Diese Angaben stellen Auszüge aus einem von Hrn. Ing. Bidmon damals geführten Tagebuch dar. Diese wurden jetzt in Zusammenarbeit mit Frau Uschi Seemann und den Herren Ing. Otto Pferschy, Ing. Dkfm. Robert Krancsics, Werner Schöfnagl und Ing. Helmut Bidmon teilweise erweitert bezw. abgestimmt.


1980:

Das Geschäftsjahr 1979 schloss mit einem Verlust von 678 Millionen ATS ab.
Die Höhe des Verlustes ergibt sich aus dem reduzierten Umsatz gegenüber den Vorjahren, dem Rückgang der Polaroid Produktion, die de facto ausgelaufen ist, sowie aus den Verlusten aus dem Werk Fohnsdorf und den Finanzierungen der Verluste durch die Länderbank (höherer Zinsaufwand)

15.02.1980: Sanierungsvorschlag vom "Rat der Weisen" 

1) Personalabbau
2) Qualitätsverbesserung
3) Kostenreduktion bei Kameras und Projekoren - 15%
4) Gemeinkosten senken um 20%
5) Erfolge im Industrieverkauf anstreben
6) Werksstruktur, Fertigungstiefe überprüfen
7) Wettbewerbsfähig produzieren (Kosten) ... „Benchmark“ (Öko-Kamera, u.a.)

Noch im Februar wurde eine “Gemeinkosten-Wertanalyse = GWA“ (mit Unterstützung der Beraterfirma Mc. Kinsey) gestartet.

Mitte März brannte es im Werk Bad Deutsch Altenburg.

15.04.1980 Die Mitarbeiter des Werks Bad Deutschaltenburg werden informiert, dass ihr Werk geschlossen wird. (Nach erfolgter Schließung konnten viele Mitarbeiter an die Firma Philips vermittelt werden. Lehrlingen wurde eine Weiterführung der Ausbildung in Wr. Neudorf ermöglicht).

Für zukünftige Produktionen benötigte Maschinen werden übersiedelt, - der Rest verbleibt im Werk (Verkauf).
Aufgrund der Größe der Lackier-Anlage musste diese im Werk zurückgelassen werden.

17.04.1980:
Abschlussbericht Mc. Kinsey: "Eumig ist sanierungsfähig und sanierungswürdig". (20 - Punkte – Programm !... unter "Zukunftssicherung Eumig“)

13.05.1980: Die Absiedlung von Bad Deutsch Altenburg ist abgeschlossen.

15.05.1980: Das Werk Bad Deutsch Altenburg ist geschlossen.

06.05.1980: Es wurde beschlossen, die Produktion der TV - Kameras von Yverdon nach Fürstenfeld zu verlegen.

14.05.1980: Die Ölversorgung für das Werk Wiener Neudorf stand erstmals in Frage.

19.05.1980: Die ersten Kündigungen in Fohnsdorf wurden ausgesprochen.
Probleme durch diese Kündigungen: - ein Nationalrat (Stmk) informiert das Bundeskanzleramt.

Per 28.05.1980 scheiden Ing. Karl Vockenhuber und DDr. Raimund Hauser als Eigentümer und Geschäftsführer aus.
Ihre  Eigentumsanteile übernimmt die Österreichische Länderbank.
DDr. Hauser verkauft seinen Anteil an die Länderbank um 1,- ATS, Ing. Vockenhuber möchte sich noch weiter als Angestellter zur Verfügung stellen, verzichtet aber auf Anraten seines Rechtsanwaltes später, da ihm ein drohender Konkurs angelastet hätte werden können, und er seit dem Eintritt der Manager der Länderbank keine Handlungsfreiheit mehr hatte. Sämtliche Sanierungsvorschläge seinerseits wie z.B.: die Ausgliederung der Werke, oder ein Verkauf des Hochhauses an die Eumig - Versicherung der Anglo Elementar Versicherung und dessen Rückleasing wurden seitens der Länderbank abgelehnt, er versuchte auch eine Eumig - Übernahme durch die Firma Bosch, oder der Kamerafirma Nizo. Alles wurde seitens der Bank abgelehnt, aus der Politik kam keine Hilfe.
Beide Eigentümer werden aus der Haftung entlassen. DDr. Hauser wurde die Zahlung seines Geschäftsführergehalts bis Jahresende zugestanden, Ing. Vockenhuber als Abgeltung seiner Erfinderrechte eine monatliche Zahlung von 50.000,- ATS, die sich nach seinem Ableben um 50% vermindert an seine Ehefrau übertragen hätte sollen. Diese Zahlung kam nur ein Mal zur Auszahlung.
Ing. Vockenhuber verlässt am 28. Mai 1980 zum letzten Mal sein Büro im 10. Stock und geht alle zehn Stockwerke zu Fuß hinunter um das Haus zu verlassen.

Auch Dkfm. Gerhard Kube, der kaufmännische Direktor der Eumig scheidet zu diesem Zeitpunkt aus dem Unternehmen aus. Gleichfalls kündigen die Sekretärin und der Chauffeur Vockenhubers.

Dkfm. Josef Pollak wird durch die Länderbank als Leiter der Finanzen eingesetzt. Er richtet u.a. rasch einen „EDV-Lenkungs-Ausschuß“ ein.

Dkfm. Helmut Zoidl wird am 02.06.1980 als Geschäftsführer für den Finanz - und Materialwirtschaftsbereich durch die Länderbank vorgestellt.
Zur selben Zeit sind in der Länderbank zwei Aufsichtsräte ausgeschieden.

Dr. Gerhard Friedrich, der ehemalige Pressesprecher von Eumig, der einige Jahre die Redaktion der Werkszeitung Eumig Lupe innehatte und seit 1979 beim ORF tätig war, nahm Kontakt mit der Eumig auf, um eine "Schilling" - Sendung des ORF über die Eumig vorzubereiten. (Ausstrahlung am 28.05.1980)
Von Geschäftsführer Dr. Benczak wurde ein "Maulkorberlass" verhängt, dass keine Zahlen und größeren Fakten an die Presse weitergegeben werden dürfen.
Vom ORF wurde wiederum Kontakt aufgenommen für die Sendung "Prisma".

Die "Nautica" wurde am 10.06. in oranger Farbe vorgestellt.

Der Generaldirektor der Länderbank Dr. Erndl besuchte die Eumig.

Weiße Arbeitsmäntel der Eumig werden abgeschafft, es gibt nur mehr die grauen.

Am 13. Juni  wurde die Betriebsberatungsfirma Plaut mit der Installierung eines Kostenplanung- und Kostenrechnungsystem betraut.

24.06.1980: Unter Leitung von Gen. Dir. Dr. Erndl (Länderbank) fand, mit größerer Beteiligung von Eumig- Mitarbeitern, eine „Motivations-Tagung“ im Novotel / Vösendorf statt. 

Am 23. Juni wird Dkfm. Markowitsch durch Dipl. Ing. Nähr ersetzt.

01.07.1980:
Herr Dipl.Ing. Karl Nähr wird im Werk als Technischer Geschäftsführer vorgestellt. Dipl.Ing. Nähr kam von Firma Philips.

Beginn des Projektes "Military" (durch Eumig - Lasergeräte)
Der Indurstrieverkauf war ein Hoffnungsfeld. Erste Aufträge für IBM und Hasselblad. 13 Personen sind damit in Fürstenfeld beschäftigt.

Beginn der Schwierigkeiten für Betriebsleiter Ferdinand Heider (Werk Fohnsdorf), der umgeschulte Bergarbeiter für feinmechanisch höchste Ansprüche in der Telekommunikationstechnik einsetzen musste.

Die "Nautica" 2 wird orange

07.07.1980: Vorstellung eines Betriebsabrechnungsbogens.
Die Qualitätskontrolle wurde aus den Betrieben ausgeklammert. Vorher waren die jeweiligen Betriebsleiter für die Qualitätskontrolle zuständig.

Am 17.07.1980 fand die erste Vollversammlung in Wiener Neudorf statt. (Dr. Benczak)

Herr D.I. Nähr, Herr Tichy (Länderbank) und Herr Bidmon fuhren am 23.07. nach Fohnsdorf, und am 24. 07 nach Fürstenfeld um diesen Teil der neuen Geschäftsleitung vorzustellen.

Erste Interessenten fanden sich für das Werk Bad Deutsch Altenburg ein.

Herr D.I. Nähr, Herr Tichy und Herr Strnad (Länderbank) besichtigten das Werk Wr. Neudorf.

01.08.: Erste Ausgabe des "Finanzhandbuches"

KTM interessierte sich für den Lackierautomaten in Bad Deutsch Altenburg.

Am 28.08.80 wurde das "Material - Management" eingeführt.

28.08.80: Beginn der Vernichtungs  Aktion der Metropolitan - Geräte: 150 Stück halbfertige und fertige Metropolitan CC & CCD - Geräte wurden in die Müllverbrennung Flötzersteig gebracht.
(Am 11.11.80 war die Vernichtung sämtlicher Geräte abgeschlossen)

Weitere Vollversammlung am 18.09. in Wiener Neudorf.

Ab 29. September hat die Optik in Wiener Neudorf nur mehr in der Normalzeit (keine Schicht) gearbeitet.

Vollversammlung am 23.09. in Fürstenfeld mit Herrn D.I. Nähr, anschließend Ringverleihungen für treue Dienste für 10 Jahre im Betrieb, für 48 Personen.

02.10. Inventur im Werk Fohnsdorf als Vorbereitung für die Umwandlung in eine Ges.m.b.H., rückwirkend mit 01.01.1980.

Im Oktober: mehrere Besuche von Firma Philips und Siemens in Fohnsdorf, da sie mit der Qualität der gelieferten Ware nicht zufrieden waren.

10.10.: neue Organigramme für die Betriebe.

21.10.1980: Vollversammlung in Fohnsdorf betreffend die Leitung von Betriebsleiter Heider.
Der Betriebsrat hat die Belegschaft (ca. 400 Personen), Landespolitiker, Nationalrat Kokeil sowie Bundeskanzler Dr. Kreisky informiert, die Belegschaft und der Betriebsrat stehen voll hinter ihrem Betriebsleiter Heider!

Obwohl die Situation schlecht ist, müssen in Kirchdorf 5 Männer und 10 Frauen für den Industrieverkauf aufgenommen werden.

Am 29.10.80 Vollversammlung in Fohnsdorf, unter Anderem geht die Information an die Belegschaft, dass Betriebsleiter Heider für den 06.11. zu Kreisky eingeladen wurde.

Für den 5. November hat die Geschäftsleitung der Eumig die Betriebsräte von Fohnsdorf zu einer Aussprache nach Wr. Neudorf eingeladen.

Anweisung von oben: Das Budget für 1981 ist auf 1.550 produktive Personen zu berechnen. Bei den unproduktiven Personen: (1.750)  muss um 350 Personen reduziert werden.

06.11.1980: Besuch eines chinesischen Ministers bei Eumig.

07.11.: Vollversammlung in Fohnsdorf, Nationalrat Kokeil informiert die Belegschaft, dass eine 50%ige Chance besteht, dass Fohnsdorf in die ÖIAG - der heutigen ÖBIB eingegliedert werden könnte.

Betriebsleiter Heider erfuhr von Bundeskanzler Dr. Kreisky anlässlich seines Besuches in Wien im Beisein von Staatssekretär Dr. Ferdinand Lacnia, dass er Betriebsleiter bleiben wird.

13.11.: Erstes Gepräch (von 10 bis 20 Uhr) über die Auflösung des Werkes Fürstenfeld. (benannt "Plan A")

Am 17.11. wurde dieser "Plan A" an Herrn Zoidl (Eumig Geschäftsführer) übergeben.

Am 18.11. Besuch von Mc Kinsey, um an einem "Plan C" = Auflösung Wiener Neudorf mitzuarbeiten. (Vormittags bis 1 Uhr 30 früh)
Am 19.11. Endgespräch mit MC Kinsey (3 Personen). Diese "Plan C" - Unterlagen wurden noch am selben Tag mit der Geschäftsführung und Herrn Tichy von der Länderbank besprochen.

02.12.: Neue Struktur in Wiener Neudorf (Zukunft), diverse Konsequenzen wurden besprochen.

03.12.: Der Plan Wiener Neudorf zu sperren ist weiter aufrecht, dafür wird vom Werk Fürstenfeld verlangt, dass das volle Programm mit 25% vermindertem Personal zu leisten ist.

04.12.: Aufsichtsratssitzung in der Länderbank um diese Vorgaben zu besprechen.

05.12.: Treffen bei Bundeskanzler Kreisky, Ergebnis: Fürstenfeld soll aufgelöst werden, Betriebsleiter Heider bleibt in Fohnsdorf, Ausgliederung vom Werk Fohnsdorf in die ÖIAG ist noch offen.

10.12.: Das Budget 1981 (Auflösung Wiener Neudorf) wurde von der Geschäftsführung unterschrieben, und an die Länderbank weitergegeben.

16.12.: Treffen bei Kreisky mit den Geschäftsführungen der Länderbank und der Eumig.

22.12.: Pacht der Fleischhauerei in Gloggnitz ist zu kündigen. (Ein Jahr Kündigungsfrist!)

23.12.: Weihnachtsansprache in der Geschäftsführung, bei der bekannt gemacht wird, dass die Entscheidung Fohnsdorf in die ÖIAG einzugliedern, gefallen ist.

Ende Dezember wurde die Überschuldung der Firma "Klimatechnik", die auch ein Kunde der Länderbank war, bekannt.



 1981:

Herr D.I. Nähr besteht darauf schon mit Ende Jänner 1981 die Fleischhauerei in Gloggnitz aufzulösen und die Angestellten zu kündigen.

21.01.1981: Vollversammlung in Fohnsdorf. Herr Haider bleibt nach wie vor Betriebsleiter, Ausgliederung von Fohnsdorf in die ÖIAG.

28.01.: Protestbrief von Betriebsrat Leitgeb vom Werk Fürstenfeld an Dr. Kreisky unter Anderem wegen der geplanten Abgabe der Videoproduktion an Wiener Neudorf.

28.01.: zu diesem Zeitpunkt hat Eumig 3.200 Mitarbeiter. Bis Mitte 1982 ist ein Mitarbeiterabbau von 1.500 Personen vorgesehen.

Bilanzverluste für 1980: 700 Millionen ATS
 
02.02.: 6.000 Videokameras liegen auf Lager.

Entscheidung über den Transfer der Videoproduktion von Fürstenfeld nach Wiener Neudorf wurde getroffen.

05.02.: Entscheidung: Mit Ende Februar ist die komplette Audio- Fertigung einzustellen.

12.02.: Info an die Mitarbeiter des Werkes Wiener Neudorf: Der Frontlader FL 1000 wird zwar eingestellt, aber dafür bekommt Wiener Neudorf die Videofertigung aus Fürstenfeld.

02.03.: 8 Uhr: Besuch von Verteidigungsminister Lütgendorf gemeinsam mit Udo Proksch bei Herrn Dr. Stefan Benczak.

03.03.: Dienstfahrt Dr. Stefan Benczak, Udo Proksch, Ing. Otto Pferschy, Ing. Helmut Bidmon und D.I. Helmut Zehetner zu den Brillenerzeugungsfirmen Anger und Silhouette in Traun, und noch weiteren Firmen. Überlegt wurde eine eventuelle Übernahme von Arbeiten der Brillenfertigung.

06.03.: Der Bruder von Verteidigungsminister Lütgendorf besuchte den Betrieb Wiener Neudorf

11.03.: Erhalt des "Finanzhandbuches" nach Verzögerung von 2 Monaten

26.03.: Brillenfertigung (Udo Proksch) nicht mehr interessant.

14.04.: Das Werk Bad Deutsch Altenburg ist verkauft: an Herrn Schmidt /Firma Polyair in Kittsee

14.04.: Generaldirektor Dr. Erndl der Länderbank präsentiert die Länderbankbilanz 1980 (keine Dividende)

14.04.: war Herr Geschäftsführer Dkfm. Zoidl, Betriebsleiter Rath und der Bürgermeister von Fürstenfeld bei Landeshauptmann Krainer.

22.04.: die Kunststofffertigung soll auf Anweisung von Herrn Dipl.Ing. Nähr von Kirchdorf nach Fohnsdorf übersiedelt werden.

23.04.: Besuchten auf Anweisung von Landeshauptmann Krainer Emissäre das Werk Fürstenfeld. Grund war das vorhergegangene Gespräch mit Herrn Dkfm. Zoidl und Betriebsleiter Rath vom 14.04.

23.04.: Der alte Länderbank Vorstand (Erndl, Koliander, Strnad und Tichy) muss abdanken. Dr. Vranitzky bleibt und wird später als Generaldirektor der Länderbank eingesetzt.

29.04.: Betriebsrat von Kirchdorf trifft sich mit Finanzminister Salcher in Linz.

30.04.: Alle Geschäftführer der eumig waren bei Dr. Ferdinand Lacina: Die Druckgussfertigung und die Kunststofffertigug sollen auf Druck von Bundeskanzler Kreisky von Kirchdorf nach Fohnsdorf verlagert werden.

04.05.: Ein neuer Betriebsabrechnungsbogen wurde vorgestellt.

04.05.: Neuer Aufsichtsratspräsident der Länderbank wurde Herr Ettmayer

05.05.: Erste "Motivationsgespräche" finden für die leitenden Angestellten statt

12.05.: Radiosendung in OÖ - Regional über den "Fall Eumig" lt. Gen.Dir. Dr. Vranitzky und Sozialminister Dallinger sollen so lange keine Übersiedlungen von Kirchdorf nach Fohnsdorf stattfinden, bis ein Sanierungmodell vorliegt.

14.05.: Herr Dipl.Ing. Nähr trifft sich mit Vertretern der Firma Oerlikon in Fohnsdorf.

27.05.: Vollversammlung in Kirchdorf (mit Stefan Benczak)

04.06.: Aufnahmen des ORF in Wiener Neudorf

04.06.: Sanierungsmodell II: Schließung Werk Fürstenfeld - Kirchdorf und Fohnsdorf werden ausgeklammert

10.06.: Kirchdorf wird nur mehr bis Ende April 1982 budgetiert, da ab diesem Zeitpunkt dort nur mehr der Industrieverkauf stattfinden soll.

23.06.: Firma Rollei - eine der größten Konkurrenzfirmen der eumig - bekommt auf Anweisung der Geschäftsführung Einblick in die Linsenfertigung der Eumig

26.06.: Firma Rollei meldet den Konkurs an

26.06.: Krisensitzung: Ergebnisrechnung für 1982: Minus 184 Millionen ATS, 1983: minus 66 Millionen ATS 

Ende Juni feiert die Länderbank ihre 100 Jahre - Feier.

06.07.: Zentralbetriebsratssitzung. Eumig Leitung legt für die Schließung von Fürstenfeld einen Stufenplan vor. Start: 9/1981 bis Ende: März 1982.
Personalstand von Fürstenfeld: 1978: 1.800 Personen, 06.07.1981: 861 Personen

08.07.: Personalstand Eumig gesamt: 2.700 Personen, es wurde ein Verlust von Eumig für 1981 von 457 Millionen berechnet.

08.07.: Landeshauptmann Krainer interveniert bei Bundeskanzler Kreisky und Gen. Dir. Vranitzky telegrafisch.

09.07.: Es sind 160 Frühwarnungen in Fürstenfeld wegen dem geplanten Personalabbau vorgesehen. Mit Straßensperren und Protestaktionen der Bevölkerung ist zu rechnen.

11.07.: Demonstrationen vom Parkplatz von der Firma weg, in Anwesenheit vom ORF.

15.07.: Bundeskanzler Kreisky stellt in der Öffentlichkeit fest, dass die Regierung eine persönliche Verantwortung für Fohnsdorf besitzt.

15.07.: Frühwarnungen wegen Personalabbau werden auch in Kirchdorf notwendig. (64 Personen)

15.07.: Herr Ing. Zoidl ist in Fohnsdorf und verliest einen Brief von Bundeskanzler Kreisky

17.07.: Bezüglich der 160 Frühwarnungen in Fürstenfeld fand im Radio in Ö1 ein Mittagsjournal mit Interviews des Betriebsrats von Fürstenfeld über das Werk Fürstenfeld statt.

24.07.: Eumig Bolex schließt Studioabteilung in Yverdon (betrifft 49 Mitarbeiter)

28.07.: Verhandlungen zwischen Voest und Siemens: Kooperation mit Fohnsdorf bezüglich der Erzeugung von Industrierobotern?

10.08.: alle drei Geschäftführer in der Länderbank, .... Zentralbetriebsrat kommt um 16 Uhr nach!

10.08: 17:50: Bescheid, dass die Länderbank die Zahlungen an Eumig einstellt.

11.08.: Betriebsversammlung in Wiener Neudorf im Beisein von Vertretern des Gewerkschaftsbundes.

11.08.: ORF / FS1.: Herr Dr. Vranitzky stellt fest, dass die Länderbank weitere eumig - Verluste nicht mehr tragen kann.

11.08.: ORF Mittagsjournal Hauptthema: Eumig

11.08.: Vollversammlung in Wiener Neudorf und Kirchdorf, um 11 Uhr müssen alle 3 Geschäftsführer in die Länderbank, um 12:30 Pressekonferenz

11.08.: ORF um 11:30 in Fürstenfeld und in Kirchdorf.

12.08.: Betriebsrat spricht um 10 Uhr bei Vizekanzler Sinowatz vor

12.08.: Die gleiche Delegation bei Landeshauptmann Krainer (Stmk) um 18:30 Uhr.

12.08.: Oberösterr. Kraftwerke wollen den Strom abdrehen, das konnte verhindert werden.

13.08. 11 Uhr Landeshauptmann Ratzenböck von Oberösterreich und Landesrat Leibenfrost bei Betriebsleiter Krenn in Kirchdorf.

13.08.: In Wiener Neudorf soll lt. Information der Geschäftsleitung das Erdgas abgedreht werden, dies konnte verhindert werden.

13.08.: Arbeitskreise werden unter der speziellen Leitung der Geschäftsleitung installiert.

13.08.: Die frühgewarnten Kündigungen müssen ausgesendet werden.

14.08.: Urlaubsunterbrechung von Bundeskanzler Kreisky, Besprechung mit: Landeshauptmann Ratzenböck von Oberösterreich, Landeshauptmann Ludwig von Niederösterreich, Landeshauptmann Krainer von der Steiermark, Sozialminister Dallinger, Handelsminister Staribacher, Vizekanzler Sinowatz, Herr Grünzweig von der ÖIAG, Gen. Dir. Apfalter von der Voest, Generaldirektor Vranitzky von der Länderbank und den Eumig Betriebsräten. (Am selben Tag wurde Ing. Vockenhuber im Radio interviewt)

15.08.: Herr Dipl.Ing. Nähr räumt sein Arbeitszimmer, es werden die letzten Fotos gemacht

17.08.: Konkursverfahren wird eingeleitet.

17.08.: es wurden bei Dr.Benczak Direktiven für eine Auffanggesellschaft in Wiener Neudorf vorgegeben.

17.08.: in Fürstenfeld lässt die Krankenkasse auf Fertigware den "Kuckuck" kleben.

18.08: Betriebsleiter Rath informiert, dass Fürstenfeld 3 x 25 Millionen ATS (von Land, Bund und Länderbank = 75 Millionen ATS) erhalten soll. (wurde nie ausbezahlt)

18.08.: 12 Uhr: Radioansage: Eumig hat Konkurs angemeldet.

18.08.: Betriebsrat Valezka informiert, dass der Masseverwalter Dkfm. Löbenstein ist.

Zahlreiche Vollversammlungen finden statt.

20.08.: erste Anweisungen von Loebenstein, Gehälter für August und September sind lt. Betriebsrat Fadler gesichert.

24.08.: Loebenstein besucht alle Werke

24.08.: Bundeskanzler Kreisky und Länderbank Generaldirektor Vranitzky besuchen mit Grundig - Managern Fürstenfeld und Wr. Neudorf.

27.08.: Schriftliche Anweisung (vom Masseverwalter Dkfm. Loebenstein) an Betriebsleiter Rath: Er soll alle Leute des Werkes Fürstenfeld heim schicken.

31.08.: Auffanggesellschaft für Wiener Neudorf wurde gegründet, Eintragung der neuen Firma in das Handelsregister. (Betrieb Wiener Neudorf)

Anfang August: Amtsantritt von Dkfm. Gerhard Wagner als Vorstand der Länderbank

01.09.: Notarielle Beglaubigung der Geschäftsgründung der Auffanggesellschaft in Wr. Neudorf.

01.09.: Sitzungen in der Länderbank wegen dem Werk Kirchdorf, Probleme der Firma KTM, und Anderes.

03.09.: Auffanggesellschaft für das Werk Kirchdorf. Geschäftsführer werden Herr Krenn und Herr Pollak (Finanzen).

03.09.: Vollversammlung in Wiener Neudorf

04.09.: Teileproduktion für die Kinoproduktion soll auf Null heruntergefahren werden.

08.09.: Pachtvertrag für Auffanggesellschaft Wiener Neudorf wird der Länderbank vorgelegt. Auflistung: Notwendiges Personal, Maschinen, Flächen, Einrichtungen etc.

10.09.: Dr. Ulber (Eumig - Arzt) muss die Sanität räumen

11.09.: Frauenlöhne für die Auffanggesellschaft Wiener Neudorf: 49,- / ATS pro Stunde und 5,- Schichtzulage

14.09.: Abteilung Design: diverse Geräte werden sichergestellt.

15.09.: An Loebenstein werden die letzten Maschinenlisten vom Werk Wr. Neudorf übergeben.

Schlüsselübergabe an Masseverwalter Dkfm. Loebenstein wurde durchgeführt.....
Verabschiedung!

16.09.: Start der neuen Auffanggesellschaft Optik Elektronik und Metallwaren Industrie Gesellschaft m.b.H. (O + E) mit ca. 200 Personen in Wiener Neudorf.
Die Technologien dieses Werkes sollen erhalten bleiben.


1982

Das Eumig Haus in Wiener Neudorf wird an die Österreichische Firma Palmers AG verkauft, die ÖIAG (Verstaatlichten Holding - heute: ÖBIB) übernimmt das Werk Fohnsdorf.
Der Firmennname Eumig wird an die Luxemburgische Holding "Interbasic" verkauft. (Siehe "Geschichte des Eumig - Logos")

Am 8.10.1985: Ende des Konkursverfahrens.

Am 28.12.1989 verstarb Ing. Karl Vockenhuber


Abschlussbemerkungen: (von Werner Schöfnagl)
1982 wurde im Rahmen der Konkursabwicklung der Verkauf des Eumig-Hochhauses an Palmers (nach Einleitungsgesprächen zwischen Werner Schöfnagl und Raimer Dierks, sowie folgender Konkretisierung über Rudolf Humer und Franz Vranitzky) von Paul Loebenstein und dem Hauptgläubiger der damaligen Länderbank, abgewickelt.

Mit übernommen wurde auch ein - von einem ehemaligen Eumig-Lehrling angefertigtes - Glasmodell des Gebäudes, dass später über Ulla Fleischer vom Palmers-Archiv und Christian Palmers im Dorotheum, von einem leider uns unbekannten Käufer erstanden wurde. Wir hätten nämlich einen prominenten Platz dafür im Eumig-Museum, vielleicht findet sich noch eine Möglichkeit?