalten des ersten Kontaktes auf dem 10er Block nicht alle Kontakte rückgestellt, was bewirkte, daß er in der "Einer Stelle", nicht von Null anfing zu zählen, sondern mit der Zahl, wie viele Kontakte noch geschlossen waren. Die Zählmagnete wurden mit der Zeit etwas dauermagnetisch. Sehr kurze Rückstellimpulse konnten im Lauf der Zeit die Kontakte nicht mehr sicher rückstellen. Neue Magnete funktionierten besser als sie es mussten. Somit forderten die Maschineneinsteller den Automaten immer größere Stückzahlen ab, bis sich die Fehlstücke häuften. Eines Tages haben wir in den Einstellvorschriften der Maschine gelesen - diese hatten nur die Maschineneinsteller zur Verfügung, - dass die max. Durchsatzanzahl beim Gewindestrehlen nur bei den fehlerhaften Maschinen bei weitem überschritten wurde. Bei Einhaltung dieser Bedingung funktionierten auch die alten, gebrauchten Zählmagnete noch einwandfrei. So wurde das "Übertreiben" dieser Maschinen zu einem finanziellen Schaden für die Firma (Fehlproduktion, Ausschuss, Anlagenausfälle, Störungen und unnötige, teure Ersatzteile).
Geschrieben von Helmut Wagner am 18 Sep 2020 22:31

82 - Stromschiene Stanzerei / 1977
In neuen Produktionshallen - so auch in der Stanzerei - waren für die Elektroversorgung der Maschinen leistungsstarke Stromversorgungsschienen montiert. Auf diese konnte im Leitungsverlauf überall ein spezieller Sicherungsverteiler aufgesetzt werden, (jederzeit, auch wenn die Schiene unter Strom war) an denen dann die jeweiligen Maschinen angeschlossen waren. Diese Sicherungsverteiler konnten nur in einer bestimmten Richtung aufgesetzt werden, da somit die richtigen Anschlüsse im Inneren abgegriffen wurden. Wenn man den Deckel des Sicherungsverteilers öffnete, wurde der Strom zum Abgangskabel unterbrochen, der Neutralleiter verzögert auch, der Schutzleiter blieb immer verbunden. In einem kleinen Bereich war der Deckel einer dieser Stromschienen verkehrt montiert; hier konnten Sicherungsverteiler auch nur verkehrt montiert werden. Eines Tages war für eine zusätzliche Maschine ein Stromanschluß herzustellen. Kein Problem, Sicherungsverteiler mit geeigneten Sicherungen mitnehmen, den kleinen Schutzdeckel im Montagebereich öffnen und den Verteiler anschrauben - fertig. Bei der Montage wunderte sich der Elektriker, dass dieser Verteiler in die andere Richtung als alle anderen schaute und hat das Maschinenkabel nicht angeklemmt. Das bewahrte ihn - und andere - vor einem sicheren Stromunfall.
Geschrieben von Helmut Wagner am 16 Sep 2020 21:16

80 - Geringe Lohnerhöhung, erstes Geld / 1977
Nach der Lehrzeit war ich nicht mehr Lehrling, sondern Geselle. Dazu gab es zwar eine automatische Lohnerhöhung, welche aber mehr als dürftig ausgefallen ist. Im Vergleich zu anderen Kollegengesellen - welche bedeutend kürzer im Betrieb beschäftigt waren, weniger Mühe an den Tag legten, weniger erfolgreich bei Maschinenreparaturen waren und weniger Fachkenntnis hatten - bekam ich deutlich weniger bezahlt. Bei einem Gespräch mit meinem Chef musste ich erfahren, dass da folgende Probleme bestanden: 1. ist es nicht möglich, dass ein im Betrieb Beschäftigter eine über einen gewissen Prozentsatz liegende Lohnerhöhung bekommt - demnach macht nach der Lehrzeit eine prozentuelle Lohnerhöhung nicht viel Schilling aus. Wenn ich aber als neuer Elektriker aufgenommen werden würde, hätte ich einiges mehr bezahlt bekommen, als ein im Betrieb verbleibender ausgelernter Lehrling. 2. Aber auch eine Kündigung und gleichzeitige Wiedereinstellung ist nicht möglich, da das eine Umgehung von Punkt 1 bedeutet hätte - nicht zulässig. Also entweder kündigen und wo anders arbeiten, oder als billiger Arbeiter - zum Wohle der Firma - weiter im Betrieb bleiben. So arbeitete ich eigentlich die restlichen Jahre bis zum Konkurs immer zu einem geringeren Lohn als meine anderen Elektrikerkollegen. Auch deren Einsatzfähigkeit war durchschnittlich deutlich geringer, was mir oft von Vorgesetzten und Kollegen gesagt wurde. Diese Kollegen brauchten nicht besonders nachdenken, wenn es komplizierte Maschinenstörungen gab - Ich kenne mich nicht aus, schick den Wagner, waren oft deren Antworten, wenn sie nicht weiter wussten. So hat die Firma eigentlich doppelt an mir profitiert: besserer Arbeiter bei geringerem Lohn. Gebracht hat es nichts - Firmenkonkurs, wobei ich gar nichts daran hätte ändern können. Da fällt mir noch ein Tag (September 1973) der Entgegennahme des ersten verdienten Geldes ein: das gab es beim Schalter vom Lohnbüro im Obergeschoß der Halle 2. Dazu wurden die Arbeiter abteilungsweise über die Rufanlage ausgerufen. Zuerst Ausweis herzeigen, dann gab es die Lohntüte. In der waren das Geld und der Lohnstreifen. Nachzählen und die Übernahme unterschreiben; fertig. Ich bekam 600 Schilling Akonto; die restlichen 320 Schilling dann nach 14 Tagen. Beides zusammen war damals meine Lehrlingsentschädigung für einen Monat im ersten Lehrjahr.
Geschrieben von Helmut Wagner am 11 Sep 2020 23:56

79 - Fußballspiel im Bürogebäude 1 / Frühjahr 1977
Als im Inneren des neuen Gebäudes die Zwischendecken verlegt wurden, kam es gelegentlich zu einem kleinen Fußballspiel in dem weitläufigen Bereich, da es noch keine Zwischenwände gab. Arbeiter der Firma Dolenz arbeiteten hier. Als Fußball dienten zusammengeknüllte Kartons der Zwischendeckenmineralfaserplatten. Einer der Arbeiter machte sich einen Spaß und gab in eine Schachtel einen Ziegelstein. Er sagte zu seinen Kollegen: "Wer mir ein Tor schießt bekommt 10 Schilling." Dazu - so sagte er weiter - müssen aber die Schuhe ausgezogen werden. Keiner konnte ein Tor schießen, alle hatten danach eine blaue Zehe. Aber alle bissen die Zähne zusammen und sagten nichts den nächsten vorbei kommenden Kollegen. Schließlich hat einer der Schützen seine Schuhe nicht aus gezogen und der Karton samt dem Ziegel flog Richtung Tormann, welcher schnell zur Seite sprang. Somit musste er die 10 Schilling zahlen, weil er ein Tor bekommen hatte.
Geschrieben von Helmut Wagner am 09 Sep 2020 20:17

78 - Anerkennungsuhr / Frühjahr 1977
Wegen meiner guten lehrberuflichen (Arbeiten) und schulischen Leistungen (Zeugnisse) wurde mir eine neue Armbanduhr (Bulova Accutron) gegeben. Dazu war ich eines Tages mit dem Leiter des technischen Dienstes Nistelberger ins Hochhaus bestellt. Zuerst waren wir beim Prokurist Pferschy und dann anschließend beim Firmenchef Vockenhuber, jeweils in deren Büroräumlichkeiten. Von der Uhr wusste ich anfangs nichts, das erfuhr ich erst, als sie mir offiziell - nach einer Beglückwünschung durch Vockenhuber - übereicht wurde. Die Uhr war damals eine technische Neuheit: sie hatte zwar noch immer Zeiger (Sekunde, Minute und Stunde), aber der Zeitgeber im Inneren war eine ganz kleine Stimmgabel, elektronisch angetrieben mit einer Knopfzelle (Batterie). Man hörte das leise, hohe Summen der Stimmgabel und auch das Ineinandergreifen der ersten kleinen Zahnräder. Die Batterie hielt je nach Fabrikat zwischen 300 und 500 Tage. Datum und Wochentag wurde mit zwei getrennten Scheiben angezeigt. Diese Uhr hatte ich viele Jahre - auch im täglichen Arbeitseinsatz - am Handgelenk. Die ersten Kratzer waren ärgerlich, aber im Laufe der Zeit fielen sie nicht mehr auf. Oftmals wurde die Uhr bewundert und immer wieder wollten Leute hören, welche Geräusche sie macht. Auch wollten sie wissen, wie sie funktioniert. Sehr interessiert wurde beobachtet, daß sich der Sekundenzeiger ganz gleichmäßig - ohne Ruckbewegung - drehte. Sie ging aber immer etwas vor - in 2 Tagen um ca. 1 Minute - ich stellte sie bei größerer Zeitabweichung dann einfach um 10 Minuten zurück und dachte mir beim Zeitablesen einfach die aktuelle Minutendifferenz aus. Es war nicht so wichtig, die exakt genaue Zeit zu haben; in der Firma gab es Glockensignale für Arbeitszeit und Pause, und bei den öffentlichen Verkehrsmitteln ist man halt einige Minuten früher dort, um nicht eine halbe Stunde auf die nächste Bahn zu warten. Auch sonst war es damals nicht so wichtig, eine sekundengenaue Zeit bei sich zu haben. Leider habe ich etwa im Jahr 1999 die Krone abgebrochen, mit der man die Zeit bzw. das Datum einstellen kann, weil die Welle eingerostet war und sich nicht drehen ließ. Trotz dem habe ich die Uhr weiter verwendet, jedoch ohne gültige Datumsanzeige. Wenn sie zu viel vor ging, nahm ich einige Minuten die Batterie heraus. Im Jahr 2005 sagte mir ein Arbeitskollege, er kennt einen guten Uhrmacher, der kann auch das reparieren. Leider gab ich ihm die Uhr, welche ich dann nach einigen Wochen - unrepariert - zurück bekam. Der Uhrmacher lies ausrichten, daß er die Welle nicht heraus bekommt, weil die Krone abgebrochen ist. Alle Teile der Uhr - auch die abgebrochene Krone - waren von mir in einem verknoteten Plastiksackerl übergeben worden. Als ich sie zurück bekam, fehlte die Krone. Das tut mir heute noch leid, denn auf der Krone war das Bulova Symbol eingraviert.
Geschrieben von Helmut Wagner am 07 Sep 2020 20:53

77 - Feuermeldeanlagenumbau / 1976
Die Brandmeldeanlage im Werk war Marke Eigenbau: die Betätigungstasten wurden komplett im Werk hergestellt; sie waren deutlich als solche erkennbar, an vielen Stellen in den verschiedenen Hallen montiert und verkabelt. Jeweils ein Anzeigentableau mit Glocke, Lampe für den jeweiligen Bereich (z.B.: Halle 1 EG, Maschinenhaus, Küche, Halle 3 OG, Fertiglager, usw.), sowie Prüf,- und Rückstelltaste war beim Portier, im Büro vom technischen Dienst und beim Betriebsleiter montiert. Auch die Klimaanlagen wurden bei Betätigung automatisch deaktiviert. Bei Alarm wurden somit gleichzeitig vier eigenständige Abläufe aktiviert: 1.) die Haustechnik begab sich sogleich in den Alarm auslösenden Bereich, wo eigentlich schon die Erstmaßnahmen angelaufen sind 2.) der Portier alarmierte die Feuerwehr und konnte sie bei deren Eintreffen sogleich zielgerichtet weiter weisen 3.) der Betriebsleiter und seine Leute waren auch gleich davon informiert 4.) die Klimaanlagen blieben automatisch stehen. Die Brandmeldeanlage im Hochhaus war da moderner: automatische (aber radioaktive) Rauchgasmelder, genormte Druckknopfmelder mit Glasscheibe, Leitungsüberwachung gegen Drahtbruch und Kurzschluß, Notstrombetrieb mit Batterie, sowie automatische Alarmierung der Feuerwehr und Tonbanddurchsage im Haus über die Rufanlage. Wegen der erheblichen Werkserweiterung waren etliche zusätzliche Meldeschleifen im Produktionsbereich erforderlich. Dazu wurde im Hochhaus eine neue Anlage montiert und die dort frei werdende, im Werk aufgebaut. Hier mussten alle Druckknopfmelder getauscht und mit neuen Kabeln verbunden werden, wobei es 30 Meldeschleifen gab (für 30 Brandabschnitte) und die Kabel nur in den Druckknopfmeldern eine Klemmstelle haben durften. Erheblicher Verkabelungsaufwand. Für die Elektriker gab es dadurch länger keine Arbeitspausen wo ev. nichts besonderes zu tun war. Die Brandmeldezentrale war im TD Büro, im EG des Büro,- und Garderobentrakt 1, das Paralleltableau in der Portierloge. Über die neue Rufanlage wurde mit einem Tonband bei Feueralarm auch eine automatische Räumungsdurchsage verlautet. Die einzelnen Kabellängen waren beträchtlich - speziell zu den weiter entfernten Hallen wie: Zentrallager, Automatendreherei, Galvanik, Fertiglager, Maschinenhaus, Lager für brennbare Flüssigkeiten, etc., wobei die erste Klemmstelle nach der Zentrale erst im ersten Melder der jeweiligen Halle sein durfte. In diesen Hallen waren dann auch noch eine größere Anzahl von Meldern zu installieren. Im Letzten dieser Melder befand sich der Abschlußwiderstand für die Leitungsüberwachung.
Geschrieben von Helmut Wagner am 04 Sep 2020 21:41

76 - Resourcenschonung / ohne besonderes Datum
Damals wurde überall geschaut, dass nichts Brauchbares weggeworfen wird. Es war auch genügend Zeit und Personal vorhanden, um sich damit zu beschäftigen. So wurde bei Umbauarbeiten das abgebaute Material zerlegt, tw. gereinigt und in den diversen Lagerstätten aufbewahrt. Das waren im Speziellen: Rohre und Fittinge, Kabel und Drähte, Elektroschaltgeräte und Kästen, Holz,- Glas,- und Kunststoffplatten, sowie Eisenteile jeglicher Art; auch Kleinteile wie: Schellen, Schrauben, Pressluftteile etc. Immer wenn etwas neu zu bauen oder zu installieren war, sah man sich zuerst in den Lagerstätten um, bevor Neumaterial verwendet wurde. Jeder Arbeiter baute seine berufsgruppenspezifischen (Elektriker, Schlosser, Installateur, Tischler, etc.) Teile selbst ab, kontrollierte auf zukünftige Brauchbarkeit und räumte das übersichtlich weg, wenn gerade nichts dringendes anderes zu tun war. Wenn ein Elektromotor aus den vielen Produktionsmaschinen unreparierbar war, wurde er von den Elektrikerlehrlingen in seine Einzelteile zerlegt: die Kugellager waren fast immer kaputt, das Klemmbrett und das Lüfterrad noch gut, aber die Wicklung durchgebrannt. Zuerst alle Aluminiumteile abbauen, Rotor entnehmen, das Motorgehäuse länglich mit der Eisensäge aufschneiden und mit einem Meißel herunter klopfen. Die Motorwicklung auf einer Seite des Stator (planeben mit diesem) mit der Eisensäge abschneiden und mit einem Durchschlag herausklopfen. Somit hatten wir eine perfekte Schulung im mechanischen Aufbau eines Elektromotors und konnten mit diesem Wissen in der Berufsschule punkten. Alle unbrauchbaren Einzelteile des Motors konnten so auch sortenrein in die unterschiedlichen Abfallboxen geworfen werden. Nicht eine einzige gute Schraube wurde weggeworfen; alle noch Brauchbaren landeten in verschiedenen Wühlkisten, wo sich ähnliche befanden. Immer wieder konnte man dort auch exotische Abmessungen finden, welche dann perfekt für Spezialeinsätze waren. Eines Jahres haben wir eine Handvoll Schrauben in einer leeren Blechdose in die Berufsschule mitgenommen. Dort wurden im Praxisunterricht immer wieder Schrauben für die Installationsbretter benötigt und fast alle dort waren schon so abgenudelt, dass man sie fast nicht mehr in die Holzbretter eindrehen konnte. Auch die anderen Berufsgruppen agierten ähnlich mit ihren Materialien. Immer wieder haben sich die Haustechniker gegenseitig damit aushelfen können und auf schnelle und billige Art schwierige Aufgabenstellungen erledigt.
Geschrieben von Helmut Wagner am 31 Aug. 2020 22:23

75 - Erdschluß bei Hochspannungsversorgung des Werkes / Herbst 1976
Für die Herstellung der Polaroid Fertigungsstraße im OG Nordtrakt mussten die dortigen Abteilungen und Büros an anderer Stelle neu errichtet werden. Dazu wurde im Anschluss an den Garderobenbereich der Halle 3 ein neuer Büro- und Garderobentrakt gebaut. Für die Rohbauarbeiten war ein Baustromverteiler erforderlich. Diesen hatte der Nachmittagsschichtelektriker (Patleych) aufzustellen. Nach Herstellung der Stromzuleitung aus dem Verteiler der Halle 10 wurde auch der vorschriftsmäßige Erdspieß gesetzt. Doch selbst mit einem großen Hammer konnte er den Spieß nicht sehr weit in die Erde einschlagen. Am späten Nachmittag war alles fertig. Gegen Ende der Nachmittagsschicht gab es einen Stromausfall; die Hochspannungsversorgung (20 kV) des Werkes war ausgefallen. Das angerufen E-Werk bestätigte, dass es keinen öffentlichen Hochspannungsausfall in der Siedlung gibt und dass das Problem Betriebsintern liegen muß. Der Maschinist stellte fest, dass die Hochspannungserdschlussüberwachung in der Turmstation angesprochen hatte. Die Störung konnte zwar rückgesetzt werden, kam jedoch immer wieder und in immer kürzeren Abständen. So lies er die Hochspannungsversorgung abgeschaltet und versorgte das Werk im Inselbetrieb mit den Stromgeneratoren. Am nächsten Tag wurde die Ursache gesucht - und schnell gefunden: der Erdspieß traf genau das ca. 7 cm dicke Hochspannungskabel in der Mitte, hatte es aber wegen des Stahlmantels nicht durchstoßen. Monteure des E-Werkes sagten, wenn er das Kabel durchstoßen hätte, wäre er wahrscheinlich ums Leben gekommen. Bei weiteren Untersuchungen wurde festgestellt, dass das Kabel zwar einen mit Betonplatten überdeckten, unterirdisch betonierten Schacht hatte, das Kabel aber - wegen des großen Krümmungsradius - in einer Ecke nicht in dem Schacht war, sondern dort einen ausserhalb liegenden Bogen machte. Ausserdem war der Weg der Hochspannungsleitung in diesem Bereich nicht anzunehmen, da von der Turmstation zum Maschinenhaus die Leitung einen viel kürzeren Weg zu nehmen hätte sollen. Vermutlich führte die Hochspannungsleitung in früheren Jahren, als es nur Halle 1 und 2 gab, hier entlang und wurde mit dem Bau der Halle 3 und des neuen Maschinenhauses hier verbunden und weiter verlegt, anstatt die ganze Leitung zu erneuern. Im Zuge der neu zu bauenden Hallen (Galvanik, Dreherei) wurde eine neue Trasse für die Hochspannung und die Erdgasleitung (22 bar) verlegt.
Geschrieben von Helmut Wagner am 29 Aug. 2020 23:03

74 - Ratten in der Küche / Sommer 1976
Bei routinemäßigen Elektroarbeiten an elektrischen Küchengeräten welche nur außerhalb der Betriebszeit der Küche durchgeführt werden können, war die Nachmittagsschicht ideal. Sie wurden immer am späteren Nachmittag durchgeführt. Da die Küche keine Lüftungsanlage hatte, war es nach Betriebsschluß (nach Reinigung der Geräte und Aufwaschen des Betonfußbodens) recht feuchtwarm - speziell im Sommer. Auch hatte es dort immer einen eigentümlichen Geruch nach Essen. Das lockte natürlich auch Ungeziefer an. Im Küchenlager (auf der anderen Seite des Speisesaales) waren die Wände und die Tür mit Blechplatten verkleidet. Nagetiere - wie Mäuse und Ratten - hatten keine Chance, sich durchzunagen. In der Küche selbst waren die Außenwände nur aus Holz. Im Bodenbereich der Holzwände (eigentlich nur im Bereich zu den Montagehallen - denn dort war eine Wiese mit hohem Unkraut) wo sich Löcher bildeten und vermutet wurde, daß sich Mäuse oder Ratten einen Zugang verschaffen wollten, wurden diese mit Beton vergossen. Aber nicht alle Stellen konnten rasch gefunden werden, da viele Bereiche mit Stellagen und Geräten unzugängig waren. Eines Tages war für den nächsten Tag Apfelmus hergerichtet worden. Dieses war in mehreren, mit Packpapier abgedeckten Kisten auf den Tischen bereitgestellt. Als wir in die Küche kamen, hörten wir, daß sich da irgendwas rasch krabbelnd davon machte. Bei einer Kiste war das Packpapier im Apfelmus drinnen und es sah so aus, als ob irgend was aus der Kiste heraus geklettert war. Das sah man an der nicht ganz gleichen Oberfläche im Apfelmus, wie auch an den Kletterspuren an der Kisten und am Tisch. Am Fußboden verloren sich die Apfelmusspuren in Richtung einer Stellage, unter welcher hinten in der Wand eine für Ratten typische Öffnung war. Das Apfelmus dürfte der Ratte geschmeckt haben, und wir haben sie bei der Nahrungsaufnahme gestört. Das Loch haben wir gleich zugestopft; es wurde am nächsten Tag zubetoniert.
Geschrieben von Helmut Wagner am 27 Aug. 2020 22:36

73 - Wurstsemmelzubereitungen in Rekordzeit / Sommer 1976
In der Kantine wurden für die Frühstückspause in Akkordzeit hunderte Wurstsemmeln zubereitet. Dazu gab es eine Semmelaufschneidemaschine. In diese wurden oben die Semmeln Körbeweise hineingeworfen. Die Maschine schnitt sie auf, und die Hälften fielen unten wieder heraus. Einige andere Frau hatte die Aufgabe, jeweils die unteren Teile aufzulegen, wieder andere, die zuvor geschnittenen, verschiedenen Wurstsorten aufzulegen, eine weitere dann, die Oberteile draufzulegen, und andere, die fertigen Wurstsemmeln mit dünnen, einlagigen Servietten auf die Transportwagen zu schlichten. Dabei ging alles sehr flott zu. Ich war zufällig vor Ort und sah, daß - wie öfters - die Wurstmenge nicht genau stimmte; die Blätter wurden abgezählt - bei einer Semmel waren zu wenig, die Wurstfrau nahm noch zwei weitere Blätter, aber genau in dem Moment, wo sie die Blätter hinzulegte, setzte sich eine große, schwarze Fliege auf die offene Wurstsemmel. Die fehlenden Blätter drauf - es bildete sich ein kleiner Buckel wegen der Fliege, aber im nächsten Moment war auch schon der obere Teil der Semmel drauf und die Semmel bei den vielen anderen auf dem Transportwagen, fertig zum Verkauf. Guten Appetit dem Käufer dieser Semmel.
Geschrieben von Helmut Wagner am 25 Aug. 2020 23:42

72 - Übereilte Vorarbeiten / Sommer 1976
Eines Tages bekamen wir den reparierten, großen Elektromotor für die Ölnebelabsaugung der beiden Sphäromat-Fräsanlagen, um ihn in einem unterirdischen Schacht im Freien, östlich der Halle 3, einzubauen. Es war schon nach 15 Uhr. Arbeitsschluß der Normalschicht um 15 Uhr 30. Wir wollten das gleich am nächsten Tag in der Früh machen. Tehsarik sagte aber, die Einbringung des Motors geht sich heute noch aus. Damit hatten weder die Hofpartie, welche einen Hubzug auf einem Dreibein in Stellung bringen musste, noch die Schlosser, welche den Motor hinablassen sollten, eine Freude. Sie sagten zu uns Elektriker, dass das auch morgen in aller Ruhe gemacht werden könnte. Wir sagten ihnen, daß sie damit zum Tehsarik gehen sollen. Die Schlosser darauf: "Ach, der schon wieder." So wie angewiesen, wurde der Motor noch am selben Tag abgelassen. Mit dem Schließen des Schachtdeckels läutete auch die Glocke zum Arbeitsende. Die Transportmannschaft war verschwitzt und ungehalten wegen dem unnötigen Stress. Einige fuhren mit dem Werksbus und dieser wartet nicht. In der Nacht gab es starken Regen; eine nahe dem Lüftungsschacht gelegene Sickergrube ging über und das Regenwasser flutete den reparierten Motor bis zur Welle. Die Wicklung war dadurch nass und der Motor konnte nicht elektrisch verwendet werden. Er musste wieder heraufgezogen werden, ins Maschinenhaus / Heizhaus verbracht und zum Trocknen zerlegt werden. Die Schlosser sagten: "Der überhastete Einsatz gestern hat sich voll ausgezahlt."
Geschrieben von Helmut Wagner am 23 Aug. 2020 22:49

71 - Eumig Garage Puchsbaumgasse / in den 70er Jahren
Eines Tages der Auftrag, in der Eumig Garage die Beleuchtung reparieren. Nach dem, was ich bis jetzt in der Firma erlebt habe, hatte ich folgende Vorstellung davon: helle, hohe und große Halle für die Werksbusse und den übrigen Fuhrpark mit vielen Beleuchtungsbändern, weiße Fliesen bis oben hin, Montagegrube und Waschbox für die Fahrzeuge. Dazu sollte ich Leuchtstoffröhren und auch Elektromaterial für kleinere Reparaturen mitnehmen. Mit einem Chauffeur vom Fuhrpark mit seinem Wagen sind wir nach Wien gefahren. Bei der Ankunft dann die Ernüchterung: finstere, mit schmutzigem, teilweise gebrochenen Drahtglas überdachte Hinterhofgarage. Alles und überall schmierig und ölig, dunkel und feucht, nur einzelne Lampen leuchten. Die alte Elektroinstallation stammte bestimmt aus der Zwischenkriegszeit und es wurde kaum etwas erneuert. Alte Bergmann Rohre mit GE Drähten, offene Klemmdosen mit herausstehenden Drahtbüscheln; alles schwarz und unübersichtlich. Der Chauffeur sagte: "Räum aus und fang an, ich muß wieder weg." Ich fragte ihn, was ich bei dieser Schrott- Anlage machen soll? Er darauf: "Schau, daß wieder überall das Licht brennt." So versuchte ich, mir einen Überblick zu verschaffen. In den elektrischen Klemmdosen gab es keine Klemmen; einige der Drähte hatten Ösen und waren mit einer kleinen Schraube und Mutter verbunden. Andere wieder nur zusammengedreht. Als Isolierung diente ein eingeteertes Stoffband, welches aber schon ausgetrocknet war und halb herunter hing. Auch einzelne, lose Drähte gab es. Alle Drähte hatten eine schwarze, brüchige Gummiisolierung. Gelegentlich brutzelte es von selbst in einer Klemmdose und es begann dort leicht zu rauchen. Plötzlich begann auch eine zuvor finstere Lampe zu leuchten. Als ich die betroffene Klemmstelle berührte, brach ein Draht ab und die Lampe ging wieder aus. Nun suchte ich die zuständige Sicherung, konnte aber nur den ganzen Strom der Garage abdrehen. Danach im fast Dunklen die Klemmstelle reparieren. Immer wieder brachen Drähte ab; sie bestanden scheinbar aus Eisen, welches im Laufe der vielen Jahre rostbedingt schon sehr dünn waren. So arbeitete ich einige Stunden und brachte mehrere, aber nicht alle, Lampen zum Leuchten. Am Nachmittag kam der Chauffeur wieder und sagte lächelnd zu mir: "Na, bist fertig oder Fertig. Da haben sich schon andere die Zähne ausgebissen. Am besten wäre, alles raus reißen und neu machen, aber dazu gibt es kein Geld, denn das hier sieht und interessiert niemand." Später war ich froh, wieder im Werk zu sein. Ein alter Elektriker - welcher auch schon in der Garage war - sagte zu mir: "Ich bin froh, daß ich dort nicht mehr hin muß." Und ich war auch froh, daß ich dort nie mehr hin musste.
Geschrieben von Helmut Wagner am 21 Aug. 2020 22:30

70 - Anfänge der Computerzeit / Sommer 1976
Es wurde ein größerer Raum in der Halle 10 eingerichtet. Die Fester wurden außen mit dicken Gittern gesichert und die beiden Zugangstüren zum Raum verstärkt. Unter dem Teppich wurden Kupferbänder geklebt (Abschirmung?). Klimaanlage gab es nicht, denn es waren nur wenige Geräte im Raum. Nach der Elektroinstallation - lediglich einige Steckdosen waren nachzurüsten - kamen einige Frauen zum Bedienen der Geräte. Sie hatten aber fast nichts zu tun, denn dauernd funktionierte etwas anders bei den Computern nicht. Sie sollten eigentlich die ganzen Daten aus den vielen dicken Ordnern eintippen, welche laufend gebracht wurden. Statt dessen tippten Techniker an den Geräten herum, aber sie wollten nicht richtig funktionieren. Immer wieder gab es Probleme, wenn Daten eingegeben wurden. So saßen einige der Frauen gelangweilt auf den Schreibtischen herum, plauderten und lackierten sich die Fingernägel. Dann hieß es: Aber jetzt ist alles OK. Sie begannen, Daten einzugeben, aber immer wieder funktionierte etwas anderes mit den Geräten nicht.
Geschrieben von Helmut Wagner am 19 Aug. 2020 21:34

69 - Kleine Kurzschlüsse mit Folgen / Sommer 1976
Am Gang - Nähe Halle 2 - war eine Tiefkühltruhe aufgestellt. In dieser hatte die Küche für den Kantinenbetrieb verschiedenste Eislutscher zum Verkauf gelagert. Durch einen zunächst unauffälligen Kurzschluß war die Tiefkühltruhe einige Stunden außer Betrieb. An diesem Tag war es sehr heiß (Hochsommer). Die Ware in der Tiefkühltruhe war etwas angetaut und durfte somit nicht mehr verkauft werden. Es wurde bekannt gegeben, was passiert war und viele Leute kamen zum gratis Eis essen. Wir Elektriker wurden gefragt, ob wir da etwas mit geholfen hatten, was aber nicht so war.
Zu Beginn der Computerzeit war das Speichern der Daten nicht so einfach wie heute. Eines Tages arbeitete ich an einer Steckdose, dessen Stromkreis wegen der Computer nicht abgeschaltet werden durfte. Leider kam es bei den Arbeiten dann doch zu einem Kurzschluß. Ich hörte einen der Ingenieure aufschreien, wusste aber nicht, warum er das tat. Er starrte einige Zeit auf den finsteren Bildschirm, stand dann auf und ging langsam weg. Später sagten mir seine Kollegen: Er hat den ganzen Tag an einem Projekt gearbeitet und zwischendurch nichts abgespeichert. Durch den Kurzschluß mit folgendem Stromausfall war seine ganze Tagesarbeit in Bruchteilen einer Sekunde unwiederbringlich verschwunden.
Geschrieben von Helmut Wagner am 17 Aug. 2020 23:14

68 - Kurzschluß im Hochspannungsschaltraum / im Winter
Eines Tages gab es in der Früh einen kräftigen Knall im Hochspannungsschaltraum des Maschinenhauses, gefolgt von einem längeren Stromausfall, weil erst der ganze Umfang der Störung erkundet werden musste. In diesem Raum wird der Strom hochspannungsseitig zu den Transformatoren geschaltet. Bei einem leicht gekippten, mit Gitter gesichertem ostseitigen Fenster ist auf einem staubigen Isolator nahe diesem Fenster in der Nacht Pulverschnee hereingeweht worden. Dieser Schnee ist mit aufkommender Sonne geschmolzen und in dem sich bildenden Sud schlug dann ein kräftiger Lichtbogen über. Es gab einen Kurzschluß, gefolgt von einem kompletten Stromausfall. Ab der Turmstation war die Hochspannung komplett ausgefallen. Nun war alles klar und das Werk wurde sofort mit Inselstrom versorgt. Nach dem Tausch der Isolatoren im Fensterbereich durch das E Werk konnte wieder Normalbetrieb gefahren werden.
Geschrieben von Helmut Wagner am 15 Aug. 2020 22:33

67 - Kräftige Kurzschlüsse / Sommer 1976
Kurze Zeit später kam es zu weiteren kräftigen und spektakulären Kurzschlüssen mit erheblichen Lichtbögen, verschmolzenem Metall und Porzellan. Jedesmal ist dabei eine 430 A NH-Sicherung im Keller durchgebrannt, wodurch es notwendig wurde, den Verteiler ausserhalb der Betriebszeit abermals stromlos zu machen und zu sanieren. Es wurden alle nahe der Stromschienen befindlichen Befestigungsschrauben auf spezielle aus Teflon getauscht. Ein weiterer kräftiger Kurzschluß ereignete sich, als eine 16 mm² Kupferleitung beim Lötvorgang eines Kabelschuhes auf eine Stromschiene pendelte. Glücklicherweise ist bei keinem dieser Kurzschlüsse - außer einigen Schrecksekunden und kleinflächigen Brandwunden - kein Personenschaden entstanden.
Geschrieben von Helmut Wagner am 13 Aug. 2020 21:31

66 - Kräftiger Kurzschluß / Sommer 1976
Der Elektroverteiler Halle 3 EG war leistungsmäßig ziemlich an seinen Grenzen. Zur damaligen Zeit ein technisch guter Zustand, nach heutigen Begriffen eher ein Kurzschlußverteiler. Zur Technik: da in der Halle immer mehr und leistungsstärkere Maschinen in Betrieb waren, wurde auch der Stromverteiler für die Halle am Gang umgebaut. Dazu wurden Sicherungselemente aus Porzellan auf einer geerdeten Winkeleisenkonstruktion in einem engen Abstand zueinander mit Kunststoffschrauben befestigt. Diese beiden Schrauben hatten nur geringen, aber ausreichenden Abstand zu den Stromleitenden Teilen im Sicherungselement. Durch die hohe Strombelastung einzelner Abzweige (z.B. ein Abzweig für 4 Maschinen SPF 80 mit je 16 A) war das Sicherungselement so stark belastet, dass es heiß wurde, zumal die Maschinen im Schichtbetrieb 16 Stunden am Tag im Einsatz waren. Das bewirkte, dass immer wieder einzelne 63 A Sicherungen durchgebrannt waren und schnell auszuwechseln waren, um die Produktion nicht zu verzögern. Wegen der hohen Wärmebelastung wurden die Plastikschrauben weich und schmolzen teilweise, sodass die Sicherungselemente wackelten und beim Sicherungswechsel ein Kurzschluß drohte. Dadurch wurde ein Sondereinsatz außerhalb der Betriebszeit erforderlich, um die Halle stromlos zu schalten und alle Plastikschrauben gegen Metallschrauben zu tauschen. Doch das war noch schlimmer, wie sich später zeigen sollte. Unbemerkt durch Temperaturschwankungen und Vibrationen hatten sich einige Schrauben gelockert und sind teilweise herausgewandert, bis sie hinten an den Passschrauben angestanden sind. Bei denen bis 25 A kein Problem, die haben einen kleinen Messing-6kant an der Anschlussschraube, aber die ab 35 A einen größeren. Sich selbst lockernde Schrauben machten immer wieder unvorhergesehene Kurzschlüsse. Die Aufgabenstellung während einer Mittagspause: Passschrauben- und Sicherungen verstärken von, 25 A auf 35 A bei einem Abgang. Ein Geselle und ich waren beauftragt, alles vorzubereiten, dass es nur zu einer kurzen Abschaltung dieses einzelnen Stromkreises kam. Wir arbeiteten gleichzeitig auf engem Raum: Sicherungen raus, Passschrauben raus, neue Passschrauben hinein, eins, zwei und plötzlich ein Blitz, ein scharfer Knall, summende Ohren und der Geruch von verbrannten Haaren. In der Halle konnte man das Auslaufen der Maschinen hören: Was war passiert - ein satter Kurzschluß zwischen Passschraube und Masse. Der zufällig vorbeikommende Meister sagte, daß wir Glück hatten, denn der Stromblitz ist genau zwischen uns beiden durchgegangen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 11 Aug. 2020 22:20

65 - Stemmarbeiten in der Portierloge / Sommer 1976
Eines Tages hatte ich den Auftrag, in der Portierloge einen großen Unterputzkasten in die Außenwand zu stemmen. Darin sollten dann viele Kabel eine Klemmverbindung bekommen. Da ich auch außerhalb des Lehrberufes technisch tätig war - auch mit Stemmarbeiten vertraut - arbeitete ich bei diesen Stemmarbeiten in der Portierloge so, dass ich die natürlichen Bruchstellen der Mauerziegel, bzw. der Mauerfugen, ausnutzte. Das zeigte sich einerseits, dass die Arbeit schnell voran ging und andererseits, dass das Ergebnis der Arbeit - die hergestellte Maueröffnung - perfekt aussah. Als der Meister kam um zu sehen wie es mir ging, war schon alles fertig und der Schutt auch schon weggeräumt. Er konnte es nicht fassen und war erstaunt vom Ergebnis. Andere Lehrlinge hatten schon Probleme, wenn sie eine einfache Steckdose einstemmen sollten, oder ein Holzpackerl in eine Schilfdecke einzugipsen hatten.
Geschrieben von Helmut Wagner am 09 Aug. 2020 23:22

64 - Elektroklemmenkontrolle, Dieselmaschinenservice / Sommer 1976
In den Sperrwochen dieses Jahres wurde an einem Tag der komplette Strom im Werk abgeschaltet, auch die Hochspannung. Die Arbeiten: alle Stromklemmen im Maschinenhaus nachziehen bzw. auf festen Sitz kontrollieren. Dazu musste jeder Elektriker alle metallischen Gegenstände abgeben. Alles Werkzeug, welches sie zu ihren Arbeiten an den dicken Stromschienen gebrauchten, wurde genau notiert. Das E-Werk schaltete die Hochspannung in der Turmstation ab, kontrollierte auf Spannungsfreiheit und erdete das Netz. Dann wurden alle Klemmen nachgezogen und auf festen Sitz kontrolliert, sowie die Isolatoren abgeputzt. Meine Aufgabe war es, auf den Hochspannungstransformatoren die Anschlüsse auf den Isolatoren zu bearbeiten (Hochspannungsseite), wie auch die dicken Anschlüsse auf der Niederspannungsseite. Ich arbeitete vorsichtig, denn eine zu hohe Kraft würde die Isolatoren brechen. Es wurde sehr viel Vertrauen in meine Arbeit gesetzt. Eine weitere Arbeit: Dieselmaschinenservice. Das konnte nur in den Sperrwochen durchgeführt werden, da bei vollem Werksbetrieb die Generatoren für die Notstrom,- und Spitzenstromerzeugung benötigt wurden. Die Dieselmaschinen - Fabrikat MAN - wurden von Spezialisten dieser Firma serviciert. Dazu wurden alle Zylinderköpfe abgebaut, Ventile heraus, neue Kolbenringe und - wo erforderlich - auch die Lagerschalen beim Pleuellager und an der Kurbelwelle; eigentlich alle Teile, welche einem großen Verschleiß unterliegen. Diese stationären Maschinen waren recht groß und auf einem etliche m3 großen Betonsockel - zusammen mit dem Generator und einer großen Schwungmasse - montiert. Fein säuberlich waren alle demontierten Teile der Dieselmaschine geordnet auf einem großen, weißen Baumwolltuch aufgelegt; herrlich anzusehen für Freunde von Verbrennungsmotoren. Nach dem Zusammenbau wurde garantiert, daß die Maschine ohne Störungen ein ganzes Jahr läuft - und das viele Stunden täglich (Schichtbetrieb). Leider hatte ich wenig Zeit, um mir die Fülle an Einzelteilen anzusehen oder mit dem Mechaniker zu reden. Jede einzelne Stunde der Sperrwochen war mit wichtigen Arbeiten verplant, welche nur in dieser Zeit gemacht werden konnten.
Geschrieben von Helmut Wagner am 07 Aug. 2020 23:43

63 - Luftbefeuchter Klimaanlage EDV beim Zentralgebäude / 1976
Für diese mit großer Luftleistung ausgelegte Lüftungsanlage war auch ein recht starker Luftbefeuchter erforderlich. Zur Technik: Dampfluftbefeuchter. Der Dampf wurde über einen hitzebeständigen Gummischlauch und einer Dampflanze in den Zuluftkanal der Lüftung eingeleitet. Im Befeuchter selbst wurde der Dampf im Dampfzylinder aus Kunststoff erzeugt. In ihm waren Drahtgittermatten eingebaut. Diese Gitter waren mit Netzspannung (3 x 380 Volt) beaufschlagt. Der Behälter wurde von unten mit Wasser befüllt. Je höher die Gittermatten im Wasser standen, um so größer war der Stromfluß, welcher auch zu dessen Erwärmung führte. Das Wasser kochte schließlich. An Hand der umgesetzten Leistung lässt sich die Dampfabgabemenge errechnen. So hat ein Gerät mit 23 kW eine Dampfleistung von 30 kg Wasser / Stunde. Da der abgegebene Dampf ein Destillat war, verblieben alle Rückstände im Dampfzylinder. Die Elektronik war so ausgelegt, dass es zyklische Abschlämmintervalle gab, um die Konzentration an Rückständen zu reduzieren. Aber schon nach einigen Monaten hat die Dampfleistung nachgelassen, weil der Behälter voll mit Kalkablagerungen war. Die Luftbefeuchtung war vorwiegend in der Heizperiode notwendig; im Sommer war sie eigentlich außer Betrieb. Wasserbeschickung: Im Werk gab es eine Wasseraufbereitung für das Heizungsnetz und die Kühltürme. Hier war Wasser mit möglichst wenig Inhaltsstoffen erforderlich. Diese Anlage entsalzte das Wasser. Nun wurde für den Luftbefeuchter eine eigene Leitung von den Hochhauskühltürmen bis zur EDV-Klimaanlage installiert. Die Länge der Leitung betrug fast 100 Meter. Als der Luftbefeuchter zum Beginn der Heizperiode wieder in Betrieb genommen wurde, wunderten sich alle - speziell die Elektriker - weil sich auch beim ganz mit Wasser befüllten Dampfzylinder fast kein Stromfluß einstellte. Das Wasser wurde nur lauwarm. Wir erkannten, dass das aufbereitete Wasser zu wenig Leitfähigkeit besaß. Wir senkten den Wasserstand und gaben einen Esslöffel Speisesalz in den Dampfzylinder, um die Leitfähigkeit zu erhöhen; alles andere sollte sich - nach Rücksprache mit dem Hersteller - von selbst einstellen. Nun erfolgte der Start - jedoch gab es beim Einschalten der Heizspannung einen kräftigen Kurzschluß mit heller Blitzentladung im Dampfzylinder. So musste die Anlage entleert, gewaschen und wieder auf normale Wasserversorgung umgestellt werden.
Geschrieben von Helmut Wagner am 05 Aug. 2020 22:34

62 - Sturmschaden Halle 3 Dach / Jänner 1976
Anfangs des Jahres wüteten kräftige Stürme. Dabei wurde ein ca. 20 m langer Bereich an der ostseitigen Dachhälfte von der Dachrinne bis zum Giebel abgedeckt. Es schaute seltsam aus: im Hof lagen - ordentlich zusammen gerollt - einige Rollen Furalblech der Dachdeckung. Dachkonstruktion: Furalblech (damit sind relativ flache Dachneigungen möglich). Das sind wellig geformte Aluminiumbahnen, welche in Rollen zu 20 m Länge und 1 m Breite als Material verfügbar sind. Diese Bahnen werden dann in die auf der Dachholzkonstruktion speziell für Furaldeckung angebrachten Einhängungen eingerollt. Von unten beginnend, die erste Bahn bei der Dachrinne, die nächste mit Überlappung darüber, bis hinauf zum First. Die fertige Deckung ist auch sturmsicher - sie kann nicht herunter gerissen werden. Jedoch ist es besonders wichtig, daß speziell Anfang und Ende der Bahnen sturmsicher befestigt sind. Mechanische Festigkeit: Diese Deckung ist für eine Begehung ungeeignet. Das Metall ist relativ dünn und wenn man unvorsichtig drauf steigt, knickten die gewellten Bereiche ein und verlieren punktuell den Halt mit den Einhängungen. Es gab besondere Stellen, an denen das Blech nicht beschädigt werden konnte; dabei musste man beim Gehen aber eine besondere Fußstellung einnehmen. Oftmals waren wir aber am Dach um verstopfte Dachrinnenkörbe zu reinigen. Dazu gab es einen kleinen Ausgang (ein Schlupftürchen am Aufzugsaufbau) am nordseitigen Hallenende. In diesem Bereich war das Blech immer sehr verbeult und die Schlosser hatten da oft nachzuarbeiten. Schadensablauf: Der Sturm hatte eine Blechbahn am Anfang herausbekommen und so rollte sich die ganze Bahn zusammen und fiel in den Hof hinuter. Dadurch hatte die nächste Bahn auch keinen Halt mehr. Schließlich war dann der ganze 20 m lange Bereich unten in der Wiese, ordentlich zusammen gerollt, jeweils einzelne Rollen. Die Reparatur: Zuerst wurde eine Blindschalung genagelt und darüber dann wieder die Furalblechbahnen, welche noch brauchbar waren; den Rest aus neuen Bahnen. Leider standen die Nägel der Blindschalung ins Dach hinein. Hier - in der Halle 3, die Optik - waren viele Absaugventilatoren und die Staubsauger der Vergütungsabteilung montiert und bei denen war oft was zu machen (Keilriemen tauschen, Staubsäcke leeren, etc.). So kam es immer wieder vor, daß man sich beim Kraxeln in dem engen Dachraum den Rücken aufgerissen hat; glücklicher Weise kam es zu keinen Kopfverletzungen. Wir haben zwar die Nägel umgebogen, aber es gab immer wieder welche, die wir übersehen hatten.
Geschrieben von Helmut Wagner am 03 Aug. 2020 21:56

61 - Leuchtstofflampentausch in der Halle 1 OG (Kameramontage) / 1975
In dieser Halle wurden die Leuchtstofflampen auf eine spezielle Ausführung getauscht. Die Röhren schauten so aus: sie hatten über die Länge eine Art Gewinde mit 45 Grad Steigung, welche eine nichtlineare Lichtabstrahlung hatten. Außerdem war die Lichtfarbe besonders weiß, fast schon ins bläuliche gehend. In dieser Halle befanden sich ca. 430 Lampen (TL 40 W / 20). Die ausgetauschten wurden anderswo im Werk verwendet.
Geschrieben von Helmut Wagner am 01 Aug. 2020 23:45

60 - Raucherlungentest / 1975
Es wurde herumgerätselt, ob das Rauchen einer Zigarette die körperliche Leistung verschlechtert. Dazu machten wir einen Test im Zuge unserer Arbeiten im unterirdischen Kabelkanal zum Hochhaus. Der Gang war zwei Meter hoch und drei Meter breit. In der Mitte befand sich eine Rohrtrasse, so daß man an beiden Seiten genug Platz zum Gehen hatte. Auf einer geraden Länge - ca. 70 Meter entfernt - stellten wir jeweils eine volle, offene Cola Flasche hin. Beim Startpunkt musste einer der beiden Raucher eine Zigarette möglichst schnell bis zu Filter herunter rauchen. Danach beide zur Cola Flasche laufen, diese halb austrinken und wieder zurück laufen. Die Zeit wurde genommen. Dann war der andere mit der Zigarette dran - wieder laufen, die Flasche leeren und zurück. Alle Zeiten wurden gestoppt und ausgewertet. Wer gewonnen hat, weiß ich nicht mehr.
Geschrieben von Helmut Wagner am 30 Jul 2020 22:41

59 - Arme Amsel / 1975
Vor der Elektrowerkstatt war eine Wiese. Immer wieder waren dort Vögel und suchten nach Würmern. Eines Tages saß in der Wiese eine Amsel. Ich nahm ein Gummiringerl und ein kurzes Stück Draht (zu einem U-Hakerl geformt) und schoss auf die Amsel. Ich konnte nicht glauben, daß ich sie getroffen hatte. In diesem Moment sagte eine Stimme im TD Büro nebenan: "Schau, hast das gesehen ? die Amsel ist plötzlich umgefallen." Ich hatte Angst, daß der Draht, mit dem ich die Amsel getroffen hatte, gefunden würde, denn es konnte sonst niemand in Frage kommen. Das mit der Amsel tut mir heute noch leid, wenn ich daran denke.
Geschrieben von Helmut Wagner am 28 Jul 2020 21:35

58 - Hallenbereichssanierung / Sommer 1975
Immer wieder wurden Teile von Produktionshallen saniert. Dazu wurde zuerst ein Bereich von ca. 15 m in einen anderen Hallenbereich übersiedelt, dass dieser Bereich ganz leer war. Anschließend alle Deckenlampen demontieren (Elektriker), Staubschutzwände aufstellen (Tischler), Fußboden mit Packpapier auslegen, Fenstergläser - wenn erforderlich - austauschen und alles ausmalen (Maler), neue Elektroinstallation und Wiedermontage der zuvor von den Putzfrauen gereinigten Lampen (Elektriker), Parkettfußboden schleifen und versiegeln (Tischler). Nach Demontage der Staubschutzwände wurde der sanierte Bereich wieder eingerichtet.

Bei diesen Arbeiten gab es auch Neckereien zwischen den beteiligten Arbeitsgruppen, wie z. B. Elektriker und Tischler vs. Maler: Der Maler betupfte den Griff des Werkzeugwagens der Elektriker - wenn wir nicht vor Ort waren - an der Unterseite mit Dispersionsfarbe, so daß wir die Hände dann voll Farbe hatten. Der Tischler klopfte mit einem Holzbrett auf den Farbkübel, als der Maler auf der Leiter die Decke strich, genau in diesem Bereich, wo im Kübel innen die Farbe war. Das bewirkte, daß die Farbe mit einem dünnen Strahl auf dem Maler einen dünnen Farbstrich vom Kopf bis zum Schritt hinterlies. Der Maler wiederum spritzte mit der Farbbürste etwas Farbe nach dem Tischler. Wenn der Maler kurze Zeit weg war, wurde sein Pinsel mit einem kleinen Nagel oben an die Staubschutzwand im Umbaubereich angenagelt. Als der Maler zurückkam und seinen Pinsel nicht fand, schaute er kurz in die Runde der anderen Arbeiter, traute sich aber nicht nach dem Pinsel zu fragen. Er holte sich einen neuen. So ging es jedes Mal, wenn er weg war. Die Pinsel oben an der Wand vermehrten sich, je länger der Arbeitstag dauerte. Dem Maler fiel es nicht auf. Lediglich der Malerchef fragte den Maler am nächsten Tag, was es mit den verschieden bunt benutzten Pinseln an der Staubschutzwand auf sich hat.

Bei einem Umbau in der Halle 10 begegneten sich am Gang zwei Maler und ein Tischler. Die Maler trugen einen 5 m langen Pfosten. Beim Vorbeigehen rief der hintere plötzlich: Jetzt! Die Maler drückten mit dem Pfosten den Tischler an die Wand. Dieser konnte sich anfangs nicht befreien und auch nicht auf die Maler einschlagen, da er in der Mitte des Pfostens war. Es gelang ihm aber schließlich, den Pfosten so weit durchzubiegen, daß er ihn mit dem Fuß wegdrücken konnte. Dadurch wurden beide Maler an die gegenüberliegende Wand geschleudert. Die vorbeikommenden Zuschauer - wie auch die drei Akteure - haben sich vor Lachen gebogen. Alle solche Ereignissen waren stets lustig und ohne Schaden abgelaufen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 26 Jul 2020 22:01

57 - Arbeiten in beengter Lage / 1975
In der Halle 3 OG gab es eine automatische Linsenreinigungsanlage mit 12 Stationen: zwei mal BPAD (Butyldiglykol, Perchloräthylen, Aceton, Dichlormethan), Seifenwasser, Waschwasser, drei mal dewatering mit Öl, zwei mal Entölung mit Perchloräthylen kalt, zwei mal Entölung mit Perchloräthylen heiß und zum Schluß in dessen heißen Dampf (in dessen Abdampfzone). Die Anlage war ringförmig aufgestellt und die einzelnen Wannen enthielten unterschiedliche Reinigungsflüssigkeiten, waren tw. beheizt und / oder gekühlt, sowie auch einige mit Ultraschallschwingern - zwecks besserer Reinigungswirkung - im Inneren ausgestattet. Ausgeschaut hat die Anlage wie eine Krake mit 12 Armen. An diesen Armen waren die Aufhängungen für die zu reinigenden Linsen befestigt. Das Ganze wurde hydraulisch - mechanisch gehoben und gesenkt, jeweils in gehobener Position um 1/12 weiter gedreht und in der gesenkten Position - wenn die Linsen in den jeweiligen Reinigungsflüssigkeiten waren - auf und ab bewegt. Einige der Arme fuhren früher hoch (Voreiler) zum Abtropfen oder zum Trocknen; die erste Station (Nacheiler) wurde nach dem Entladen / Beladen manuell gestartet. Wenn der Startknopf nicht gedrückt wurde, verharrte die Anlage in dieser Position (z.b. in den Pausen). Im Inneren (hinter den Waschwannen) war die Hydraulik und die Mechanik mit den Motoren und den vielen Endschaltern, sowie die Luftabsaugrohre, untergebracht. Unter den beheizten Wannen auch die Elektroheizplatten. Immer wieder war dort etwas zu tauschen. Für normale ausgewachsene Menschen fast unzugängig, kraxelte ich - manchmal von oben, manchmal unter den Waschwannen - wo halt mehr Platz war - zu den einzelnen Reparaturpunkten. Es war wirklich sehr eng, schmutzig, heiß und laut. Wenn ich daran denke, bekomme ich noch heute Platzangst. Damals machte es mir nichts aus, ich freute mich auf solche Einsätze und meine Vorgesetzten, dass es jemanden gab, der das so machen konnte, ohne die halbe Anlage zerlegen zu müssen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 24 Jul 2020 20:31

56 - Elektroverteilerrahmen am Gang unter Spannung, Rückstrom / 1975
Berger hatte immer Blödeleien auf Lager. Eines Tages arbeitete er mit einem Gesellen am offenen Elektroverteiler der Halle 3 im EG. Hier kamen immer wieder viele Leute vorbei. Berger nahm seinen Phasentester - Elektroschraubendreher, hielt ihn an den Metallrahmen der Verteilertüre und weil dieser leuchtete, sagte er zu seinem Kollegen: Schau, der ganze Rahmen steht unter Strom! Der Geselle sah das und schickte uns Lehrlinge zum Meister; der soll sofort den Gang in diesem Bereich absperren. Als dieser kam, prüfte er die Verteilertüre - aber alles in Ordnung. Was war da los? Berger hatte unbemerkt (aber absichtlich) mit einem Finger der anderen Hand auf die Stromschiene gegriffen, stand somit unter Strom und als er mit dem Phasentester an die Verteilertüre tippte, leuchtete dieser natürlich auf.

Eines Tages war der Schalter für das Stiegenhauslicht zu tauschen. Wir haben die so im Verteiler beschriftete Sicherung abgehoben, aber das Licht brannte weiter. Nun die wieder hinein; im Verteiler vom Obergeschoß gab es auch so eine beschriftete. Das brachte auch nichts, denn das Licht ging nicht aus. Was ist da los, ist das alles falsch beschriftet, fragten wir den Meister. Er sagte, als er sich das anhörte: Denkt nach, es gibt eine logische Erklärung. Nach einer kurzen Denkpause gab er den Tipp: Entweder KEINE der Sicherungen ist zuständig, oder BEIDE gleichzeitig. Das war des Rätsels Lösung. Durch einen Verdrahtungsfehler in den Verbindungsdosen war der Strom vom Verteiler im Obergeschoß wie auch vom Erdgeschoß an das Ganglicht für die Zuleitung angeschlossen gewesen. Auch in anderen Verteilern haben wir das dann überprüft und wurden auch fündig. Wir haben uns schon öfter gefragt, warum dort die Sicherung vom Ganglicht durchgebrannt war, das Licht aber funktionierte. Manche Kollegen sagten dazu nur: Repariere nie eine funktionierende Maschine. Weil wir jetzt wussten, was Sache war, konnten wir es sachgerecht umklemmen und beschriften.
Geschrieben von Helmut Wagner am 22 Jul 2020 21:27

55 - Probeschuß / Ende 1975
Kollege Berger hatte eines Tages einen Revolver mit und sagte zu uns Lehrlingen: "Jetzt machen wir einen Probeschuß." Dazu gingen wir hinter die Halle 10; angrenzend war ein freies Feld, auf dem sehr viele schwarze Raben waren. Da uns niemand sehen sollte, duckten wir uns nahe der Hallenwand unter der Fensterfront entlang. An geeigneter Stelle zwischen zwei Fenstergruppen lud Berger eine Patrone in die Trommel, spannte den Hahn, zielte auf die Rabengruppe und drückte ab. Aber außer einem leisen Klicken war nichts geschehen. Er hatte die Trommel mit der einen Patrone nicht richtig eingeschwenkt; die Patrone war beim Abdrücken nicht vor dem Lauf. Das korrigierte er. Wieder Hahn spannen, zielen und abdrücken. Ein sehr lauter Knall, eine Pulverwolke, in den Ohren tat es weh und die Erde im Bereich der Raben staubte in die Höhe. Alle Raben flogen kreischend davon; lediglich einer kam nur schwer in die Luft und setzte sich auf einen nahen Betonpfeiler; er dürfte von der aufgewirbelten Erde etwas abbekommen haben. Unsere Ohren dröhnten, aber trotzdem konnten wir hören, wie einige Fenster der Halle gekippt worden waren und eine Stimme sagte: "Da draußen hat wer geschossen - habt ihr was gesehen?" Wir drückten uns auf den Boden und kraxelten weg. Berger sagte später nur: "so geht das."
Geschrieben von Helmut Wagner am 20 Jul 2020 21:31

54 - Zirkusreife Einlage / 1975
Eines Tages hatten die Elektriker ein Kabel durch die ganze Halle 10 zu verlegen. Der Weg führte auch über die Kabeltasse ganz oben in der Mitte der Halle. Kollege Berger war recht sportlich und schwindelfrei, nahm das Kabelende und kraxelte in der Kabeltasse damit durch die Halle. Das war in einer Höhe von ca. 7 Meter. Von dort oben konnten ihn alle in der Halle sehen, deren Abteilungen keine Zwischendecke hatte. So auch die Näherei. Viele der dort arbeiteten Frauen kannten Berger, da dieser oft bei ihnen tratschen war. Nun machte er sich einen Spaß und rief einige der Frauen beim Namen. Einige der benannten schämten sich, weil sie dadurch auch etwas in den Mittelpunkt der Ereignisse gezogen wurden. Alle in der Näherei machten sich Sorgen, daß er runterfallen könnte. Das nutzte er aus und tat so, als ob er abrutschen würde. Das machte er auch, so daß er dann mit beiden Händen an den Rohren neben der Kabeltasse herunter hing. Die Frauen hatten Angst. Er steigerte das noch, indem er rief: "ich kann mich nicht mehr lange halten", dabei lies er eine Hand aus, hing nur mehr mit einer Hand auf dem Rohr und zappelte mit den Beinen. Die Frauen kreischten. Als der Abteilungsleiter kam und zu Berger rief ob er blöd sei, zog sich dieser wieder hinauf in die Kabeltasse und arbeitete ganz normal weiter, als ob nichts geschehen war.
Geschrieben von Helmut Wagner am 18 Jul 2020 21:08

53 - Betriebsleiter Leth und Sekretärin Wichtig / 1975
Eines Tages, kurz nach 14 Uhr der Auftrag, im Büro vom Betriebsleiter Leth im Nordtrakt OG eine Steckdose erneuern. Wir sollten uns das anschauen gehen, aber es erst in der Nachtschicht machen. Als wir hingingen wurden wir von der Sekretärin abgefangen; sie wollte wissen, was wir vorhatten. Sie redete hin, und fragte her, und wusste nicht recht, was sie sagen konnte, daß wir wieder weg gingen. Das hörte der Betriebsleiter, kam heraus und fragte, was los ist. Die Sekretärin begann zu erklären, aber Leth sagte, die Elektriker können doch selbst sagen, was sie wollen. Wir sagten ihm unseren Auftrag. Er darauf, ihr könnt das jederzeit machen, auch jetzt gleich, ich mache einen Werksrundgang. Die Sekretärin war ärgerlich, weil sie nicht ihren Willen durchsetzen konnte.
Geschrieben von Helmut Wagner am 16 Jul 2020 20:20

52 - Karateübungen / 1975
In jener Zeit war die Serie Kung Fu im TV aktuell. Die Lehrlinge übten daran, im Keller lagernde Fliesen mit einem Handkantenschlag zu trennen. Dazu hielt einer die Fliese, der andere schlug zu. Je schneller man das machte, umso weniger tat es weh. Bei mir war es leider so, dass der Kollege die Fliese beim Schlag nicht auseinander zog, sondern die Bruchhälften zusammen drückte. Das bewirkte bei mir eine Schnittwunde durch die scharfe Bruchkante. Dieser Blödmann war es auch, der bei einem anderen Kollegen - genau in dem Moment des Zuschlagens - die Fliese hochkant drehte. Ein Durchschlag war somit nicht möglich, große Schmerzen und ein blauer Fleck unausweichlich.
Geschrieben von Helmut Wagner am 14 Jul 2020 23:25

51 - Aufwärmbereiche / Winter 1975
Wenn uns während Arbeiten im Freien - damals war es im Winter oft recht kalt - besonders kalt war, haben wir uns im Maschinenhaus aufgewärmt. Dazu gingen wir ins Heizhaus zum Kessel 2. Dieser wurde mit Öl beheizt und hatte eine hohe Abgastemperatur (ca. 180 Grad). Hinter dem Kessel führten die Rauchgase in einem recht breiten, unisolierten Blechschacht in den Fußboden, unterirdisch, dann nach außen in den frei stehenden Kamin. Im Bereich hinter dem Kessel war alles sehr warm: die große Kesselwand mit fast 100 Grad, oben und auf der anderen Seite der Kesselwand der heiße Blechschacht und unten der ziemlich warme, fast heiße, Beton. Man konnte sich dort jederzeit schnell aufwärmen. In diesem Bereich konnte man stehen und auch sitzen; es hatten bis zu 4 Leute gleichzeitig genügend Platz. Auch im Werk selbst gab es Aufwärmplätze für Eingeweihte, und zwar in den großen Klimaanlagen der Hallen im Keller hinter den Heizregistern. Dazu stellten wir bei Bedarf die Heizventile auf "AUF", und stellten uns in den starken Luftstrom der Ventilatoren. In nur wenigen Minuten waren wir aufgewärmt, wie bei einem Saunaaufenthalt.
Geschrieben von Helmut Wagner am 12 Jul 2020 23:02

50 - Elektrikerblödeleien / Winter 1975
Bei Vormontagearbeiten von Elektroinstallationsbrettern in der Elektrowerkstatt wurde zum Verzinnen der flexiblen Drahtenden ein Lötkolben verwendet. Der wurde auch für andere Reparaturen gebraucht und war somit den ganzen Tag betriebsbereit angesteckt. Für die Montagearbeiten waren auch div. Schrauben benötigt, welche in flachen Blechdosen herumstanden. Die Lehrlinge machten sich einen Spaß: wenn einer aufs Klo ging, wurde der Lötkolben in die Schraubendose gesteckt, um die Schrauben anzuwärmen. Kurz bevor der Kollege zurück kam, wurde der Lötkolben wieder herausgenommen und so getan, als ob nichts wäre. Wenn nun der Unwissende eine neue Schraube griff, verbrannte er sich damit. Aber sicher nur 1 x in seinem ganzen Berufsleben. Für die elektrische Messung des Isolationswiderstandes ist ein Messgerät mit hoher Ausgangsprüfspannung erforderlich. Dazu wurde ein Kurbelinduktor verwendet. Das ist ein kleiner Kasten, in dem ein kleiner Generator über ein Getriebe mit einer Kurbel betrieben wurde. Je schneller man drehte, umso höher war die Ausgangsspannung, welche bis zu einigen 100 Volt betrug, dessen Strom aber sehr gering war. Nun machten sich einige Elektriker den Spaß: einer nahm in jede Hand einen der Anschlüsse, der andere drehte an der Kurbel. Gewonnen hat derjenige, welcher die höchste Spannung ausgehalten hat, ohne die Drähte los zu lassen. In späteren Jahren war dieses Messgerät erheblich kleiner, Batteriebetrieben und lieferte im Leerlauf bis zu 700 Volt Gleichspannung. Für eine spezielle Anlage - den HF Generator - gab es Ersatzkondensatoren für den Hochfrequenzkreis mit 5000 Volt, aber geringer Kapazität. Sie hatten die Abmessung einer größeren Zündholzschachtel. Nun der Greiftest für Unbedarfte: Eingeweihte luden einige der Kondensatoren mit maximaler Spannung auf, nach einiger Zeit wurde deren Spannung gemessen und die beiden mit fast identer Ladespannung so nebeneinader gestellt, daß sich deren Spannung aufhob. Jetzt wurde eine Testperson zugezogen. Ihr wurde gezeigt, daß man beide Kondensatoren gleichzeitig an den Anschlüssen zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen kann, ohne sich zu elektrisieren. Nun wurden die Kondensatoren auf den Tisch geworfen und sie lagen irgendwie da. Die Testperson sollte Tapferkeit beweisen und auch die Kondensatoren nehmen. Zur Vorsicht nahm jeder, der das noch nicht kannte, nur einen der beiden Kondensatoren in die Hand, zuerst am Plastikgehäuse, dann an den Anschlüssen. Jetzt entlud sich der Kondensator und der Proband verstand nicht, warum er einen Stromschlag bekam.
Geschrieben von Helmut Wagner am 10 Jul 2020 22:27

49 - Installateurblödeleien / Sommer 1975
Neckerei unter Kollegen - mitwirkende Gruppen: Installateur, Schlosser, Tischler und Maler. Als Zaungäste einige der übrigen Arbeiter.
Vorgeschichte: Der Installateur (Sepper) hatte den Auftrag, in eine neue Waschwanne für die Linsenreinigung Löcher für eine Wasserarmatur zu machen. Sein Arbeitsplatz war im Freien auf dem Betonvorplatz der Schlosserei. Als Sepper damit fertig war, ging er aufs Klo. Schlagartig begab sich eine vorher abgesprochene Gruppe ans Werk: Schlosser verlängerten zwei der Standfüße der Waschwanne um einige Zentimeter mit kurzen, vorgefertigten Formrohren, Tischler stoppelten die kurzen Formrohre mit vorgefertigten Holzzapfen zusammen und die Maler bestrichen die Teile mit derselben Farbe wie die übrige Konstruktion, so daß man auch bei genauem Hinschauen nichts erkennen konnte. Sepper kam vom Klo zurück und der Schlossermeister (Karlovaz) sagte zu ihm: die Löcher, welche du in die Waschwanne gemacht hast, sind ganz schief, das sehe ich von hier aus, selbst durch die dreckigen Werkstattfenster. Sepper konnte es nicht glauben und kontrollierte mit der Wasserwaage, er sah, daß die Löcher in unterschiedlicher Höhe waren und erweiterte die Öffnungen mit einer Feile, so daß es passte. Danach ging er wieder aufs Klo. Erneut wurde ans Werk gegangen: nun die Erhöhungen von der einen auf die andere Seite und die Farbe ausbessern. Sepper kam zurück und wurde wieder mit seinen unterschiedlich hohen Löchern konfrontiert. Wieder hat er nachgemessen und nachgefeilt - die Löcher waren nun erheblich größer als erforderlich. Der Chef sagte, daß die Löcher nur für die Durchführung von 1/2 Zoll Rohren dienen sollten aber nicht zum Durchgreifen.

An einem anderen Tag hatte er die Aufgabe, eine Kupferschlange mit vielen Windungen für eine Wannenkühlung (Frischwasserkühlung) zu fertigen. Er wickelte einen Bund Kupferrohr (D 10 mm) um einen geeigneten Baum auf der Wiese vor der Schlosserei. Als er dann genügend Windungen hatte, fragte ihn der Schlossermeister: wie kriegst du das von dem Baum runter? muß den jetzt die Hofpartie für dich fällen, oder wickelst du wieder alles ab. Der Installateur schaute nachdenklich und sagte: so a Schas.

Bei einer umfangreichen 6/4 Zoll Preßluftversorgungsleitung in der Halle 2 waren viele unterschiedlich lange Rohrleitungen zwischen den Tischreihen erforderlich. Für diese Arbeiten schickte er seinen Helfer zur Schlosserei. Er sagte ihm die genaue Rohrlänge, welche er abzuschneiden hatte und gab ihm auch den Auftrag, an jedes Ende des Rohres ein Gewinde zu schneiden. Zum Gewindeschneiden gab es nur eine Maschine mit Handkurbel, was kräftiges Drehen erforderte. Nach einigen mühevollen Stunden hat der Helfer das Material in die Halle zum Montieren gebracht. Sepper hatte inzwischen die Rohrschellen montiert. Im Zuge der Rohrleitungsmontage stellte sich heraus, dass die Abgänge der T-Stücke nicht bei den erforderlichen Maßen waren. Er hatte vergessen, die Länge der T-Stücke von den Rohrlängen abzurechnen. So mussten alle Rohre wieder in die Werkstatt gebracht, gekürzt und neue Gewinde geschnitten werden.
Geschrieben von Helmut Wagner am 08 Jul 2020 22:16

48 - Filmvorführungen / Sommer 1975
Die im Werk produzierten Projektoren durchliefen in der Produktionslinie auch die Station Einlauftisch. Das war ein runder, drehbarer Tisch mit mehreren Sektoren, wo die fast fertigen Projektoren mit einem Endlosfilmstreifen, auf dem nichts war, mehrere Minuten in Vollbetrieb waren, bevor sie zur nächsten Station kamen. Gelegentlich waren an anderen Orten Projektoren in Betrieb, welche lange Micky Maus Filme abspielten (Langzeitbetriebskontrollen?) und diese auf eine kleine weiße Fläche projizierten. In der Nähe dort zu arbeiten machte uns Freude.

Es gab aber auch noch andere Orte, wo spezielles, nicht jugendfreies Programm ablief; so in den div. Dunkelkammern im Werk. Während einer Mittagspause wurde ich zu so einer Vorführung mitgenommen. Immer wieder gab es Männer, die dort waren. An diesem Tag eine Gruppe vom technischen Dienst. Vorgeführt wurden die Filme von Frauen aus der Produktion, welche sonst auch im Nahbereich der Dunkelkammer arbeiteten und sich gut auskannten, wann günstige Vorführtermine ungestört abgehalten werden konnten.
Geschrieben von Helmut Wagner am 06 Jul 2020 23:33

47 - Die HF Generatoren in der Kitterei / 1975
Sinn und Funktion: Zur Bearbeitung der Glaslinsen waren mehrere dieser auf einem pilzförmig-rundem Metallkörper aufgeklebt. Diese Befestigungsmasse war in kaltem Zustand ganz hart und wurde durch Erwärmung plastisch weich, bis zähflüssig. Dazu musste der ganze Teil (Metallkörper und Linsen) gleichmäßig erwärmt werden. Das wurde anfangs mit Bunsenbrennern gemacht, was aber recht zeit,- und platzaufwendig war. In der Kitterei wurden im Akkord sehr viele Linsen bearbeitet. Zuerst aufkitten, (neue Linsen befestigen) nach Bearbeitung der ersten Fläche umkitten, (umdrehen) und nach Bearbeitung der zweiten Fläche abkitten. (fertige Linsen abnehmen). Der sogenannte HF - Ofen machte das Erhitzen des Körpers automatisch in Sekundenschnelle.

Das Prinzip: hochfrequente (800 kHz) Wirbelstrominduktion im Metallkörper. Es gab einen mit 3 kW und einen mit 8 kW Leistung. Dazu wurde der Körper auf einen Stempel gestellt, welcher nach Betätigung eines Fußtasters nach oben in eine wassergekühlte Induktionsspule fuhr, und sich drehte. Hochfrequenz Ein, und schon nach wenigen Sekunden konnte man an der Rauchbildung des Kittes sehen, wie schnell das ging. Automatisch nach voreingestellter Zeit schaltete die Hochfrequenz ab, der Stempel fuhr nach unten, die Kittfrau tauschte die Körper und startete den Ofen erneut. In der Zwischenzeit wurden die Linsen umgekittet.

Technik: Da es zu dieser Zeit noch keine geeignete Leistungselektronik gab, wurde die benötigte Hochspannung (Drehstrom 4,5 kV) mit Quecksilberdampfgleichrichterröhren gleich gerichtet. Eine wassergekühlte Senderöhre (sie glühte im Inneren sehr hell) führte dann die Hochfrequenz über einen Regeltrafo dem Schwingkreis zu. Diese Röhre war sehr teuer (damals 54.000 Schilling). Röhrenstörungen: Gelegentlich war sie kaputt und musste getauscht werden. Ich wurde dazu beauftragt und war immer aufgeregt, dass sie nicht kaputt geht - sie war teilweise aus Glas. Oftmals war sie kaputt gegangen, weil die Wasserkühlung ausfiel, sich die Gummidichtung überhitzte, Wasser dann auf den heißen Glaskolben kam und dieser sprang. Der Ofen war so groß wie ein Kasten und die Verkleidung bestand aus dicken Eisenplatten, welche mit vielen großen Schrauben befestigt waren. Bei jeder kleinen Arbeit musste alles mühsam aufgeschraubt werden. Auch die Quecksilberdampfgleichrichterröhren hatten begrenzte Lebensdauer und mussten periodisch getauscht werden. Mit der Zeit verloren sie an Leistung. Neue Röhren brauchten einige Stunden zum Formieren. Dazu wurde ein übergroßer Eisenklotz in die Schwingspule gestellt und die Anlage im Dauerbetrieb - anfangs mit geringer, dann stufenweise mit höherer Leistung - bis zur Höchstlast gefahren. An einer Anzeige konnte man dazu die Leistung in kW ablesen. Der Eisenkörper begann zu rauchen und glühte bald ziemlich hell.

Kondensatorstörungen: Im Nahbereich der Schwingspule für die Körper waren einige Elektrokondensatoren notwendig. Wegen der funktionsbedingten Hitzeentwicklung waren die Kondensatoren zwischen zwei wassergekühlten Kupferplatten, wobei Schrauben die Metallplatten an die Kondensatoren zogen. Bei Kondensatordefekten wurden anfangs nur die Kaputten getauscht. Produktionsbedingt hatten sie nicht exakt dieselbe Bauhöhe, was bewirkte, dass die Dünneren beim Montieren etwas auf Ziehspannung waren. Im Laufe der Zeit bekam die Isolierung Haarrisse, gefolgt von Schwitzwassereintritt und dann fallweise auch zu spektakulären Kurzschlüssen mit Austritt eines kräftigen Feuerstrahles (ähnlich mit einem Lichtbogen beim Schweißen). Manchmal gab es einen lauten Knall und einige Plastikteile der Isolierung flogen durch die Gegend. Die Kittfrauen waren das alles gewohnt, drückten den Notknopf und verständigten den Abteilungsleiter. Zwischenzeitig musste mit den Bunsenbrennern gearbeitet werden, da ging natürlich nichts weiter und rasche Reparatur war nötig.

Finger verbrannt: Eines Tages war ein neuer Vorarbeiter in der Abteilung. Er war fasziniert von der Anlage. Anlässlich einer abgeschlossenen Reparatur beobachtete er die Kittfrau bei der Arbeit und wollte noch mehr Durchsatz der Anlage haben. Plötzlich griff er mit den Worten: Wird das da nicht auch heiß? auf die im Betrieb befindliche Schwingspule um den Körper. Bevor er noch ausgeredet hatte, zuckte er mit der Hand zurück und hatte am Zeigefinger eine dicke Brandblase. Die Kittfrau sagte, das ist ein Trottel. Jeder in der Abteilung weiß, daß man dort nie hingreifen darf, wenn die Anlage in Betrieb ist. Das soll ihm jetzt eine Lehre sein.
Geschrieben von Helmut Wagner am 04 Jul 2020 22:42

46 - Unterschiedliche Leuchtstofflampenlängen / 1975
In den Produktionshallen gab es für die Beleuchtung an der Decke aneinander gereihte Leuchtstofflampenbalken. In der Halle 1 waren es auf jeder Hallenseite 4 Reihen, in der Halle 2 davon 3 Reihen und in der Halle 3 nur 2 Reihen; überall aber ausreichendes Licht, je nach den Erfordernissen der dort verrichteten Arbeiten.
Zwischenbemerkung: da die Leuchten ohne Abstand aneinander gereiht waren und sich die Röhren bei Betrieb erwärmten (länger wurden) übten sie einen nicht unerheblichen Druck gegenseitig aus. An sich kein Problem, aber beim Tausch einer Röhre konnte man oft die neue nicht in die Fassung einsetzen, weil der Abstand zu gering war. Man musste in diesem Fall das Lichtband in diesem Bereich einige Minuten abschalten, wodurch sich die Röhren abkühlten, wieder kürzer wurden und dadurch Platz für die neue freigaben.
Nicht alle Hallen waren durchgehend offen (sie hatten eine Länge von 65 Meter); manche Bereiche wurden durch Zwischenwände getrennt. Hier mussten die entsprechenden Leuchten demontiert werden, daß die Wand bis zur Decke aufgebaut werden konnte. Danach galt es, den verbliebenen Bereich wieder mit Leuchten zu füllen. Dazu wurden solche mit entsprechenden Längen verwendet. An sich wusste man, welche Lampenlänge in welcher Halle verwendet wurde (diese nahm man gleich zum Lampentausch mit), aber bei den wenigen Sonderlängen musste man dann extra ins Lager gehen, solche zu holen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 02 Jul 2020 19:21

45 - Filmbespurungsanlage / 1975
Dieses Gerät stand in der Halle 9, der Servicehalle für Kundengeräte und wurde dazu verwendet, um auf von Kunden gebrachten, fertigen Filmen eine Tonspur aufzubringen. Dieser Vorgang dauerte je nach Filmlänge unterschiedlich, durfte aber während der Aufklebung der Tonspur nicht unterbrochen werden.
Eines Tages arbeitete ich in der Abteilung und bei meinen Arbeiten gab es einen Kurzschluß, die Bespurungsmaschine fiel aus. Nun konnte ich mir von den Arbeitern dort was anhören, denn diesen Schaden am Film zu beheben, war aufwendig. Auch weil die Kunden - welche den Film zur Bespurung brachten - keine Filmbeschädigung bemerken durften.
Geschrieben von Helmut Wagner am 30 Jun 2020 21:36

44 - Spiegelvergütungsmaschine / 1975
Für die neue Projektorengeneration R2000 und R3000, Filmbetrachtung bei Tageslicht möglich, da eingebauter Bildschirm, waren im Inneren zwei trapezförmige Spiegel erforderlich. Diese Spiegel mussten aber eine besondere Eigenschaft haben: es musste die Oberfläche spiegeln, nicht der Hintergrund. Schaut man in einen normalen Spiegel, erkennt man sich selbst, weil man ja direkt davor steht; Lichteinfall fast senkrecht. Bei schrägem Blickwinkel ist offensichtlich auch kein Unterschied feststellbar. Aus kurzer Distanz und schrägem Blickwinkel und wenn man z.B. etwas an das Glas hält, sieht man zwei Spiegelbilder: ein deutliches von der Glasrückwand (der Spiegelfläche) und ein weiteres von der Glasoberfläche; auch sichtbar die Dicke des Glases. Für eine optische Projektion ist so ein Spiegel ungeeignet, da ja zwei versetzte Bilder weiter projiziert werden. Das Licht muß dabei auch zwei mal das Glas durchdringen. Bildschärfe und Helligkeit leiden. Somit ist ein spezieller Spiegel erforderlich, welcher an der Oberfläche spiegelt.
Diese Spiegel wurden im Werk hergestellt: die in erforderliche Stücke zugeschnitten Glasplatten in einer speziellen Maschine unter Hochvakuum mit einer perfekt reflektierenden Oberfläche versehen. Ein eigener Raum in der Halle 10 wurde geschaffen und darin die in Einzelteile zerlegt angelieferte Maschine wieder aufgebaut. Es war ein sehr altes italienisches Fabrikat mit dem klingenden Namen Ramazotti.
Wir Elektriker hatten unsere Mühe damit, denn der Schaltplan bestand aus mit vergilbtem Tixo zusammen geklebten, teilweise zerrissenen Seiten, auf dem offensichtlich seit Jahren immer wieder Änderungen eingetragen wurden. Prinzipiell kannten wir die Funktion, denn es waren mehrere funktionsgleiche Anlagen im Betrieb. Diese - Schweizer Fabrikat Balzers - waren für die Linsenvergütung im Einsatz.
Schließlich war alles einsatzbereit. Nach einigen funktionellen Startproblemen und Prozessoptimierungen verließen die ersten Spiegel die Anlage. In den Tagen danach wurden im Schichtbetrieb viele Spiegel hergestellt.
Geschrieben von Helmut Wagner am 28 Jun 2020 22:27

43 - Mittagpause / Sommer 1975
Für die Mitarbeiter wurde in der Werksküche täglich frisch gekocht. Abwechslungsreich war das Speisenangebot. Auch billig, denn der aktuelle Preis für eine Wochenkarte betrug lediglich 32 Schilling 50 Groschen. Für die Lehrlinge wurden die Kosten dafür vom Betriebsrat übernommen. Diese Wochenkarte hatte auch einen lenkenden Effekt: einerseits wusste die Küche, wie viel nächste Woche zu kochen ist, andererseits kamen die Leute auch zum Essen, denn sie hatten ja dafür bezahlt. Für Leute, welche das nicht in Anspruch nahmen - viele brachten Essen in einem Menagereindl mit - waren im Speisesaal mehrere Aufwärmöfen aufgestellt. Hier konnte man sein Reindl reinstellen. Zu unterschiedlichen Zeiten - aber rechtzeitig für die jeweilige Pause - wurden diese Öfen dann angeheizt.

Arbeitszeiten und Pausen waren minutengenau, über eine Zentraluhr am ganzen Werksgelände und in den Hallen durch Glockensignal hörbar, gesteuert. Zum Mittagessen strömte plötzlich eine größerer Menschenmasse in den Speisesaal. Um dem etwas zu entgehen, gingen wir Lehrlinge oft einige Minuten früher in den Speisesaal. Das wurde meistens toleriert, aber von einigen Gesellen nicht gern gesehen. Zumal gab es unter den verschiedenen Berufsgruppen eine gewisse Zusammengehörigkeit. Eines Tages saßen wir am Esstisch des technischen Dienstes; es gab auch Nudelsuppe. Die Suppe stand immer schon vor Einlass der Leute am Tisch, die Hauptspeise wurde kurz nachdem alle saßen, serviert. Mein Tischnachbar zur rechten, ein Tischler, beschwerte sich über die spärlichen Nudeln im Suppentopf, dass die Lehrlinge immer schon vor dem Pausensignal im Speisesaal sind und sich die ganzen Nudeln nehmen. Mein Tischnachbar zur linken, ein Betriebselektrikerlehrling (Schindele Wolfgang) sagte murmelnd: gusch, des interessiert niemand. Der Tischler glaubte, daß ich das gesagt hatte und sagte zu mir: wart nur, bist nach dem Essen raus kommst, kriegst a fotzn von mir. Ich traute mich erst aus dem Speisesaal, als die nächste Essengruppe herein kam. Die angedrohte Ohrfeige gab es dann doch nicht.
Geschrieben von Helmut Wagner am 26 Jun 2020 19:00

42 - Luftfeuchtigkeitsmessung im Eumig Hochhaus / Winter 1974 - 75
Ich war mit den täglichen Messungen der Luftfeuchtigkeit beschäftigt. In verschiedenen Büros in verschiedenen Etagen. Da anzunehmen war, daß zeitig morgens noch niemand im 10. OG der Geschäftsführung war, begann ich dort. Doch an einem Tag war schon die Sekretärin anwesend und schickte mich gleich weiter. Im Büro bei seinem Schreibtisch war Vockenhuber, einer der beiden Eigentümer. Er sagte, ich soll machen, was ich zu tun habe.

Das Luftfeuchtigkeitsmessgerät war rein mechanisch mit zwei Thermometern, wobei eines davon einen wassergetränkten Stoff am Fühler hatte. Über die beiden Fühler wurde die Luft mit einem Ventilator - welcher mit der aufgezogenen Feder über ein Getriebe betrieben wurde - gezogen. Auf einer Liste wurden die beiden Temperaturen eingetragen und aus einer mehrere Seiten langen Tabelle wurde dann die relative Luftfeuchtigkeit abgelesen. Dieser Messvorgang dauerte jeweils mehrere Minuten. Das Messgerät war deutlich zu hören - Vockenhuber sagte aber nichts, es schien ihn nicht zu stören.
Geschrieben von Helmut Wagner am 25 Jun 2020 22:14

40 - Arbeiten im Maschinenhaus / Herbst 1974
Ich arbeitete gerne im Maschinenhaus. Hier musste alles besonders fest angeschraubt und verlegt sein. Ich war einige Wochen mit Installationsarbeiten am neuen Gaskessel Nr. 3, dessen Heizleistung 2.000.000 kcal/h betrug, beschäftigt. Die Elektroarbeiten waren im Heizhaus wie auch im Keller unter dem Kessel zu tätigen. Dabei konnte ich durch eine kleine Öffnung beim Brennerluftventilator durchkraxeln und musste nicht den langen Weg über das Stiegenhaus gehen.

Eines Tages waren die Druckschalter des Hauswasserwerkes - während des vollen Werksbetriebes - auszutauschen. Die Elektriker bereiteten ein Provisorium vor, mit welchem man die Druckpumpen manuell schalten konnte. Meine Aufgabe war es, ein Manometer zu beobachten und die Pumpen so zu schalten, daß der Wasserdruck in einem bestimmten Bereich blieb. Zu geringer Druck bewirkte Produktionsstörungen im Werk, zu hoher Druck das Ansprechen des Sicherheitsventiles am Windkessel. Beides durfte nicht eintreten. Somit lag die Funktion des Werkes - über mehrere Minuten - in meinen Händen (zwischen Daumen und Zeigefinger).
Geschrieben von Helmut Wagner am 23 Jun 2020 23:33

39 - Liegestütz Übungen / 1974
In Anlehnung des vergangenen Stiegenhauslaufes gab es einige Tage später eine neue Herausforderung: jeder von uns macht 20 Liegestütz, immer wenn sich eine günstige Gelegenheit ergibt. Einer fing an und der andere machte gleich darauf auch seine. So hatte jeder am Vormittag dann schon 300 davon gedrückt.
Nach der Mittagpause waren die Schultern schon etwas müde und zittrig bei diesen Übungen, so daß wir die Anzahl auf 10 reduzierten. Keiner wollte aufgeben, aber wir sehnten schon das Arbeitsende herbei.
Am nächsten Arbeitstag konnten wir die Hände nicht über den Kopf hinauf heben oder mit ausgestreckten Armen klatschen. Der Meister merkte das und fragte uns, was los ist und wir erzählten ihm von unseren gestrigen Übungen. Dazu sagte er, daß das eigentlich ganz gut ist, aber die Herangehensweise an solche Übungen ist schlecht. Er war privat Leiter eines Turnerbundes und bot uns an, sich dort sportlich zu betätigen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 22 Jun 2020 21:53

38 - Wettlauf im Stiegenhaus / 1974
Bei Arbeiten im Stiegenhaus des Hochhauses kamen wir auf die Idee, dieses für einen sportlichen Test zu verwenden: vom Aufzugsvorplatz im Erdgeschoß läuft jeder in einem anderen Stiegenhaus hinauf (einer auf der West,- der andere auf der Ostseite). Ganz oben am Dachgeschoß sind die beiden Stiegenhäuser mit einem Gang verbunden. In der Mitte dieses Ganges ist die Tür zum Aufzugsmaschinenraum. Wer zuerst dort ist, hat gewonnen.
Ich lief sehr schnell und nahm daher immer zwei Stufen gleichzeitig. Im zweiten Stock probierte ich es dann mit drei Stufen auf einmal. Das brachte nichts; es war zu viel. Also wieder mit einem Schritt nur zwei Stufen. Im fünften Stock pochte das Herz schon sehr schnell und auch der Atem wurde knapp. Im siebenten Stock musste ich auf eine Stufe pro Schritt zurück schalten, und ab dem neunten Stock ging es nur mehr langsam weiter. Vom zehnten ins Dachgeschoß mussten auch die Hände am Geländer mithelfen.
Oben angekommen war ich alleine - mein Kollege war noch nicht da. Ich setzte mich auf die Stufen vor dem Aufzugsmaschinenraum. Nach einer Beruhigungszeit fragte ich mich, wo er geblieben war und ging im anderen Stiegenhaus wieder hinunter.
Im achten Stock habe ich ihn sitzend auf den Stufen gefunden. Er sagte, das Laufen ist blöd, ein Karatekämpfer wie Bruce Lee (das war sein sportliches Vorbild) braucht da eher einen starken Oberkörper.
Geschrieben von Helmut Wagner am 21 Jun 2020 19:00

37 - Maschinenübersiedlung vom Werk Wien / 1974 und 1977
Im Werk Wien gab es ein unübliches Stromnetz: 3 x 220 Volt, ohne Neutralleiter. Das ist an sich kein Problem, einphasige Verbraucher wie Licht, Schukosteckdosen und Maschinensteuerungen waren ganz einfach zwischen 2 Phasen angeklemmt und die Drehstrommotore waren am Klemmbrett in Dreieck geschaltet. Die Schutzschalter der Motoren (gegen Überlast) waren auf die für diese Schaltung erforderlichen Werte justiert. Einphasige Verbraucher hatten ein dreipoliges, Maschinen lediglich ein vierpoliges Anschlußkabel, weil kein Neutralleiter erforderlich war. Nun kamen - im Zuge der Werksübersiedlung von Wien nach Wiener Neudorf - in kurzer Zeit viele Maschinen an, welche hier möglichst bald wieder laufen sollten. Die Stecker der Kabel waren zwar gleich, aber bei den Geräten mit Drehstromanschlüssen gab es erheblichen Umbauaufwand. Es war für die Steuerung ein Neutralleiter nötig, was den Austausch des Anschlußkabels erforderte. Danach musste dieser maschinenintern zu den einzelnen Verbrauchern verlegt werden. Umklemmen der Drehstrommotore in die Schaltung, Stern und Neujustage der Motorschutzschalter. Diese Neujustage konnte nicht überall durchgeführt werden, weil in dieser Schaltung der Motorstrom geringer war, der Einstellwert nicht so weit herunter gestellt werden konnte; also austauschen. Erfolgreich umgestellte Maschinen bekamen ein Pickerl mit der Aufschrift: 380 VOLT. Im Laufe der Zeit tauchten immer wieder kleinere Maschinen wie Schleifböcke oder Bohrmaschinen etc. auf, welche noch nicht umgestellt waren; man sah es ihnen nicht an. Erst bei Betrieb konnte man am starken Brummen erkennen, daß da was nicht stimmt, oder die Maschinenleuchte brannte extrem hell. Gelegentlich wurde mit solchen Maschinen so lange gearbeitet, bis sie zu rauchen begannen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 20 Jun 2020 18:31

36 - Schaltplan zeichnen / 1974
Ich wurde immer dann ausgewählt, wenn es gewissenhaftes und genaues zu machen galt. Dazu zählte auch das Zeichnen von Schaltplänen. Ein damals umfangreicher Plan für die Ölnebelabsaugung der beiden Späromatanlagen war neu zu zeichnen. Es war damals noch nicht ein übersichtlicher Stromlaufplan, sondern auf dem 1 x 1,5 m großen Papier waren alle Schaltkomponenten kompakt aufgezeichnet und dann alle Drähte von Klemme zu Klemme einzuzeichnen. Als Zeichenunterlage war ein großes Reißbrett im Büro des Technischen Dienstes aufgestellt, in dem der Leiter Nistelberger, die Sekretärin Unger und auch der hektische Tehsarik waren. Viel Platz war da nicht, denn das Büro war nur ca. 3 x 4 m groß. Wegen Platzmangel konnte ich vor dem Reißbrett nur stehend zeichnen und war die ganze Zeit unter Kontrolle. Tehsarik war zwar fast immer unterwegs, Nistelberger war nur selten nicht im Büro, aber Unger war immer da und schaute recht finster drein.
Geschrieben von Helmut Wagner am 18 Jun 2020 18:50

35 - Dachaufstiegsleitersicherungskorbmontage Hochhaus / Herbst 1974
Ich arbeitete gerne an Orten, wo nicht alle arbeiten durften. Das war auch so, als ein Absturzsicherungskorb an der Leiter am Dach neben der Garage des Fassadenliftes zu montieren war. Die Konstruktion war in der Schlosserei im Werk vorgefertigt und von den Malern lackiert worden. Meine Aufgabe war es, den Transport der einzelnen Teile zu leiten, da ich die Örtlichkeiten gut kannte. Schließlich war alles aufs Dach gebracht und die meisten Leute gingen wieder weg. Es blieben noch die Elektriker vom Hochhaus und ich, um den Leiterkorb an der Leiter zu montieren. Das Wetter war sehr neblig und dadurch die Sichtweite nur wenige Meter weit. Die ersten Teile des Korbes waren noch in geringer Höhe über dem Boden des Dachgeschoßes zu montieren. Dazu mussten jeweils mehrere Löcher für die Schrauben in die Formrohre der Leiter gebohrt werden. Am späteren Vormittag lichtete sich der Nebel und strahlender Sonnenschein kam auf. Nun war es vorbei mit der Gemütlichkeit - die zu bohrenden Löcher waren weiter oben, ich musste auf einer Doppelleiter stehen und hatte Höhenangst, weil die Leiter nur wenige Meter neben der Dachkante war und man von dort - schräg nach unten - bis auf die Wiese sehen konnte. Im Nebel war das alles verhüllt gewesen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 17 Jun 2020 18:39

34 - Unterputzaschenbecher und Reinigungspersonal / 1974
Auf den Gängen und in den Hallen waren wasserbefüllte Aschenbecher für die Raucher montiert. An geeigneten Stellen waren diese in der Mauer eingebaut. Sie waren jeweils aus zwei Teilen und bestanden aus Aluminiumdruckguß: der Unterteil in der Wand eingemauert und der Oberteil leicht zum heraus nehmen; zwecks Entleerung und Reinigung. Dieser Oberteil - der eigentliche Aschenbecher - war so konstruiert, daß man ihn nicht hinstellen konnte, er fiel immer um. Somit kam niemand auf die Idee, ihn als Aschenbecher auf seinen Arbeitsplatz mit zu nehmen. Nur an seinem Platz in der Wand war er brauchbar und so waren sie auch immer dort verfügbar.

Das werkseigene Reinigungspersonal - ein gutes Dutzend Frauen - waren immer mit der Reinigung der Hallen beschäftigt. Auch das Entleeren der Aschenbecher war ihre Aufgabe. Niemals ging ein Aschenbecher über; somit gab es keinen Grund, warum irgend wo eine Kippe am Fußboden liegt. Hatte doch jemand eine Kippe am Boden ausgetreten, wurde er sogleich von Kollegen zur Beseitigung aufgefordert. Auch das Reinigungspersonal hatte da ein besonders Auge drauf.

Auch nach Umbauarbeiten in den Hallen putzten sie die Bereiche stets mit besonderem Einsatz - ein Großaufgebot war da immer gleichzeitig am Werk, so daß in kürzester Zeit alles wieder sauber war.
Geschrieben von Helmut Wagner am 16 Jun 2020 18:03

33 - Potentialausgleich und Sternpunktdrossel / ohne besonderes Datum
Das Werksstromnetz hatte die übliche Spannung von 380 / 220 Volt, Schutzart war Nullung, keine FI - Schutzschalter. Von den Hochspannungstransformatoren kamen die drei Außenleiter (L1 - L2 - L3) und der Sternpunkt (Null Leiter). Die Stromaggregate waren in Dreieck geschaltet und hatten somit keinen Sternpunktanschluß. Deshalb war eine Sternpunktdrossel - ein starker Trafo, welcher diesen Anschluß ermöglicht - installiert. Dieser war bei Inselstrombetrieb (wenn es keinen Strom von außen gab) unbedingt erforderlich, um die Spannung 220 Volt im Werksnetz zu liefern.
Wegen der Schutzart Nullung ist es erforderlich, daß der Sternpunkt (Null Leiter) möglichst geringen elektrischen Widerstand hat und an so vielen Stellen wie sinnvoll möglich, geerdet wird (Erdspieß). Auch Leitungen aus Metall (Rohre) und Gebäudeteile (Stahlkonstruktionen) mussten damit verbunden sein. Das alles dient im Falle eines elektrischen Defektes (Erdschluß) dazu, daß es keine hohe Berührungsspannungen an metallischen Oberflächen von Elektrogeräten gibt.
Nicht überall war das so, wie erforderlich. Eines Tages wurde das Anschlußkabel einer Tischlampe heiß, wenn es auf dem wassergekühlten Tisch beim HF Ofen stand - warum? Wegen der Spannungsdifferenz zwischen dem Neutralleiter und dem mit den Wasserrohren des gekühlten Tisches floß ein hoher Ausgleichsstrom, welcher das Lampenanschlußkabel über den Schutzleiter erhitzte. Auf Grund dieses und ähnlicher Vorfälle wurden im ganzen Werk zusätzliche Potentialausgleichsleitungen verlegt. Viel Arbeit für die Elektriker: viele dicke Drähte, Erdspieße und Rohrschellen, meistens bei den größeren Elektroverteilern und in den Kellern überall im Werk.
Geschrieben von Helmut Wagner am 15 Jun 2020 20:49

32 - Inselstromversorgung und Rücksynchronisation / 1973 bis 1995
Dieser Vorgang war erforderlich, wenn es vom außen keine Stromversorgung des Werkes gegeben hat. Das war öfters der Fall gewesen; die Werksbelegschaft hat davon nichts mit bekommen, außer beim Rücksynchronisieren ging etwas schief.
Bei Angekündigter Abschaltung der Hochspannung durch das E - Werk wurden so viele Generatoren betrieben, um die ganze Werkslast (und Reserve) zu übernehmen. Wenn erforderlich, wurden einige Klima,- oder Kälteanlagen abgeschaltet. Dann wurde die Last der Hochspannungstransformatoren übernommen und diese vom Werksnetz abgeschaltet. Das E - Werk wurde davon informiert; es konnte die Hochspannung abschaltet und am Hochspannungsnetz gearbeitet werden.
Wenn die Hochspannung wieder verfügbar war, wurde der Maschinist informiert. Er bereitete die Rücksynchronisation vor. Ein Trafo wurde zum Synchronisieren vorbereitet. Der Rücksynchronisierungsvorgang war aber erheblich schwieriger, als der mit einem Generator ans Netz. Denn bei der Synchronisation eines Generators ans Netz gab es keine unvorhersehbaren Drehzahlschwankungen desselben. Bei der Rücksynchronisation aber musste das ganze unstabile Stromnetz des Werkes phasengenau an ein stabiles Netz zugeschaltet werden. Dazu wurden alle Generatoren gleichzeitig mit der Drehzahl, Spannung und phasengenau gesteuert, wobei bei Lastwechsel (Schaltvorgänge im Stromnetz des Werkes wie: Maschinen, Aufzüge, starke Kompressoren und Pumpen, etc.) es immer wieder zu unvorhersehbaren Schwankungen und Drehungen des Synchronisationszeiger kam. Zugeschaltet musste genau in diesem Zeitpunkt werden, wenn der Zeiger bei ganz langsamer Linksdrehung kurz vor dem oberen Punkt war. Dieses einregeln dauerte meistens einige Minuten und erforderte höchste Konzentration. Bei geglücktem Zuschalten gab es große Freude und die beiden anderen Hochspannungstransformatoren brauchten nur zugeschaltet werden. Gab es aber in der Sekunde des Zuschaltens einen großen Lastwechsel (große Verbraucher schalteten) führte die Zuschaltung zu hohen Stromspitzen, was man an der Leuchtstärke der Lampen überall im Werk sah. Dabei kam es auch manchmal vor (bei größerer Phasenlagedifferenz), daß die Schutzschalter der Generatoren auslösten und es einen kompletten internen Stromausfall gab. Der war aber nur kurz - es lösten zwar alle automatischen Trennschalter aus - der Maschinist brauchte nur flott zuschalten: Trafo 1, Trafo 2, Trafo 3, und danach alle anderen Abzweige, ohne auf etwas zu warten oder einzuregeln. Die Generatoren liefen in dieser Zeit im Leerlauf weiter und warteten betriebsbereit auf ihre Synchronisation.
RÜCKSYNCHRONISATIONSPROBLEM: Eines Tag - bei Vollbetrieb des Werkes - im Anschluß an den Inselstrombetrieb, gab es Probleme beim Rücksynchronisieren: Synchronität war hergestellt, aber der bereits zugeschaltete Leistungsschalter des gewählten Hochspannungstransformators hat nicht gehalten, er schaltete sofort nach Loslassen des Tasters wieder ab. Alle weiteren Versuche - auch mit den anderen Trafos scheiterten. Somit musste der Inselstrombetrieb bis nach Ende der Nachmittagsschicht um 22 Uhr 24 weiter betrieben werden. Zwischenzeitig haben Elektriker erfolglos versucht, den Fehler zu finden; die Schaltung der Anlage ist sehr kompliziert.
In der Nacht wurde eine komplette Stromabschaltung gemacht. Danach Trafobetrieb, Generatoren zuschalten, Inselstrombetrieb, Rücksynchronisieren, die Generatoren wegschalten, alles ohne Probleme, mehrmals probiert - keine Ausfälle.
Dieses Phänomen war unergründlich - selbst die Erbauerfirma BBC war deswegen hier und konnte keine Defekte feststellen. Vielleicht ein Wackelkontakt, Drahtbruch, staubige Relaiskontakte oder eine kalte Lötstelle irgendwo im dem recht weit verzweigten Stromsteuerungsnetz oder einer der Steuerelemente.
Geschrieben von Helmut Wagner am 14 Jun 2020 20:22

31 - Maschinenhausumbau, Erweiterung 1 und 2 / 1974 und 1977
Der erste Umbau, bei dem ich dabei war, fand im Jahr 1974 statt. Es wurde für das Hochhaus die Heizleistung mit einem neuen Gaskessel um 2.000.000 kCal/h auf 5.000.000 kCal/h erhöht - mit den dafür erforderlichen Heizrohren und Pumpen. Bei der Elektroanlage - das Werk wurde strommäßig von außen mit 20 kV versorgt - den Tausch der drei Hochspannungstransformatoren (Verstärkung) sowie auch ein zusätzliches, neues Dieselstromaggregat mit 175 kVA, aber ohne Abgasverwertung, da dieses vorwiegend für die große Kältemaschine im Hochhaus gebraucht wurde. Auch neue Stromabgänge waren erforderlich, jeweils getrennt - mit eigenem Kabel - für: Hochhaus, Klimaanlagen, Aufzüge, Kältemaschine, Feuerlöschpumpe und EDV. Alle Leitungen in unterirdischen, begehbaren Gängen.

Für die Werkserweiterung mit Werkzeugbau, Stanzerei, Galvanik, Automatendreherei, Büro und Garderobentrakt, Lehrwerkstatt und kleinere Nebengebäude war ein weiterer, größerer Umbau erforderlich. Es wurde die Heizleistung mit einem 5.000.000 kCal/h Kessel, welcher wahlweise mit Öl oder Gas betrieben werden konnte, verdoppelt. Wegen dessen großen Gasverbrauches musste eine eigene 1,5 bar Gasleitung aus der Gasreglerstation verlegt werden, welche einen Zulaufdruck von 22 bar hatte. Der übliche Gasdruck im Werk betrug 30 mbar. Bei der Elektroanlage wieder Trafotausch (Verstärkung) und zwei weitere 660 kVA Dieselstromaggregate mit Abgasverwertung. Neue Stromabgänge und Rohre für Heizung, Kühlung, Trink/Nutzwasser warm und kalt sowie Pressluft für die Hallen in unterirdisch begehbaren Gängen.

Diese Umbauarbeiten im Sommer fanden während des Werksbetriebes statt und so mussten alle Energie,- und Wasserversorgungen ununterbrochen aufrecht erhalten werden. Bei den Arbeiten am Heizsystem im Maschinenhaus wurden alle Rohre und Pumpen erneuert. Das wurde von der Firma Bacon gemacht. Der Abbautrupp war da nicht zimperlich: mit den Schweißbrennern alles in Tragelasten zerschneiden, weitere Arbeiter trugen die Teile hinauf. Überall roch es verbrannt, denn die Rohrisolierungen bestanden aus Kork und Gipsbandagen, welche im Schweißbereich lediglich mit einem Maurerhammer notdürftig frei geklopft wurde.
Eines Tages wurde ich hin geschickt, da ein abzubauendes Motorventil noch mit Stromkabeln angeklemmt war. Der Schweißer aber wartete nicht auf mich und brannte die Kabel einfach durch. Durch den dadurch hervorgerufenen Kurzschluß gab es einen Funktionsausfall in der Steuerung und einen Alarm. Beides konnte ich rasch beheben.
Geschrieben von Helmut Wagner am 13 Jun 2020 22:00

30 - Start, Synchronisation und Stop eines Stromaggregates / 1973 - 95
GENERATORLEISTUNGEN: 1 x 175 kVA, 2 x 250 kVA, 2 x 660 kVA

IN DER SCHALTZENTRALE:
Vorausgesetzt alle sonst noch erforderlichen Einstellungen sind schon getätigt, bzw. noch vom vorigen Lauf aktiv
Einschalten des Motorabwärmekreises, des Ölabwärmekreises und der Abgastemperaturverwertung, sowie der Treibstoffversorgung (Tagestankladung)

FOLGENDES BEI DER MASCHINE VOR ORT:
Kontrolle des Kühlwasserstandes, Kontrolle des Motorölstandes
Kontrolle, ob die Startflasche genug Preßluftdruck hat (40 bar)
Kontrolle, ob alle Zylinderentlastungsventile offen sind
Kontrolle, ob der Betriebshebel auf Stop steht
Mit der Handpumpe die Schmierölleitungen füllen und Druck aufbauen
Kurzer Preßluftstoß, um die Zylinder von ev. Flüssigkeitsresten durchzublasen und die Maschine durch zu drehen
Alle Zylinderentlastungsventile schließen
Betriebshebel auf Start stellen
Mit Preßluft die Maschine starten (springt schon nach wenigen Umdrehungen an)
Wenn die ersten Arbeitstakte deutlich erfolgen, die Preßluft abdrehen
Bei Nenndrehzahl (600 bzw. 750 U/min, je nach Polzahl des Generators) den Betriebshebel auf Betrieb stellen
Kontrolle Öldruck und Drehzahl, Betriebsgeräusch und Vibrationen

NUN WIEDER IM KONTROLLRAUM, BZW. DER SCHALTWARTE:
Kontrolle der Motorkühlwasserpumpenbetriebsanzeige
Warmlaufen lassen bis ca. 60 Grad
Zwischenzeitig (oder später - aber nicht vergessen) die Startflasche für den nächsten Start wieder mit Pressluft auf 40 bar füllen (mit unter 25 bar lässt sich die Maschine nicht starten) und kurz vor Vollwerden, diese entwässern
Umschalten - wo möglich - auf Diesel / Gas, das bedeutet, dass die Maschine ein Erdgas - Luftgemisch ansaugt und mit Diesel gezündet wird
Voraktivierung des Generatorschalters und Einschalten des Synchronisierungsschalters, mit dem einzigen, dafür vorhandenen Schlüssel
Exakte Drehzahleinstellung mit Doppelfrequenzmesser auf Netzfrequenz
Einstellung der Generatorspannung auf Netzspannung
Mit dem Drehzahlsteller den Synchronoskopzeiger langsam in rechtsdrehender Richtung zum oberen Deckungspunkt bringen
Wenn man sich sicher ist, dass sich bei dieser langsamen Drehung des Zeigers mit dem Start-Schalter, welcher über den Leistungsschalter des Generators, diesen mit dem Netz verbindet, genau im oberen Punkt zuschalten lässt, das auch machen. Abweichungen von nur wenigen Millimetern der Zeigerspitze sind tolerierbar, 1 cm bewirkt hohen Stromstoß, weitere Entfernung vom Nullpunkt jedoch Kurzschluß
Sehr wichtig - nicht vergessen: wenn der Generator auf Schiene ist, Synchronisierungsschalter ausschalten und Schlüssel abziehen
Mit dem Drehzahlsteller die Drehzahl auf Höher stellen und somit Strom abzugeben, die Leistung auf 50 bis 100 kW erhöhen (je nach Maschinenleistung)
Die Maschine weiter auf 80 Grad warmlaufen lassen
Nun kann die Leistung auf den gewünschten Wert gestellt werden
Weitere Einstellungen der Maschinenerregung, um den cos Phi bei Bedarf zu verändern
Laufende Kontrollen aller Betriebsdaten an den Anzeigen der Schalttafel, wie auch bei der Maschine selbst, sowie Protokollierung

ABSETZEN DER MASCHINE:
Leistung stufenweise reduzieren (mit dem Drehzahlsteller Tiefer)
Jeweils einige Minuten so laufen lassen
Bei nur mehr wenigen kW Abgabeleistung die Stromverbindung mit dem Generatorschalter trennen
Drehzahl kontrollieren / einstellen
Einige Minuten zur weiteren Abkühlung der Maschine so laufen lassen
Anschließend die Maschine mit dem Betriebshebel auf Stop abschalten
Alle Zylinderentlastungsventile in kleinen Schritten (gleichmäßig je Zylinder) öffnen; dabei zischte es recht laut
Wenn die Maschine schon fast steht, alle Ventile ganz öffnen
Bei Maschinen mit Turboaufladung, mit der Handpumpe den Schmieröldruck mind. 1 Minuten aufrecht erhalten, (Nachschmierung und Kühlung des Turbo), da dieser noch mehrere 1000 U/min hat
Auflaufende Störungsmeldungen quittieren, Abwärmekreise ausschalten

Der Start und Betrieb solcher Maschinen ist recht aufwendig, ein ausgebildeter Maschinist muss bei Betrieb immer in Hörweite der Anlage sein.
Geschrieben von Helmut Wagner am 12 Jun 2020 21:26

29 - Außenbüro Maria Enzersdorf Südstadt / 1974
Eines Tages war ich mit dem Kollegen Gamp im Eumig Außenbüro in der Südstadt. Warum dort ein Büro betrieben wurde, weiß ich nicht. Es war jedoch ein flächenmäßig größerer Bereich - ein ganzer Gebäudeast des sogenannten Y - Hauses im zweiten OG. Wir hatten einige Telefone anzuschließen; über eine spezielle Schaltung waren alle diese Apparate irgend wie mit der Telefonzentrale im Eumig Hochhaus verbunden; man konnte ohne Amtsleitung zu holen, firmenintern telefonieren, die Apparate funktionierten wie in der Firma.
Ich kann mich noch an eine weitere Aufgabenstellung erinnern: öffnen eines Tresor. Er war recht groß und sehr schwer; niemand hätte ihn ohne spezielle Gerätschaft bewegen können. Verschlossen mit einem speziellen Schlüssel und einem Zahlenschloß. Hier aber lag das Problem: die Zahlenkombination war zwar bekannt und auch auf einem Zettel notiert, aber die Beschreibung, wie und in welcher Reihenfolge die Scheibe - auf welcher in kleinem Abstand 100 Striche mit Zahlen waren - man drehen musste, lies einigen Interpretationsspielraum zu. Die Funktion solcher Zahlenschlösser hier zu beschreiben, dauert zu lange. Aber wenn man falsch zu drehen beginnt, kann es nichts werden. Auch wenn man nur einen Teil eines Millimeter zu viel oder zu wenig dreht, geht es nicht auf. Es ist beim Drehen der Scheibe nicht das Geringste zu hören oder bei der Drehbewegung zu spüren; das ist auch Sinn und Zweck eines guten Zahlenschlosses. Nachdem es alle dazu befugten Büroleute schon erfolglos versucht haben - auch ich schaffte es nicht - versuchte sich Gamp und schon nach wenigen Anläufen war er offen. Drinnen war nichts, denn das Büro wurde ja erst neu von Eumig besiedelt. Nun wollten die Büroleute wissen, wie man das Schloß bedient. Das steht alles genau in der Beschreibung, sagte Gamp. Aber erst wenn man sich die richtige Reihenfolge gemerkt hat und dann die Beschreibung liest, versteht man, wie das in der Beschreibung gemeint ist. So setzten sich einige bei offener Türe hin und übten die Drehungen der Scheibe.
Geschrieben von Helmut Wagner am 11 Jun 2020 21:33

28 - Verschiedene (Elektro) - Stromnetze / ohne besonderes Datum
In der Halle 1 im EG, der Projektormontage, gab es unterschiedliche Elektroleitungen: die normalen Schukosteckdosen mit 220 Volt für dieses und jenes, ein 220 Volt Netz mit stabilisierter Spannung für Messgeräte und Endkontrolle, eines mit 117 Volt 60 Hz um Projektoren auch mit dieser Stromart zu betreiben / zu testen, ein Drehstromnetz mit 3 x 42 Volt und 300 Hz womit die vielen Elektroschrauber betrieben wurden, und noch eine spezielle abgeschirmte Verkabelung - die sogenannten Musiksteckdosen - wo eine ununterbrochene Tonschleife mit dem Trompetensolo: il sielenzio zur Verfügung stand. Damit wurde für die Tonprojektoren die Aufnahme / Wiedergabequalität justiert bzw. geprüft.
Für jede Stromart gab es eine eigene, spezielle Steckdose, um Verwechslungen zu verhindern. Im Abgangsbereich zum Keller Halle 1 waren die für das 117 Volt 60 Hz und 42 Volt 300 Hz Netz erforderlichen (Rotations)umformer aufgestellt. Für das stabilisierte 220 Volt Netz war ein größerer Blechkasten in der Halle selbst montiert, den die Elektriker nicht angreifen durften; dafür zuständig waren die Elektroniker aus dem Prüfgerätebau, da im Inneren nur ein großer Trafo, Elektronik und Röhren waren. Ich kann mich nicht erinnern, daß es damit jemals Probleme gab - die Elektroniker hatten ein Gespür dafür, wann etwas zu machen ist, bevor etwas gemacht werden muß.
Die Betriebselektriker fertigten viele Elektroinstallationsbretter an, wo alle diese Leitungen und Steckdosen vorinstalliert waren, welche dann unter den Arbeitstischen montiert waren. Die Verkabelung ging von einem Tisch zum nächsten weiter; auf jeder Hallenseite waren drei Fertigungsstraßen.
Anfangs waren die Tische länglich nebeneinander aufgestellt, später wurde auf sogenannte L - Tische umgestellt (der Tisch schaute wie ein L aus). Hier hatten die Frauen mehr Platz zum Arbeiten und die Geräte konnten leicht am linken Ende des Tisches am Förderband zu der nächsten Station geschoben werden. Auch war die Fläche der Halle besser ausgenützt.
Geschrieben von Helmut Wagner am 10 Jun 2020 20:41

27 - U Boot Erzählungen / 1974
Glatz erzählte, daß er im Krieg auf einem U - Boot stationiert war. Bei Tauchübungen musste das Boot so schnell wie möglich unter die Wasseroberfläche gebracht werden. Das beschrieb er so: Die ganze Mannschaft war an Deck. Auf Befehl begaben sich alle auf schnellstmöglichen Weg über die Einstiege unter Deck; dazu ließen sie sich über die Leitern schnell nach unten gleiten. Der erste unten angekommene hatte die Aufgabe, jeweils einen nach dem anderen nachkommenden nach links und rechts weg zu werfen, daß es schneller ging. Die ersten unten ankommenden Matrosen fluteten sofort die Tauchzellen und starteten Elektromaschine der Schiffsschrauben. Das ging so schnell, daß mit den letzten einsteigenden auch schon Meerwasser durch die noch nicht ganz geschlossenen Einstiegsluken kam. Als kürzeste Zeit haben sie lediglich 17 Sekunden gebraucht, wie er erzählte.
Er schilderte auch seinen ersten und zugleich letzten Einsatz: eine starke Erschütterung des Bootes, dann das Kommando alle von Bord. In der Panik nahm er eine Wurstkette mit (ähnlich Knackwürsten, aber eher rundlich und zu einer Kette gebunden, welche man sich umhängen kann). An Bord des Schiffes, welche sie gerammt hatte (ein englisches Kriegsschiff), mussten sie sich mit erhobenen Händen aufstellen. Dabei riss die Wurstkette auseinander und die Würste fielen zu Boden. Die Engländer glaubten an ein Selbstmordkommando der Deutschen mit Handgranaten und gingen in Deckung. Die U - Boot Besatzung hatte Todesangst, denn, wenn nur ein Schuss gefallen wäre, hätten die Engländer alle nieder gemacht.
Geschrieben von Helmut Wagner am 09 Jun 2020 15:01

26 - Wurmschraubenansetzmaschine / ohne besonderes Datum
In der Firma gab es eine Abteilung, welche immer wieder Sondermaschinen für die Vorfertigung herstellte. Es war erforderlich, zwei kleine Wurmschrauben in einen runden Messingteil so weit einzudrehen, daß dieser dann - wenn er eingebaut ist - nur mehr durch eine geringe Drehung der Schrauben an der Welle befestigt werden konnte. Da immer wieder sehr viele dieser oder ähnlicher Teile für die Produktion benötigt wurden, zahlte es sich aus, dafür eine Sondermaschine zu bauen.
Aufbau dieser Maschine: in einem runden Kessel wurden die (Schlitz)Schrauben hinein geleert. Dieser Kessel wurde mit einem Elektromagnet in 50 Hz Schwingungen versetzt und weil er mit schrägen Stahlbügeln befestigt war, wanderten die Schrauben darin rund herum. In dem Kessel war eine Art nach außen abfallende Rampe an der Wand, an der die Schrauben ringsum in die Höhe wanderten. Diese Rampe wurde auf ihrem Weg immer schmäler, so daß weiter oben nur mehr jene Schrauben platz hatten, welche sich dort linear bewegten. Noch weiter oben gab es einen Schlitz, wo alle liegenden Schrauben wieder in den Kessel fielen. So blieben nur jene übrig, welche dort stehend unterwegs waren. Als nächste Hürde auf dem Weg der Schrauben war es, daß sie dann auf ein schmales Stahlband fielen. Nur jene Schrauben konnten den Weg fortsetzen, welche beim runter fallen genau mit dem Schraubenschlitz auf das Stahlband fielen; für alle anderen galt: zurück in den Kessel und wieder die Rampe hinauf. Nur wenige Schrauben schafften das Stahlband, aber genügend für die weitere Funktion. Vom Stahlband ging es dann geordnet in die Vorrichtung, mit der die Schrauben dann einen voreingestellen Weg in den Messingteil eingedreht wurden. Dazu musste dieser Teil nur auf einen Zapfen gesteckt werden. Wenn der Teil nicht exakt positioniert war, fiel die Schraube über eine Rutsche wieder in den Kessel zurück. So wurden auf dieser Vorrichtung in kurzer Zeit sehr viele Teile für die weitere Produktion hergestellt.
Geschrieben von Helmut Wagner am 08 Jun 2020 15:47

25 - Glaswolle für den Schalltoten Raum / 1974
Für den schalltoten Raum (ein Raum, in dem gar nichts zu hören ist, um Schallmessungen ohne fremde Geräusche machen zu können) im Keller des Hochhauses, wurde das Material, (große Mengen an Glas,- und Mineralwolle) im Keller des Maschinenhauses gelagert. Das lag aufgestapelt neben dem Betonfundament vom Generator 3. Für die Lehrlinge war es eine Freude, von oben auf diesen großen Stapel zu springen. Man hatte dabei einen freien Fall von gut zwei Meter nach unten. Nur Mutige trauten sich, das zu machen. Doch nach einigen Sprüngen hatten diese tapferen keine Freude mehr, denn die Glaswolle begann stark am ganzen Körper zu jucken.
Die Mineralwolle wurde am Boden, den Wänden und der Decke montiert. Danach noch eine dicke Schicht von hochkant und 45 Grad aufgestellten, sowie versetzten, Glaswollplatten. Am Boden war ein schmales Trittgitter über der Glaswolle. Auch die Türe war mit dicken, gewellten Schaumgummiplatten belegt. Als der Schalltote Raum fertig war, haben wir in ihm eine Lampe installiert, deren Schalter, Starter und Vorschaltgerät aber im Vorraum sein musste. Selbst diese Geräusche wären im Raum störend gewesen. Im Raum selbst war es eine besondere Wahrnehmung: wenn man hinein und dann um die Ecke ging, war GAR NICHTS zu hören. Es war ein beklemmendes Gefühl. Wenn man sich in einen leisen Bereich begibt, steigt die Hörempfindlichkeit der Ohren an, ähnlich wie Augen in einem dunklen Raum. Die Pupillen der Augen öffnen sich, sodass man auch schwaches Licht erkennen kann. Ähnlich bei den Ohren. Bei längerer Zeit an stillen Orten hört man auch das, was sonst in der Geräuschkulisse untergeht. Hier aber ist NICHTS zu hören. So beginnt es leicht im Ohr zu rauschen; man hört das eigene Herz schlagen und das eigene Blut fließen. Irgendwie unheimlich. Wenn man etwas sagt, ist die eigene Stimme ganz fremd. Man glaubt, ein Anderer hat das gesagt. Auch das eigene Schreien ist relativ leise, und verhallt ohne jedes E c h o.
Geschrieben von Helmut Wagner am 07 Jun 2020 20:46

24 - Stupide Arbeiten / ohne besonderes Datum
An einigen Arbeitsplätzen gab es scheinbar anspruchslose Tätigkeiten zu verrichten; z.B: Ausrichten von Antriebswellen. Hier wurde ein verchromter Rundstahlstab, 8 mm dick und ca. 20 cm lang, drehbar an den Enden gelagert und deren - wenn auch sehr geringen Biegung - mit einer Messuhr überprüft. Die Abweichung durfte nur wenige 1/10 mm betragen. Dazu wurde die Biegung des Stabes mit einer Kniehebelpresse korrigiert. Der Stab musste natürlich in die Gegenrichtung etwas weiter gebogen werden, da er ja wieder zurück federte. Mit der Zeit hatte die Frau an diesem Arbeitsplatz genügend Übung, den unwuchten Stab in kurzer Zeit auszurichten. So wurden täglich viele hunderte Stäbe bearbeitet. Ich versuchte mich auch einmal, aber: je mehr ich mich bemühte, um so schlimmer wurde das Ergebnis, die Biegungen wurden immer größer und auch in verschiedene Richtungen, bis der Stab dann Abfall war. Ich habe ihn in die Werkstatt mit genommen um daraus eine Reißnadel am Schleifbock herzustellen.
Eine andere Tätigkeit: Arbeiten mit der Kniehebelpresse. Hier wurden mit einer Kniehebelpresse Stahlscheiben und Blechwinkel gebogen, etwas heraus gestanzt oder zusammen gepresst; tausende Stück davon.
Die Frauen hier, wie auch die andere bei den Rundstäben oder ähnlichen Arbeitsplätzen hatten Freude an ihren Tätigkeiten, denn sie wussten, daß diese Teile in den Produkten der Firma eingebaut werden und diese dort eine wichtige Rolle für die Funktion spielten. Diese Geräte gab es dann auf der ganzen Welt zu kaufen. Andere hätten das auch machen können, aber SIE hat das gemacht und nicht irgend wer anderer.
Geschrieben von Helmut Wagner am 06 Jun 2020 13:47

23 - Arbeitsgewandnäheinsatz / 1974
Das Arbeitsgewand für die Haustechniker bestand aus drei Overalls (Winter) bzw. Latzhosen (Sommer), wobei eine davon immer in der Reinigung war. Im Zuge des wöchentlichen Wechselns wurden auch die notwendigen Nähreparaturen (Knöpfe, Löcher, etc.) durchgeführt.
Bei einer meiner Latzhosen war ein Loch in der Hosentasche, welches von Woche zu Woche größer wurde, bis schließlich der Schlüsselbund durchfiel. Das ist den Frauen in der Näherei nicht aufgefallen, da das Loch von außen nicht sichtbar war. Auch ein Hinweis im Zuge des Arbeitsgewandtausches brachte nichts. Später bekamen auch die anderen Latzhosen Löcher in den Taschen.
Der Elektrikergeselle Bachler machte nun kurzen Prozess mit diesem Problem: er riss mir ganz einfach den Hosensack herunter und sagte: wirst sehen, wenn du das Gewand wieder bekommst, ist das Loch genäht und auch ein neuer Sack drauf. Das war dann auch so.
Geschrieben von Helmut Wagner am 04 Jun 2020 20:54

22 - Blindenabteilung / ohne besonderes Datum
Im Werk gab es eine Abteilung, wo blinde Arbeiter beschäftigt waren. Hier zu arbeiten hinterlies vorerst folgenden Eindruck: die Leute verrichteten relativ einfache Arbeiten, das zu bearbeitende Material wurde mit Wagerln angeliefert und die fertigen Teile wieder abtransportiert. Die Gesprächskulisse bestand aus einzelnen Sätzen, die keinen zusammenhängenden Sinn ergaben, es hatte den Anschein, als ob jeder mit sich selbst redet.
Eines Tages war ich auf einer Leiter mit der Lampenreparatur an der Decke beschäftigt. Da dazu etwas aus dem Lager benötigt wurde, ging mein Kollege, das zu holen. Nun hatte ich etwas Zeit, die Situation in der Abteilung von oben zu beobachten. Dabei konnte ich folgendes erkennen: die Leute redeten oftmals mit anderen, welche nicht die Tischnachbarn waren. Deren Abstand betrug oft mehrere Meter und war auch in einer anderen Tischreihe. Für mich war es schwierig mich zurecht zu finden, wer mit wem und was geredet hatte. Für die blinden schien das aber ganz normal zu sein und die Gespräche waren durchwegs sinnvoll und mit intelligentem Inhalt, wo sich so mancher sehende etwas abschneiden konnte. Gelegentlich war es in der Abteilung plötzlich aber ganz still, niemand sagte etwas; vielleicht ein Rundhorchen? Die blinden erkannten heran kommende an den unterschiedlichen Geräuschen der Schritte oder der Rollen ihrer Transportwagerln bzw. was darauf schepperte. Auch deren Namen merkten sie sich, selbst wenn sie sich nur einmal vorgestellt haben.
Auch sonst waren die blinden erstaunlich gut orientiert in ihren Bereichen: Wege aufs Klo, in den Speisesaal, Garderobe, Stempeluhr, Betriebseingang und Werksbus gingen sie ohne irgend wo anzustoßen oder geleitet zu werden. Von weiter weg betrachtet, sah man ihnen das nur an der Armschleife an. Gelegentlich holten und brachten sie sich selbst das Material von dem in ihren Bereichen befindlichen Lagerplätzen, wenn sie schneller arbeiteten, als die Wagerlschieber umräumen konnten, in der Zeit, wo diese eine Pause machten. Auch sonst hatten sie ein ausgezeichnetes Gehör und nahmen entgegen kommende Personen war. Auch merkte man ihnen an, daß sie nicht wollten, wenn ihnen jemand längere Zeit nach geht; sie stellten sich an den Rand und ließen die Person vorbei gehen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 03 Jun 2020 23:45

21 - Leuchtstofflampenrochade Eumig Haus nach Werk 2 / 1974
Als das Hochhaus im Vollbetrieb war, gab es eines Tages den Auftrag, in allen Bürobereichen die Leuchstofflampen zu tauschen, weil die Lichtfarbe der Lampen zu weißes Licht hatte und das für die Büroarbeiten ungeeignet ist. Es wurden ausreichend Lampen bestellt und nach deren Lieferung mit dem zügigen Austausch begonnen.
Stückzahlberechnung: aus der Multiplikation der durchschnittlich in jedem Bürofeld befindlichen, - mal - Anzahl der Bürofelder pro Etage, - mal - Büroetagen, ergab sich: 5 mal 28 mal 11, ergibt 1.540 Leuchtstofflampen; zusätzlich noch Reserve zum normalen Tauschen während der nächsten Jahre.
Die durch diese Aktion im Hochhaus entnommenen Leuchtstofflampen sollten im Werk für den laufenden Lampentausch verwendet werden, denn hier gab es immer genügend Bedarf.

Zwischenfazit: nachdem alle Lampen getauscht waren, erkannte man, daß die Lichtfarbe dieser neuen Lampen zu rötlich war. Ein abermaliger Tausch aller Lampen wurde durchgeführt und die entnommenen Lampen sollten wieder im Werk verwendet werden. Dadurch standen hier so viele Lampen zur Verfügung, dass längere Zeit nichts von diesen nachbestellt werden musste. Die ursprüngliche Lichtfarbe 20 wurde auf 25 und dann auf 22 umgerüstet.

Lampentypen:
Osram TL 65 W / 20 hellweiß
Osram TL 65 W / 25 etwas rötlich, wenn man daneben eine 20er hat
Osram TL 65 W / 22 etwas grünlich, wenn man daneben eine 20er hat.
Diese Leuchtstofflampen waren noch die alten, dicken, wie in jener Zeit üblich. Sie hatten auch eine sehr lange Lebensdauer. Die später - wie auch heute noch üblichen, wurden aber viel schneller kaputt, trotz Verwendung der vom Lampenerzeuger empfohlenen Schnellstarter, deren Preis zumal sehr teuer war. Ein normaler Starter kostete 4 Schilling, ein Schnellstarter aber 50 Schilling.

Beschreibung der Schnellstarterfunktion: kurze Vorglühzeit, oftmalige Startversuche in kurzer Zeit zur Vorglühdrahtschonung, Resetknopf für Rückstellung wenn zu oft vergeblich gezündet wurde, keine dauernd blinkenden Lampen, keine nur glühenden Lampenenden, und keine ausgebrannten Lampenfassungen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 02 Jun 2020 20:18

20 - Hochhauseröffnung mit Prominenz / 25. 9. 1974
Eigentlich war Tehsarik immer davon getrieben, daß keiner seiner Leute nichts zu tun hatte. Jeder hatte den ganzen Tag zu tun, lediglich in den Pausen - deren Einhaltung bzw. die Nicht Überziehung er auch oft kontrollierte - durfte man nichts machen und sich in der Werkstatt sitzend aufhalten.

Anders an diesem Tag; seit Tagen wurde im ganzen Gebäude geputzt und geräumt, um für den bevorstehenden Besuch des Bundeskanzlers Kreisky sowie einiger anderer Regierungsmitglieder den besten Eindruck des Hauses zu hinterlassen. Wir von der Haustechnik hatten den strikten Auftrag, sich unter keinen Umständen im Gebäude sehen zu lassen. Wir mussten in der Werkstatt bleiben und konnten dort sonst was machen, auch schlafen, wenn wir wollten. Telefonisch waren wir ja erreichbar und könnten bei Bedarf sofort eingesetzt werden.
Geschrieben von Helmut Wagner am 28 Mai 2020 20:13

19 - Aktenaufzug Eumig Hochhaus / 1974
Neben den 3 Personenaufzügen gab es noch einen Aktenaufzug, konzipiert für den Transport von Aktenordnern und div. Schriftstücken. In jeder Etage am Gang bis hinunter ins Zentralarchiv gab es eine Station zum Be,- bzw. Entladen.
Zur Zeit des Hochhausbaues wurde dieser Aufzug gelegentlich auch zum Transport von Werkzeugen und Material verwendet.
Es gab Vorfälle, wo ein Arbeiter in dem Aufzug mitgefahren ist. Das war besonders gefährlich, da dieser Aufzug nicht für Personentransport geeignet war. Die Gondel war klein, sodaß die Person sich nur liegend und zusammengekauert darin aufhalten konnte. Der Aufzug konnte nur von außen bedient (gerufen oder geschickt) werden. Im Inneren gab es kein Licht und auch keine Notrufeinrichtungen.

Im Normalbetrieb wurde telefonisch ein Transport angekündigt, der Aufzug mit Akten beladen und an seine Zieletage geschickt. Dort war schon jene Person, die die Akten erwartete. Im Aufzug waren immer mehrere verschiedenen Akten unterwegs, aber der Empfänger kannte ja die für ihn bestimmte Post und nahm sich die für ihn bestimmte Lieferung heraus. Bei Überfüllung lag die überzählige Post dann ganz einfach vor dem Aufzug auf der Ablage.
Bessergestellte oder wichtige Abteilungen bekamen eine speziell verkabelte Steuerbox auf den Schreibtisch gestellt. Mit dieser konnte der Aufzug vom Schreibtisch aus gerufen werden. Wenn die Gondel da war, gab es ein Signal und man konnte den Aufzug eine gewisse Zeit sperren, um hin zu gehen.
Die Geschäftsführungsetage hatte hier eine noch weiter gehende Bevorzugung: der gerufene Aufzug blieb im 10 Stock so lange stehen, bis er von der Sekretärin wieder frei gegeben wurde. Wenn sie den Aufzug gerufen hatte, sich dann aber nicht mehr darum kümmerte (weil vielleicht kein Bedarf mehr), blieb der Aufzug im 10 Stock stehen. Niemand getraute sich, da etwas nachzufragen. Jedoch wurde der technische Dienst angerufen, was mit dem Aufzug ist. Der Elektriker kontrollierte darauf hin die Anlage. Immer wieder das gleiche Bild: Aufzug steht im 10 Stock und ist durch die Ruftaste im Geschäftsführungsbüro blockiert. Die Sekretärin sagte dazu, daß sie den Aufzug braucht, weil sie eine dringende Post wegschicken muß. Zwischenzeitig gingen die Ablagen vor dem Aufzug in den anderen Etagen über. Das führte dazu, daß dadurch die meisten Akten ganz einfach persönlich von den Büroleuten transportiert, und somit die eigentliche Funktion des Aktenaufzuges nicht genutzt wurde.
Geschrieben von Helmut Wagner am 26 Mai 2020 18:52

18 - Arbeitsplatzleuchten / 1974
In der Halle 3 (Optik) waren an Stellen, wo am Arbeitsplatz mehr Licht benötigt wurde, eine Tischlampe aufgestellt. Speziell für die Kontrolle der produzierten Linsen war das starke, punktförmige Licht einer Glühbirne ideal. In den Lampen war anfangs eine Glühbirne mit 100, später die Neuen mit 150 Watt. Die Lampenfassungen waren aus Porzellan und Metall, für 100 Watt ausgelegt, aber mit diesen 150 Watt-Glühbirnen wurden die Lampen ziemlich heiß, zumal sie 16 Stunden am Tag Dauerbetrieb hatten.
In der Produktion wurden auch kleine Putzlappen aus dickem Stoff verwendet, mit dem sich die Arbeiter die nassen Hände von der Linsenmanipulation abgewischt hatten. Um nicht immer neue Tücher verwenden zu müssen, wurden die Nassen kurzer Hand über die Lampenschirme gehängt. Nach wenigen Minuten waren sie wieder trocken. Durch diesen Umstand wurden die Lampenfassungen zusätzlich thermisch belastet, was ein vermehrtes Durchschmoren der Elektrik bewirkte. Das zeigte sich daran, daß Glühbirnen nicht leuchteten, obwohl sie in Ordnung waren, oder es gab einen Kurzschluß in der Fassung. Überall gab es genügend Ersatzleuchten, sodass das Personal dann eine Andere nahm. Die kaputten wurden in die Elektrowerkstatt gebracht und von den Elektrikern repariert, wenn gerade sonst nichts Wichtiges zu tun war.

Eines Tages kam ein Arbeiter in die Elektrowerkstatt und wollte eine neue Glühbirne für seine Arbeitsplatzleuchte; das kaputte Muster hatte er mit. Beim ersten Blick sah ich darauf den Wert 40 Watt. Der Mann sagte, er will wieder so eine, denn diese 40er brannte heller, als die üblichen mit 150 Watt. Das machte mich stutzig und ich schaute die Birne genauer an. Da konnte ich sehen: 110 Volt. Jetzt war alles klar.
Weil er technisch interessiert war, haben wir darüber geredet. Im Werk gab es viele Maschinen, deren Beleuchtung mit unterschiedlichen Lampen ausgestattet waren. Meistens waren es welche mit Glühbirnen. Wegen des stroboskopischen Effektes - besonders bei sich drehenden Teilen - sind solche Lampen zu bevorzugen. Je dicker der Glühfaden, um so geringer ist dieser Effekt. Und auch die Lebensdauer bei Erschütterungen - wie sie bei Drehmaschinen oder Fräsen auftreten - ist länger. Je nach Maschinenausrüstung waren diese Leuchten mit unterschiedlicher Spannung betrieben. So gab es im Lager immer viele dieser normal aussehende Glühbirnen mit E27 Gewinde verschiedener Leistung, aber unterschiedlicher Spannung: 110, 60, 48, 36 und 24 Volt. Der Arbeiter merkte sich das und konnte bei Kollegen mit diesem Wissen punkten.
Geschrieben von Helmut Wagner am 25 Mai 2020 19:57

17 - Aufzüge Eumig Hochhaus / 1974
Für die damalige Zeit war die Aufzugssteuerung seiner Zeit weit voraus. Es gab noch keine Leistungselektronik; gesteuert wurde mit Relais und Röhren. Der Hauptantrieb erfolgte mit einem Ward - Leonard - Gleichrichtersatz. Dieser ermöglichte einen ruckfreien Start, schnelle Fahrt und einen fast unmerkbaren Stillstand der Gondel. Man spürte zwar, daß der Aufzug weg fuhr, aber plötzlich öffnete sich die Tür und man war auch schon da, wo man hin wollte.
Es gab einen Aufzug, welcher vom Keller bis zum 10. OG fuhr und zwei solcher vom EG bis zum 10. OG. Diese beiden wurden meistens von den Büroleuten verwendet, weil sie nie in den Keller fuhren und diesen für die Fahrt dort hin frei halten sollten. Dort waren Versuchslabors, der Technische Dienst, das Zentralarchiv, die Garage, der Müllraum und einige Technikräume untergebracht. Aber Büroleute wollen nicht vor dem Aufzug warten und auch nicht Stufen steigen, auch nicht wenn sie nur eine Etage zu überwinden hatten. Sie drückten auf die Rufknöpfe aller Aufzüge, ohne auf die Fahrtrichtung zu achten und wenn nicht gleich nach einigen Sekunden ein Aufzug da war, gingen die meisten zu fuß, wenn sie nur über eine Etage wollten. Das bewirkte, wenn man als Aufzugsbenutzer mehrere Stockwerke fuhr, die Gondel in jedem Stockwerk stehen blieb, aber niemand vor der Tür war, um einzusteigen. So dauerte die Fahrt über viele Etagen oft sehr lange.

Vorauseilender Portiergehorsam: Wenn der Firmenchef Vockenhuber das Hochhaus betrat, stürzte einer der diensthabenden Portiere sofort zu den Aufzügen, drückte alle Rufknöpfe, verwies die Leute der ersten kommenden Kabine dieser, und aktivierte die Vorrangschaltung dieses Aufzuges (nur die Knöpfe in der Kabine hatten Wirkung).

Aus Erzählungen überliefert: Das folgende passierte in der ersten Zeit nach dem Bezug des eumig-Hochhauses. Eines Tages fuhr der Chef Karl Vockenhuber mit seinem Freund und Betriebsbeirat Ernst Dittmar mit dem Aufzug vom 10. OG wieder hinunter. Dabei wurde die Gondel immer schneller, bis sie abrupt abbremste. Vockenhuber blieb unverletzt, Dittmar hatte sich schmerzlich auf die Zunge gebissen. Als sie unten angekommen waren, hat einer der werkenden Otis-Leute (Aufzugsfirma) hinaufgerufen, welcher Trottel gerade jetzt mit dem Aufzug fahren musste. Er war dann entsetzt, als der Firmeneigentümer mit seinem Begleiter ausgestiegen ist. Es haben aber alle gelacht, und die Geschichte wurde am selben Abend als lustiges Ereignis - das ja durchaus vorkommen kann, wie sie meinten - weiter erzählt.
Nicht immer fuhr Vockenhuber mit dem Aufzug, er ging sehr, sehr oft alle 10 Stockwerke zu Fuß, weil er zu wenig Bewegung machte, und dies so nachholen wollte.
Geschrieben von Helmut Wagner am 24 Mai 2020 20:00

16 - Schaltpultbeschriftung / Sommer 1974
Eines schönen Tages sollte die automatische Bewässerung vor dem Hochhaus neu justiert werden. Dazu sollte ich diese sich zurzeit in Betrieb befindliche Anlage ausschalten. Wieder war auch Tehsarik dabei; ER wollte das neu einstellen.
Mehrere Leute versammelten sich vor den Fenstern und im Freien, da sie annahmen, daß sich wieder etwas lustiges zutragen wird. Ich ging zum Technikschaltpult beim Portier - hier gab es Schalter für die Aufzüge, die Außenbeleuchtung, das Licht im Eingangsbereich, die automatischen Türen, die Klimaanlagen, die Neonschrift am Dach, etc.
Ich konnte - von dort wo ich stand - die Beschriftung der Schalter nur spiegelverkehrt lesen und sah einen mit: Betriebselung, beschriebenen. Darunter konnte ich mir nichts vorstellen und probierte ihn aus. Im Verteiler am Gang hörte ich einen Schütz schalten; aber weiter bemerkte ich nichts. Ich schaltete immer wieder Ein und Aus, horchte und schaute, ob sich da was tut. Plötzlich kam Tehsarik beim Haupteingang herein - völlig naß gespritzt - und keppelte mich an. Es stellte sich heraus, daß der Schalter, welchen ich bedient hatte, für die Berieselung war. Jedes mal, wenn ich abschaltete, ging er zu einem unterirdischen Spritzerl um es zu justieren. Dazu musste er es mit beiden Händen aus dem Boden heraus ziehen. In diesem Zeitpunkt aber schaltete ich die Anlage ein und er wurde naß gespritzt. Er lief weg - ich schaltete wieder ab. Das ging mehrere male so. Von dem bekam ich nichts mit, was er mir aber nicht glaubte. Meine Kollegen sagten später zu mir, daß ich das gut gemacht habe - sie glaubten mir auch nicht, daß das nur unbeabsichtigter Zufall war.
Geschrieben von Helmut Wagner am 20 Mai 2020 21:16

15 - Telefonumschalter Elektrowerkstatt, Erdtastenschaltung / 1974
In der Elektrowerkstatt hatte der Telefonapparat die Klappe 265. Der hatte nur die Berechtigung Haus. Mit dem konnte man nicht nach draußen telefonieren, es konnte keine Freileitung durch die Telefonzentrale zugewiesen werden und man konnte auch nicht von außen angerufen, bzw. Gespräche durchgestellt, werden.

Neben der Elektrowerkstatt war das Büro vom technischer Dienst (TD) mit den Klappen 263 und 283; diese hatten die Berechtigung Fernamt. Weil es recht günstig war, bei Bedarf zu Hause anzurufen und dabei nicht zum einzigen öffentlichen Fernsprecher im Werk zu gehen, wurde unter dem Schreibtisch vom Meister ein versteckter Umschalter montiert. Mit diesem konnte der Apparat 265 auf die Leitung 263 parallel zugeschaltet werden. Bei Telefonaten war es erforderlich, daß im TD Büro niemand war, denn man konnte beim Wählen das läuten der Klingel im anderen Apparat hören. Auch wenn beim Apparat 263 gewählt wurde, klingelte es im Apparat 265. Bei Anrufen läuteten beide Apparate. Das war durch die Holzwand zu hören. Dieses Zuschalten durfte nicht erfolgen, es war nur ein geduldeter Zustand. Meistens wurde das in der Nachmittagsschicht gemacht, da ja tagsüber niemand zu Hause war, den man hätte anrufen können. Gelegentlich wurde bei Schichtende dann vergessen, den Schalter wieder zurück zu stellen.

Nun ließen wir uns etwas anderes einfallen:
1.) wurde in der Telefonzentrale der Apparat 265 so berechtigt, dass man nach draußen telefonieren kann, und dass das vorne am Berechtigungslötigel nicht sichtbar war. Diese Lötigel hatte auch eine Rückseite - hier waren unbeabsichtigt genau die beiden Lötstifte aneinander geraten, um den Apparat amtsfähig zu machen. Dieser Lötigel war mit hunderten Stiften bestückt, überall gab es Löstellen und weggezwickte Drähte. So konnte das nur erkannt werden, wenn man genau nach dem Richtigen sucht. Außerdem könnte das auch zufällig beim Hantieren im Schaltkasten passiert sein.
2.) musste die Erdtastenfunktion - mit welcher die Amtsleitung gerufen wurde - so deaktiviert werden, daß sie beim Überprüfen des Apparates nicht aktiv war. Es war aber auch notwendig, die Erdtastenfunktion ohne viel herumzuschrauben unauffällig zu aktivieren. Dazu verwendeten wir einen Taster für die Lampenprüfung, auf dem in der Elektrowerkstatt montierten Prüfschaltkasten, welcher über ein Zeitrelais den sonst bei Hausapparaten nicht erforderlichen grünen Draht für zwei Sekunden einschaltete. Diese Schaltung konnte nur bei abgehobenen Hörer aktiviert werden - sonst hätte sich vielleicht bei Betätigung der Lampenprüfung das Zeitrelais im Schaltkasten verraten. Die Erdtaste funktionierte nur innerhalb von zwei Sekunden nach dem Abheben. Davon wussten aber nur einige Vertrauenswürdige.
Geschrieben von Helmut Wagner am 19 Mai 2020 21:52

14 - Telefonkabelverlegung / 1974
Eines Tages bekamen die Elektriker den Auftrag, ein neues Telefonkabel von der Telefonzentrale des Hochhauses in den Telefonverteiler der Halle 3 zu verlegen.
Das Kabel: 100 paarig (für 100 Telefonschlüsse), ca. 200 m lang.
Dazu wurden die Elektrikerlehrlinge und noch einige Helfer eingeteilt. Dadurch, daß ich gute Gebäudekenntnisse hatte und bekannt war für gewissenhafte Arbeiten, wurde ich als Vorarbeiter bestimmt. Wir brachten die große, schwere Kabeltrommel bei einem Einstiegschacht vor dem Maschinenhaus in Stellung. Dort war auch circa die Mitte der Leitungslänge.
Wir verlegten das eine Ende des Kabels Richtung Werk - ich nahm dazu den Anfang des Kabels und bewegte mich durch den unterirdischen Kabelgang. Zuvor habe ich den Leuten gesagt, was zu machen ist. Ich kroch dann von einer anderen Stelle in den Kabelgang, da der Einstieg rund um den Deckel vor dem Maschinenhaus mit dicken Spinnweben von Wolfsspinnen behaftet war. Mit dem Kabel kroch ich dann im unterirdischen Schacht, so wie es dann an der Wand montiert werden konnte, d.h. nichts einfädeln, aber am Boden liegen lassen. Je länger das Kabel im Schacht eingezogen wurde, um so mehr musste man ziehen. Das erforderte, daß jeweils nach ca. 25 Meter ein weiterer Arbeiter das Kabel nehmen und ziehen musste. Ich gab die Geschwindigkeit der Einbringung vor, weil ich vorne weg ging und den Weg bestimmte. Auch an jeder Ecke des Weges musste ein Arbeiter mit dem Kabel handtieren. Schließlich war das eine Ende im Verteiler der Halle 3 angelangt.
Nach einer Pause ging es weiter; alle waren bereits ziemlich staubig. Zunächst wurde der ganze Rest des Kabels von der Trommel abgewickelt (da wir das andere Ende brauchten) und auf der Straße bzw. der angrenzenden Wiese gerade ausgelegt. Zwischenzeitig ging ich wieder in den Schacht, nahm den von anderen Kollegen herunter gelassenen Anfang und legte den Weg Richtung Hochhaus / Telefonzentrale fest. Dort angelangt kam ein Arbeiter und sagte, daß wir etwas eingefädelt hätten und somit die halbe Länge des Kabels (ca. 100 m) wieder heraus ziehen und neu verlegen müssen. Diese Kabelverlegungsarbeiten dauerten den ganzen Tag. Mehrere weitere Tage dauerte die fixe Montage des Kabels an der Wand in den unterirdischen Kabelgängen und der Kellerräume.
Geschrieben von Helmut Wagner am 18 Mai 2020 19:32

13 - Kanalverstopfung Werk / Sommer 1974
Immer wieder waren auch WC - Anlagen im Werk verstopft. Das zu beheben, war die Aufgabe der Installateure. Sie arbeiteten schnell damit das Abwasser wieder floss, wenn die übergelaufene Scheiße aus den Muscheln im EG noch am Boden verteilt war, kamen die Reinigungsfrauen und putzten alles sauber. Einer der Installateure war recht sauer, wenn er solche Aufgaben hatte. Immer wieder wurden Binden als Ursache der Verstopfung gefunden, bzw. aus den Muscheln oder Rohren gezogen. Eines Tages lief er mit so einer gefunden Binde durch die betroffene Werkshalle in dem WC Bereich und rief: wem gehört die? Wegen dieser Frage bekam er aber Schwierigkeiten mit seinem Chef, denn so was fragt man nicht, zumal in allen Werkshallen immer sehr viele Frauen anwesend waren. Gebracht hat es nichts - immer wieder gab es solche Verstopfungen, obwohl geeignete Behälter in den WCs aufgestellt waren. Damals gab es in jeder WC - Gruppe nur einen Behälter; nicht aber in jeder Kabine eine, so daß es verständlich war, daß die Frauen es lieber in der Muschel entsorgten, als vielleicht von anderen beobachtet wurden, wenn sie den Gemeinschaftsbehälter benutzten.
Geschrieben von Helmut Wagner am 17 Mai 2020 20:30

12 - Beschleunigungstest / 1974
Der Elektrikergeselle Gamp war im Hochhaus beschäftigt. Wie erzählt wurde, hatte er einen Autounfall. Seitdem hatte er Probleme mit einem Fuß, konnte nicht schnell gehen und nicht auf Leitern steigen. So forderte er für umfangreichere Elektroarbeiten die beiden Lehrlinge an. Das freute uns, da wir gerne im Hochhaus arbeiteten. Auch deshalb, weil jener Gamp ein recht freundlicher junger Kollege war, der immer etwas Lehrreiches erzählen konnte. Er war beim Portier im Werk 2 und ließ uns über die Rufanlage in die Portierloge kommen. Da er schlecht bei Fuß war, kam er mit seinem Auto vom Hochhaus. Mit dem fuhren wir dann ins Hochhaus zurück. Auf der Eumigstraße (welche erst kürzlich neu Asphaltiert wurde) gab er mit seinem Auto, einen getunten 1er Golf Vollgas, daß es uns in die Sitze drückte. Auf den wenigen 100 Metern zwischen den beiden Werkseinfahrten ging die Tachonadel über die 100er Marke; in dem Moment musste er aber scharf abbremsen, um nicht die Einfahrt zum Parkplatz zu verpassen. Solche Beschleunigungsversuche waren auf diesem Straßenstück kein Problem, da hier nur die Firma Eumig war. Auf der anderen Straßenseite ein Feld, und hinten am Straßenende, begann ein Feldweg.
Geschrieben von Helmut Wagner am 16 Mai 2020 20:57

11 - Kanalverstopfung Eumig Hochhaus / Sommer 1974
Eines Tages wurden wir von einem Installateur um Hilfe bei einer Kanalverstopfung gebeten: ganz einfach nur am Ende der Kanalreinigungsfeder mit der Kurbel drehen. Mein Kollege Zeiner drehte die Kurbel; der Installateur schob dabei die sich drehende Feder in die Putzöffnung des Kanalrohres, ging dann wo anders hin und sagte: immer weiter drehen und nachgehen. Dadurch stand Zeiner nach einiger Zeit selbst beim Kanalputzdeckel und drehte. Plötzlich schoß Gülle aus der Putzöffnung; jemand hatte in einer der Etagen darüber runter gelassen und Zeiner war der Beschissene.

Der Kanalstrang war in einem 90 Grad Bogen an der Decke der Kellergarage verstopft. Der Installateur stieg auf eine hohe Leiter, lockerte die Befestigung des Kanalrohres und begann, an dem Bogen zu rütteln. Langsam und vorsichtig zog er den Bogen von dem aus der Decke kommenden Kanalrohr, bis etwas Gülle aus der Muffe spritzte. Nun versuchte er mit allen Kräften, den Bogen wieder auf das Rohr zu schieben, aber erfolglos. Die Rohrverbindung trennte sich und die Scheiße spritzte in alle Richtungen, bis der Rohrstrang leer war. Einige Kollegen beobachteten das, weil auf Grund der zuvor geschilderten Ereignisse mit einem aktionsreichen Ende zu rechnen war. Es wurde ihm eine Scheibtruhe mit einer Faßschaufel gebracht, um seinen Arbeitserfolg aus der Kellergarage auf die Wiese hinter dem Maschinenhaus zu verfrachten. Die Menge war so groß, daß er mehrmals fahren musste. Anschließend alles Restliche mit dem Schlauch in den Gulli waschen. Erst danach durfte er duschen gehen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 15 Mai 2020 20:51

10 - Eingerosteter Kugelhahn bei Druckpumpe Hochhaus / Sommer 1974
Eine der Trinkwasser - Drucksteigerungspumpen war zu tauschen. Der Installateur schloss die beiden Kugelhähne der betroffenen Pumpe und entfernte alle Schrauben an den Anschlußflanschen. Ich sagte ihm, wir sollten zur Sicherheit jeweils zwei Schrauben in jedem Flansch belassen, um im Notfall den Flansch wieder zuschrauben zu können. Er wollte es anfangs nicht, machte es aber dann doch. Als die Schrauben locker bzw. entfernt waren, haben wir den Flansch mit einem Beißer auseinander gedrückt, da sie zusammen gerostet waren und sich nicht trennten. Plötzlich schoß das Wasser heraus, wir waren sofort ganz naß, aber wegen der noch nicht ganz entfernten Schrauben konnten wir den Flansch wieder dicht schrauben.
Was war geschehen? Der Kugelhahn war kaputt - der Hebel war auf der Welle durchgerutscht und hatte ihn nicht geschlossen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 08 Mai 2020 19:32

9 - Geplatzte Füllstandsanzeige / Sommer 1974
Im Keller des Hochhauses - in der Heizzentrale - war auch die Drucksteigerungsanlage des Trinkwassernetzes untergebracht. Das war notwendig, um genügend Wasserdruck auch in den obersten Etagen zu haben. Dazu waren zwei kräftige Wasserpumpen und ein Windkessel installiert. Dieser Windkessel hatte - zur Kontrolle des Füllstandes - ein langes Glasrohr an seiner Außenseite, welches wegen Bruchgefahr auf eines aus Kunststoff gewechselt wurde. Dieses aber bog sich mit der Zeit und drohte, aus seinen Klemmanschlüssen zu rutschen. Beim Versuch, es wieder gerade zu biegen, rutschte es plötzlich aus seiner Klemmung und spritzte uns komplett naß, bevor wir die Ventile schließen konnten.
Geschrieben von Helmut Wagner am 07 Mai 2020 22:55

8 - Vergessener Pfropfen / Sommer 1974
Ein Installateur vom Werk war mit der Wasserinstallation im Sanitärbereich von Dr. Hauser im 10. OG beschäftigt. Die Mittagspause nahte. Er begab sich in den Keller um das Wasser auf zu drehen, so daß sich über die Zeit, wo er Mittagessen war, der Rohrstrang füllen konnte. Wieder zurück gekommen fragten ihn die Tischler vor Ort, warum - obwohl strahlender Sonnenschein war - das Wasser im 3. Stock von der Decke tropft. Der Installateur hatte vergessen, einen Pfropfen in die Leitung zu schrauben. Ab diesem Zeitpunkt hing in der Werkstatt der Schlosserei, wo auch die Installateure untergebrachte waren, eine dicke Schnur mit darauf aufgefädelten Pfropfen aller Dimensionen und einer Zusatztafel mit er Aufschrift: Pfropfen nicht vergessen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 06 Mai 2020 20:00

7 - Feueralarm (Übung) Eumig Hochhaus / Sommer 1974
Er sperrte gerne Türen zu. Die Tür hinter dem Portierbereich führt zur Portiergarderobe, zur Telefonanlage (50/500), Rufanlage und Gegensprechanlage. Meistens unversperrt, da im Kontrollbereich des Portier. Tehsarik wollte, daß diese Tür immer versperrt ist. Im Büro der Hausverwaltung gibt es verschiedene Bedienknöpfe für die Haustechnik, darunter auch welche, für die Brandmeldeanlage. Bei einem Testversuch hat Tehsarik versehentlich die Tonbanddurchsage für die Hausevakuierung im Brandfall aktiviert. Wenn man das macht, kann man noch schnell in die Telefonzentrale laufen (ca. 50 m) und das Tonband stoppen. Aber an diesem Tag war die Tür abgesperrt. In der Eile konnte er die Türe nicht schnell genug aufsperren, das Tonband hat zwar eine Vorlaufzeit, doch der Text begann und die Belegschaft verließ geordnet (wie geübt) das Gebäude über die Stiegenhäuser. Da es keine angekündigte Übung war, machten sich auch Vockenhuber und Hauser auf den Weg. Das hatte aber ein Nachspiel für Tehsarik, weil es weder eine Übung noch eine sonstige Notwendigkeit für die Hausevakuierung gab. Ab diesem Zeitpunkt war diese Tür tagsüber nicht mehr versperrt.

An einem Tag mit angekündigter Feueralarmübung war ich mit Arbeiten am Dach beschäftigt. Beim ersten Alarm ging ich den weiten Weg von ganz oben über das Stiegenhaus hinunter auf den Parkplatz. Nach Alarmende waren die Aufzüge längere Zeit mit vielen Personen überfüllt, sodass ich wieder über das Stiegenhaus bis hinauf aufs Dach ging. Es gab aber noch weitere Alarmübungen an diesem Tag, bei welchen auch die Evakuierungszeit genommen wurde. Ich beschloß deshalb, am Dach zu bleiben und nicht mehr hinunter zu gehen. Bei der letzten Übung blieben die Leute unten am Parkplatz stehen und die Alarmdurchsage aus den Lautsprechern verstummte nicht. Nun wurde mir mulmig, ich glaubte, dass diesmal wirklich etwas passiert sei. Ich wartete mehrere Minuten, aber es kam keine Entwarnung; alle Personen blieben am Parkplatz stehen. So ging ich langsam hinunter und hoffte, daß nicht ich der Grund war, warum die Übung so lange dauerte, weil sie genau auf mich gewartet hatten, oder daß es wirklich ein Ernstfall war. Nach dem ich einige Stockwerke hinunter gegangen war, kam endlich die erlösende Durchsage über die Lautsprecher: Ende der Übung, alle Mitarbeiter bitte wieder zurück an die Arbeitsplätze.
Geschrieben von Helmut Wagner am 05 Mai 2020 19:50

6 - Eusmon Riechprobe, Spuckprobe vom Dach / Sommer 1974
Als ich eines Tages am Dach ganz oben war, sah ich einige mir unbekannte, oben offene Rohrleitungen. Neugierig ging ich hin und las am Schild: Eusmon. Ich wusste nicht, was das bedeutet und so stieg ich auf den Betonsockel, um zu riechen, was da raus kommt. Sofort wusste ich, was das war: die Abluft von den WC - Schalen, ein unverkennbarer Geruch.

Ein schöner, warmer, sonniger Tag, fast kein Wind. Vom Dach blickend, sahen wir daß die Wiese rund um das Hochhaus angelegt wurde. Eine leere Scheibtruhe stand fast unterhalb der Stelle, wo wir am Dach waren (fast auf der Gebäudeecke). Nun die Frage: wer schafft es, in die Scheibtruhe zu spucken? Dazu sammelte jeder den Mund mit viel Spucke. Es wurde auf einen Windstillen Moment gewartet und die Spucke auf die Reise geschickt. Der Fall der Spuckekugel dauerte einige Sekunden - es waren ca. 50 m freier Fall - der Fallweg wurde durch leichten Wind abgelenkt, mal nach links, mal nach rechts, aber stets Richtung Scheibtruhe. Plötzlich kam ein Arbeiter mit einer Glatze um die Ecke und wollte die Scheibtruhe nehmen. Als sein Kopf über der Scheibtruhe war, hörten wir nur: Klatsch. Wir sind sofort von der Dachkante zurück gezuckt, da wir nicht wussten, ob die Spucke in die Scheibtruhe oder auf seine Glatze fiel.
Geschrieben von Helmut Wagner am 03 Mai 2020 22:16

5 - Feuermeldermontage Eumig Hochhaus / Frühjahr 1974
Wir beiden Lehrlinge hatten den Auftrag, gemeinsam, die Feuermeldereinsätze in die schon montierten und angeschlossenen Gehäuse in den Zwischendecken der Büros einzubauen. Dazu durften wir aber nur jeweils einen Einsatz gleichzeitig aus der Aufbewahrungsbox in der Telefonzentrale nehmen (weil die Einsätze radioaktiven Inhalt hatten?) und montieren. Diese Aufgabe war sehr einfach, weil die Einsätze nur einzustecken waren. Die meiste Zeit verging damit, daß wir auf den Aufzug warten mussten; es gab während der Bauzeit nur einen aktiven Aufzug im Hochhaus, welcher von allen Arbeitern verwendet wurde. Durch Transporttätigkeiten war der Aufzug oft minutenlang durch Ladetätigkeiten blockiert und blieb dann auch noch in jedem Stockwerk stehen. Türblockaden durch Baustaub und Ladegut oder Kabinenüberlast führten oft zu langen Wartezeiten.

Eines anderen Tages waren wir mit der Kabelverlegung im Dachgeschoß für die Feuermelder beschäftigt. Nach der Mittagspause waren wir am Dach; es war sehr schönes, warmes Wetter. Bevor wir wieder zur Arbeit gingen, schauten wir hinunter auf das Werksgelände. Dabei sahen wir Tehsarik kommen - und er sah uns auf dem Dach. Als wir etwas später von der Dachfläche in das Dachgeschoß zu unserer Arbeit gehen wollten, war die Tür versperrt; wir konnten nicht zurück. Die einzige Möglichkeit war, über die Lüftungsschächte im Dachgeschoß - bei völliger Dunkelheit, dicke Staubschicht und hohen Temperaturen - zu kriechen. Dabei wussten wir, daß es an manchen Stellen durch die Steigschächte bis hinunter in den Keller geht; Absturzgefahr. Auf den isolierten Luftschächten standen auch spitze Drahtstifte aus den Isoliermatten heraus. Unbeschadet - aber sehr schmutzig und verschwitzt - sind wir wieder bei unseren Verkabelungsarbeiten angelangt. Als wir wegen einer Arbeitsbesprechung bei Tehsarik waren, fragte er lächelnd: seid ihr schmutzig geworden? Ich glaube, er hat uns am Dach gesehen und ausgesperrt.
Geschrieben von Helmut Wagner am 02 Mai 2020 19:29

4 - Dichtheitsprobe Dach Eumig Hochhaus / Frühjahr 1974
Eines Tages: wir beide Betriebselektrikerlehrlinge arbeiteten schon mehrere Wochen durchgehend im Eumighaus - scheinbar gab es Terminschwierigkeiten bezüglich der Fertigstellung wegen der bevorstehenden Eröffnung.

Der Auftrag: Dichtheitsprobe der Dachfläche, bevor die Zwischendecke im 10. OG geschlossen wird. Dazu sollten wir von der Sportsektion im Werk Lederfußbälle mit Luftpumpen, eine Stoppuhr, eine Trillerpfeife sowie mehrere Gummistiefel aufs Dach bringen. Wir vermuteten, daß sich da wieder etwas unvergessliches zutragen wird. Mit den beauftragten Sachen wieder am Dach angekommen waren da schon mehrere Kollegen unter der Leitung von Tehsarik versammelt.

Der Arbeitsablauf: alle Dachgulligitter öffnen, die Luft aus den Fußbällen raus, in die Gulli hinein stopfen und aufblasen. Dann mit der Feuerlöschpumpe im Keller - über den Steigstrang am Anschluß auf dem Dachgeschoß - mit dem Feuerwehrschlauch das Dach Gummistiefelhoch fluten. Tehsarik stoppte die Zeit, wie lange das Fluten dauerte. Im 10. Stock wurde die Decke, und die darin befindlichen Durchgänge aufs Dach, kontrolliert - alles dicht.
Danach die Frage: Wie lange würde die schnellstmögliche Dachentleerung dauern? Dazu sollte sich zu jedem Gulli ein Arbeiter stellen und wenn Tehsarik mit der Trillerpfeife das Signal gibt, alle Fußbälle gleichzeitig herausziehen. Es wurde in Stellung gegangen und beim Pfeifsignal Wasser marsch aktiviert. Das Wasser begann abzufließen - immer schneller. Nach kurzer Zeit und durch den starken Sog der hohen Wassersäule wurde ein starker Strudel mit zischendem Sog erzeugt, gefolgt von einem lauten Knall und einer leichten Erschütterung. Alle am Dach anwesenden schauten sich gegenseitig achselzuckend an. Nichts Schlimmes ahnend, betrachteten wir das rasch versiegende Wasser am Dach. Tehsarik nahm wieder die Zeit mit der Stoppuhr. Nach einigen Minuten kamen mehrere Maurer mit durchnässten Hosen zu uns aufs Dach und keppelten uns an. Wir sagten ihnen, daß sie zu Tehsarik gehen sollen. Wie sich heraus stellte, hatte die extreme Wasserflut in den ca. 50 m senkrecht nach unten führenden Ablußrohren in den Bögen im Keller zu einem plötzlichen Rückstau geführt, was die Rohre in den Steigschächten platzen ließ. Das ganze Wasser vom Dach stand nun Gummistiefelhoch im Keller, wo die Maurer gerade mit Verputzarbeiten beschäftigt waren.
Geschrieben von Helmut Wagner am 01 Mai 2020 20:39

3 - Arbeitsalltag / Herbst 1973
So ging das einige Wochen; abwechselnd waren Patleych und Bachler in der Frühschicht. Im Gebäude der Elektrowerkstatt - technischer Dienst - waren noch untergebracht: die Maurer und Gärtner, Maler, Schlosser und Installateur, Tischler, Lager Technischer Dienst, Ladestation (für damals lediglich 3 Stapler), Verwaltung Technischer Dienst, die Pechküche, Lager für die Snack - Automaten und einen kleinen Bereich, wo an Filmprojektoren gearbeitet wurde.

Eines Tages saß auf dem Sessel in der Elektrowerkstatt - wo sonst immer Bachler saß - ein anderer Mann (Glatz Alfred). Dieser teilte Arbeiten an die Elektriker aus, ohne scheinbar selbst etwas zu arbeiten. Wie sich später heraus stellte, war er der Elektrikermeister.

In der Eumig gab es zu dieser Zeit die 40 Stunden Woche. Im Lehrvertrag war die Arbeitszeit mit 42 Stunden angegeben. Das erforderte, daß die beiden Lehrlinge im Lehrberuf Betriebselektriker noch zusätzlich 2 Stunden zu arbeiten hatten. Dazu wurde vom Leiter des Technischen Dienstes (Nistelberger Peter) jeden Mittwoch ab 15 Uhr 30 ein 2stündiger theoretischer Unterricht in Elektrotechnik im Speisesaal abgehalten.

Unabhängig davon gab es jede Woche für die Eumig Lehrlinge einen 2stündigen theoretischen Unterricht ab 7 Uhr früh im Volksheim Wr. Neudorf - speziell zugeschnitten für die Optiker Lehrlinge. Es wurde viel Mathematik und Geometrie, wie auch Materialkunde bezüglich Glas und Kittstoffe (Harze) durchgenommen. Sehr einfach zu merken war die Erklärung des Fettfleckfotometers. Dieser Unterricht fand in den weiteren Jahren - als das Eumig Hochhaus fertig war - in einem großen Raum im EG statt. Vortragender dort war Hans Mazanec.

Die praktischen Arbeiten umfassten alle elektrischen Arbeiten am Firmenareal, fast immer im Werk, fallweise auch im Hochhaus; dort waren eigentlich noch 3 andere Eumig Elektriker stationiert: Fülöp?, Brenninger Franz und Gamp Leopold; im Büro Kolar Peter und Tehsarik Carl Heinz.
Jener Tehsarik war ein hektischer Antreiber und konnte es nicht sehen, daß jemand einige Minuten nichts machte. Außerdem hatte er bei seinen technischen Arbeitsversuchen und Tests oftmals Pech, weil er auf dieses oder jenes vergaß, oder die verstrichene Zeit unterschätzte.

Aus Erzählungen überliefert: er schaltete eines Tages im Keller 3 die Brunnenpumpe ab (in den Brunnen floss auch das Kühlwasser der Produktion) um zu messen, wie lange es dauern würde, bis der Brunnenschacht über geht (übrigens - der Grundwasserspiegel war auch sehr hoch, ca. 0,5 m unter dem Kellerboden). Der Wasserspiegel stieg aber recht langsam, worauf er beschloß, zwischenzeitig etwas anderes zu machen. Als er wieder am Werksgelände oben angekommen ist, hat er auf die Pumpenabschaltung vergessen. Bis zu dem Zeitpunkt, wo ein Elektriker die ausgefallene Lüftung Halle 3 reparieren sollte und die Kniehohe Überschwemmung und die abgeschaltete Pumpe im Keller feststellte.
Geschrieben von Helmut Wagner am 30 Apr. 2020 18:59

2 - Arbeitsbeginn / 3. September 1973
So ging ich am Montag mit der Sorge zur Arbeit, daß ich Schwierigkeiten bekomme, weil im Lehrvertrag der 1. September als Arbeitsbeginn steht. Einer der Portiere führte mich in die Elektrowerkstatt, in der ich warten sollte, bis ein Elektriker kommt. Kurz darauf wurde ich wieder abgeholt und in die Portierloge gebracht. Draußen auf der Straße fuhr ein Eumig Werksbus vor. In dem sollten alle Lehrlinge einsteigen, um ins Werk nach Wien zu fahren. Nach und nach füllte sich der Bus mit jungen Burschen. Zum Schluß kam noch ein Mann und begann zu erzählen. Der Bus startete und fuhr los. Der Mann begrüßte alle Lehrlingen mit den Worten: angehende Feinoptiker, worauf ich sagte, daß ich Betriebselektriker werden will. So blieb der Bus wieder stehen - er war noch nicht weit gefahren - und ich sollte wieder in die Portierloge zurück gehen und dort warten.

Abermals wurde ich in die Elektrowerkstatt gebracht. Hier wartete bereits ein anderer Lehrling (Zeiner Franz). Dann kam ein Elektriker (Patleych Ewald) mit seiner Werkzeugkiste. Er nahm Franz mit zu seinem nächsten Störungseinsatz. Etwas später - bei einem weiteren Arbeitseinsatz - wurde ich mitgenommen. Nach einiger Zeit und mehreren Einsätzen kam ein anderer Mann in die Werkstatt (Dufaux?). Wie sich später heraus stellte, war das jener Elektriker mit der Kozession, Elektriker auszubilden. Zeiner und ich wurden von ihm zu einem ausführlichen Betriebsrundgang mitgenommen. Nach den Produktions,- Montage,- und Lagerhallen sowie des Maschinenhauses (Energiezentrale) verbrachten wir längere Zeit im noch nicht fertig gestellten Neubau des Eumig Hochhauses, der zukünftigen Firmenleitung. Nach dem Mittagessen wieder in der Elektrowerkstatt und abwechselnd bei diversen Arbeitseinsätzen.

Etwas nach 14 Uhr - Schichtwechsel - war plötzlich ein anderer Mann in der Elektrowerkstatt (Bachler Ernst). Er frage uns beide Lehrlinge: Wer von euch beiden telefoniert gerne? Ich sagte gleich, bevor jemand was anderes sagen konnte, dass ich ungern telefoniere. Drauf Bachler zu mir: Du bewachst das Telefon. Wenn es läutet, abheben, Elektrowerkstatt sagen, und dir merken, was der Anrufer sagt. Zu Zeiner sagte er: Und du nimmst die Werkzeugkiste und kommst mit. Wieder abwechselnd, wurden wir von Bachler zu verschiedenen Arbeiten mit genommen.
Geschrieben von Helmut Wagner am 29 Apr. 2020 18:11

1 - Bewerbung / Sommer 1973
Vorgeschichte (1972): Anlässlich einer Schulexkursion war ich im Eumig Werk Wiener Neudorf. Noch gut in Erinnerung die Projektorfertigung mit der Geräuschkulisse der ratternden Elektroschrauber, die Endlosmusikschleife mit dem: il silenzio; in der Optikhalle die quitschenden und rumpelnden Poliermaschinen, sowie die putzereiähnlichen Gerüche in der Linsenreinigung. Auf der Suche nach einer Lehrstelle in Wohnortnähe war ich auch beim Portier der Firma Eumig in Wr. Neudorf. Dieser sagte, daß ich zuerst nach Wien in die Buchengasse müsse; dort ist die Firmenzentrale. Ich wurde als Betriebselektrikerlehrling aufgenommen und sollte mich am 1. 9. 1973 beim Portier im Werk Wr. Neudorf um 7 Uhr früh einfinden. Einige Tage vor dem Termin sah ich am Kalender, daß dieser Tag ein Samstag ist und war der Meinung, daß man an einem Samstag nicht mit einer Lehre beginnt. Deshalb ging ich erst am darauf folgenden Montag hin.
Geschrieben von Helmut Wagner am 28 Apr. 2020 22:49

Hollandisches Sammler und Mitglied
My Eumig adventure started around the year 2000FEHLERWHENSDBi found a bright red box in my parents shed with a weird brand name on itFEHLERANDDBa Mark 607DFEHLERANDDBMini 3 in it.(i was 13) My father bought them at a flea market only because it included a screen, which he needed for his slide projector. The rest would be sold later. That never hapenedFEHLERANDDBit started my collection. now, exactly 20 years later i own about 350 eumig branded items.
Geschrieben von Erik Snel am 02 Apr. 2020 19:59

Erzählung Maurizio Di Cintio
I was very young when I received my first Eumig projector (Mark 804 D).
I used it quite heavily, to record sound for several of my personal films (some
of them were short features, some other documentaries). Great machine, but
eventually the sound head failed. It was mid 80s and I couldn't find any
replacement so I wrote to Eumig in Neudorf but my letter was returned with the
sign "not more existing" Thus I learnt about Eumig's end, and I'm
still so sorry...
Geschrieben von Maurizio Di Cintio am 22 Apr. 2017 08:17

Erzählung Alfred Peischl



Demobus_eumig_10.05.1978_1Ich war als Mitarbeiter von TEKTRONIX auch Lieferant bei Eumig.


Um unsere Messgeräte  den Kunden effizienter näherzubringen kurvten wir mit dem Bus, der vollgestopft mit den neuesten Oszilloskopen war, von Firma zu Firma.


Am 10. Mai 1978 waren wir bei Eumig in Wr. Neudorf und ich wollte - so wie immer - ein Erinnerungsfoto machen.


Doch der Portier vereitelte dieses Vorhaben, kam aus dem Gebäude gestürzt und verbot mir, zu fotografieren.



So musste ich mich ein paar Schritte nach draußen auf die Straße begeben und hier entstand das Foto.

Geschrieben von Alfred Peischl am 22 Apr. 2017 08:16

Insgesamt: 103 Datensätze
 
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